Der Krieg ist aus. Für die Frauen geht er weiter.

Im letzten Beitrag ging es darum, wie die deutsche Frau die heimkehrenden Krieger zu Hause zu empfangen habe. Mit Blumen, Girlanden und Gesang sollte das Kriegsmärchen zu Ende gehen – so stellte man sich das 1916 vor. Die Wirklichkeit sah zwei Jahre später ganz anders aus. Als am 9. November 1918 der Große Krieg zu Ende ging, waren die deutschen Soldaten zwar kriegsmüde, aber keineswegs friedlich gestimmt. Es bildeten sich im gesamten Reich Soldaten- und Arbeiterräte, der Kaiser musste abdanken. In deutschen Landen herrschte der Ausnahmezustand.
Die heimkehrenden Krieger wurden zwar allüberall mit Girlanden und Blasmusik empfangen, aber die Frauen fanden sich plötzlich in einer merkwürdigen Rolle wieder. Da warnt der Arbeiter- und Soldatenrat in Osnabrück in einem öffentlichen Aufruf die weibliche Bevölkerung mit folgendem Satz: Eine große sittliche Gefahr droht uns durch die aus der Front heimkehrenden Soldaten. Die müden Helden sind für die Frauen eine sittliche Gefahr? Weiter Krieg zu Hause oder wo? weiterlesen

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Die Mobilmachung der Deutschen Frau

Der Erste Weltkrieg ist auch heute noch eine einträgliche Handelsware. Bei ebay z.B. werden tausende von Feldpostkarten angeboten, die Käufer bieten, überbieten und kaufen für horrende Summen kostbare Einzelstücke, aber auch das billige Stück für einen Euro. Es ist nicht immer erkennbar, wo der Unterschied liegt. Auch auf Flohmärkten gibt es jede Menge Erinnerungsstücke der glorreichen Zeit: Orden, Postkarten oder ganze Fotoalben. Opas Vergangenheit wird verscherbelt oder einfach mehr oder weniger sinnvoll entsorgt.
Also gehen wir einmal auf einen Hamburger Flohmarkt und versuchen unser Glück. An einem Stand stehen zwei Frauen und verkaufen ihre Secondhand-Klamotten. Auf ihrem Tisch liegt ein kleiner Karton mit Schmuckresten, ein paar Fotos, Kinderbüchern und einem dünnen Heftchen mit dem Titel „Die Mobilmachung der Deutschen Frau“. Wir sind neugierig und nehmen für einen Euro das Heftchen mit nach Hause. weiterlesen

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Briefe aus dem Niemandsland

Vor 100 Jahren treffen mitten im Krieg zwei junge Menschen zufällig aufeinander. Er an der Front in Frankreich, wird an der Hand schwer verletzt und kommt in ein Lazarett nach Hannover Burgfelde. Sie höhere Tochter betreut ebendort  die verwundeten Soldaten. Vier Wochen sehen sie sich jeden Tag, sehen sich immer tiefer in die Augen und versprechen sich Briefe zu schreiben. Er in Hamburg, sie in Hannover.

Daraus entwickelt sich eine große und schließlich tragische Liebe, die man aus den wenigen erhaltenen Briefen und Fotos rekonstruieren kann. Die Dokumente, in einem Schächtelchen verwahrt, landeten irgendwann auf dem Flohmarkt, von ahnungslosen Verwandten entsorgt.
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Bilder lügen: Zwei Ausstellungen in Hamburg

1914, als der der Beginn des Ersten Weltkriegs sich zum einhundertsten Mal jährte, gab es in vielen europäischen Städten Ausstellungen, um an dieses schreckliche Datum zu erinnern. Hamburg hat vor drei Jahren dazu  geschwiegen oder diesen Moment schlichtweg verschlafen.

Im Augenblick gibt es gleich zwei Ausstellungen in Hamburg, die den Ersten Weltkrieg zum Thema machen. Und das, obwohl es kein aktuelles Erinnerungsdatum gibt. Zufällig oder auch nicht befassen sich beide Ausstellungen unabhängig voneinander mit dem gleichen Thema: Kriegspropaganda vor 100 Jahren. Weiterlesen

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Rathenau – mein Gott, Walther!

In diesem Jahr jährt sich Walther Rathenaus Geburtstag zum 150. Mal. Schon jetzt bereitet man sich in Berlin auf dieses Ereignis am 29. September vor. Es wird eine Sonderbriefmarke geben, es wird Feierlichkeiten, Festreden und einen gewaltigen Medienrummel geben. Den Anfang machten jetzt im Januar die Kommunalvertreter in Treptow-Köpenick:

Die Bezirksverordnetenversammlung wird ersucht, anlässlich des 150. Geburtstages das Leben und Wirken des Industriellen, Schriftstellers und Politikers Dr. Walther Rathenau (1867-1922) hinsichtlich seines Lebenswerkes und seiner Arbeit im Bezirk mit geeigneten Veranstaltungsformen zu würdigen.

Rathenau mit geeigneten Veranstaltungsformen würdigen? Gibt es auch ungeeignete? weiterlesen

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Was bringt das neue Jahr?

Jahreswende vor 100 Jahren

…und 27 Jahre später:

https://www.theguardian.com/commentisfree/2016/dec/29/the-guardian-view-on-1917-the-joy-of-100

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Hoffentlich geht es Dir gut!

Danke Dir herzlich für deinen lb. Brief. Hoffe daß Du d. Pantoffel schon erhalten hast und es Dir gut geht. Auch bei uns ist es schon recht kalt. Bitte lasse bald wieder von dir hören. Herzl. grüßt Dich Deine Schw. Maria

Bayer. Landeskomitee für freiwillige Krankenpflege im Kriege (Offizielle Postkarte)

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Erinnern oder vergessen?

Die Briten, Franzosen und Belgier erinnern jedes Jahr am 11. November an den Waffenstillstand von 1918 und begehen landesweit Schweigeminuten. Im nationalen und sozialen Gedächtnis der Deutschen spielt der Erste Weltkrieg eher eine untergeordnete Rolle. Es sei denn, wir haben ein Erinnerungsjahr wie 1914, das zu einem vielstimmigen und reichhaltigen Medienereignis wurde.

Jetzt zwei Jahre später ist das in der Öffentlichkeit kein Thema mehr, nicht einmal am Rande. Die Bücher von Christopher Clark und anderen Weltkriegsexperten sind aus den Bestsellerlisten verschwunden und auch aus den Regalen. Aber warum soll man immer noch daran erinnern, was vor 100 Jahren war? Sollte nicht allmählich Gras darüber wachsen? weiterlesen

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Frieden: 1916 im Angebot

„Angebot und Nachfrage sind zwei wichtige Begriffe der Marktwirtschaft. Dabei spielt der Preis des jeweiligen Produktes eine gravierende Rolle und beeinflusst das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage.“ Passen diese Definitionen vielle4icht auch auf das, was Kaiser Wilhelm sich kurz vor Weihnachten 1916 ausgedacht hatte?
Genau vor 100 Jahren, am 12. Dezember 1916, warf der Kaiser ein Friedensangebot auf den Markt. Die Nachfrage war allerdings nicht sonderlich groß. Keiner griff zu. Es dauerte noch rund zwei Jahre, dann war Deutschland richtig pleite und musste Insolvenz anmelden. Hätte man das nicht schon zwei Jahