Hamburger Kriegsbuch 1914

entkratzt 5075Am 1. April 1915 begannen in Hamburg die Osterferien. Es gab Zeugnisse, denn damals endete das Schuljahr immer zu Ostern. Die Schulabgänger – Abiturienten und Realschüler – wollten hinaus ins Leben und die große weite Welt für sich erobern. Aber es war Krieg. Der dauerte bereits ein halbes Jahr, und niemand wusste, wie es weitergehen würde. Finde ich jetzt in der schwierigen Zeit einen Ausbildungsplatz? Kann ich mein Studium beginnen oder werde ich gleich Soldat? Die Zukunft war für die Jungen und Mädchen ungewiss.
Da hatte die Hamburger Oberschulbehörde einen großartigen Einfall. Sie gab ein Buch in Auftrag, das innerhalb weniger Wochen druckfertig war. Dieses Buch, das in kostbares Leinen gebunden war (336 Seiten), sollte allen Hamburger Schulabgängern auf der Entlassungsfeier mit den Zeugnissen überreicht werden. Es hieß Hamburger Kriegsbuch 1914.
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Auf dem richtigen Pfad/On the right path

Am 23. August 2014 wurde in Lüneburg der sogenannte Friedenspfad offiziell eröffnet. Inzwischen gibt es sogar eine Smartphone-App dafür. Damit kann der Nutzer mobil auf einem Stadtrundgang durch Lüneburg navigieren und sich an 24 Stationen über Denkmale informieren. 19 dieser Stationen befassen sich mit Denkmalen, die an die beiden Weltkriege erinnern sollen.

Friedenspfad-62a8de63In einem Faltblatt wird das Ziel genannt: „Verschiedene Institutionen, Vereine und Einzelpersonen gedenken oft exklusiv jeweils bestimmter historischer Ereignisse und ihrer Opfer. Wir möchten diesen Zustand überwinden und zu Toleranz, gegenseitigem Verständnis und gesellschaftlicher Integration beitragen.“

bergen340_v-vierspaltigDie erste Station dieses Friedenspfads steht mitten in der Stadt auf einer kleinen Rasenfläche. Es ist eine Ansammlung von dreizehn Quadern. Eine gesichtslose Ecke mit Neubauten in Lüneburg – ein Sonnenstudio, ein Bowlingcenter, ein Matratzen-Outlet. Ein Denkmal ist ein Denkmal, ist ein Denkmal – könnte man jetzt fabulieren. Aber warum gerade da, an einer gesichtslosen Kreuzung? weiterlesen

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Sammelleidenschaft 1915

Briefmarken sammeln war vor hundert Jahren für jeden Jungen Ehrensache. Auch Stollwerck- oder Liebigbilder wurden gesammelt und auf dem Schulhof getauscht. stoll_0001stoll_0003stoll_0002Ab 1915 wurden die Jungen nun an ein neues Hobby herangeführt: Geld sammeln für den großen Krieg. Wer darin besonders erfolgreich war, bekam vom Direktor eine Urkunde. Überliefert ist ein aufwändig gestaltetes Blatt, das Ernst Stiel im Frühling 1915 für seine Verdienste überreicht wurde. Wir schauen uns das einmal näher an. weiterlesen

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Wer opfert sich?

herzog_0001Wenn bei ebay Ansichtskarten aus der Zeit von 1914 bis 1918 angeboten werden, sind die meisten Postkarten „gelaufen“ – so nennen das Sammler. Mit Briefmarke, Stempel und mit lieben Grüßen sind sie von der Front in die Heimat „gelaufen“ oder umgekehrt. Ein bestimmtes Bildmotiv aber  gibt es nur als „nicht gelaufen“.
Abgebildet sind fürstliche Herrschaften – der Herzog von Braunschweig z.B. mit seiner Gattin und dem ersten Sprössling. Oder der Kaiser – mit oder ohne Familie. Fürsten eben. Blaues Blut auf Fotos in Sepia. Das kann doch kein Zufall sein, dass diese Fürsten nicht mit der Post an die Front geschickt wurden. Schaut man sich die Rückseite genauer an, findet man des Rätsels Lösung. weiterlesen

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Weihnachtshass 1915

Weihnachten 1914 – da soll es tatsächlich ein bisschen nach Frieden ausgesehen haben. Überall im Lande läuteten in der Heimat die Glocken in der Hoffnung auf ein baldiges Kriegsende im kommenden Jahr. An der Front schwiegen für ein paar Augenblicke die Waffen. Hier und da haben englische und deutsche Soldaten gemeinsam Weihnachtslieder gesungen und sogar miteinander Fußball gespielt. Wenn es nach diesen einfachen Soldaten gegangen wäre, wäre spätestens Silvester Schluss mit dem Krieg gewesen. Oder er hätte gar nicht erst anfangen sollen. Aber wie wir wissen, kam 1915 alles ganz anders. weiterlesen

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Fußball ist unser Leben

Vor einem Jahr ging diese rührselige Geschichte durch die Medien: Weihnachten 1914 haben deutsche und englische Soldaten an der Front ihr Gewehr beiseitegelegt, haben einen kleinen Tannenbaum in die Hand genommen, sind aufeinander zugegangen, haben gemeinsam „Stille Nacht“ gesungen und haben irgendwann aus lauter Feindesliebe angefangen Fußball zu spielen.

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Fotoapparate wurden gezückt und Bilder fanden sogar den Weg in die englischen Zeitungen. Das Spektakel dauerte nicht lange, dann ging der Krieg leider ohne Frontfußball „normal“ weiter. weiterlesen

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Drei Buchtipps zu Weihnachten

In diesen Tagen werden die Bücher in den Buchläden höher gestapelt als sonst. Jetzt vor Weihnachten gibt es wieder neue Bestseller, die man unbedingt gelesen haben muss. Das sagt einem jedenfalls der Buchhändler, das sagt DIE ZEIT, das sagen andere Rezensenten.
In der Abteilung Deutsche Geschichte liegen die Bestseller schon das ganze Jahr über auf hohen Stapeln: Christopher Clark z.B., Jörn Leonhard oder Herfried Münkler. Ob sie allerdings noch gekauft und dann auch noch gelesen werden, ist fraglich. Der Boom Erster Weltkrieg hat nachgelassen. Das Gedenkjahr 1914 ist schon lange vorbei. Vielleicht gibt es aber noch die eine oder andere Perle zu entdecken. weiterlesen

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Jetzt ist Kalenderzeit

pid16425932Jetzt sind unsere Buchläden und Supermärkte voll mit den schönsten und größten Kalendern für das kommende Jahr 2016. Küchen-, Katzen- und Literaturkalender versprechen einem mit bunten Bildern zum Träumen ein schönes neues Jahr. An Weihnachten liegen sie dann doppelt oder dreifach unter dem Tannenbaum – gekauft oder auch liebevoll selbst hergestellt. Kalender gehen immer.
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Carl Melchior – ein Grabstein und mehr nicht

In der jüdischen Zeitschrift Der Morgen gibt es im Januarheft 1935 zwei Nachrufe für Carl Melchior, unmittelbar nach seinem Tod am 30. Dezember 1933. Diese beiden Texte sind für lange Zeit die letzten schriftlichen Quellen über ihn. In der Nazizeit wurde Carl Melchior übergangen und nach 1945 schlichtweg vergessen.
Was für bedeutende Verdienste dieser Hamburger Politiker und Jurist hatte, kann man in diesen beiden Nachrufen nachlesen. Es ist unfassbar und nicht zu erklären, warum er heute immer noch vergessen ist. Es gibt zahlreiche Bücher über jüdische Persönlichkeiten, auch in Hamburg. Aber z.B. in dem Buch von 2011 „Im jüdischen Hamburg: Ein Stadtführer von A bis Z“ taucht sein Name nicht auf.

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Eine Straße für Carl Melchior!

Steller_Abb2Der Krieg ist gerade zu Ende. November 1918 – noch herrscht überall in Deutschland Revolutionswirrwarr. Da beginnen schon die Friedensverhandlungen. Die Delegationen der Sieger und Besiegten treffen sich an verschiedenen Orten, um vor allem die Höhe der Entschädigungen auszuhandeln. Was vom besiegten Deutschland schließlich verlangt wird, übersteigt alle Vorstellungskraft.
Zwei Mitglieder der Delegationen scheren aus und lehnen diese Forderungen ab – der eine ein Engländer, der andere ein Deutscher. Beide verlassen unter Protest ihre Delegation. Sie treffen sich heimlich, tauschen ihre Meinungen aus und werden nahezu Freunde. weiterlesen

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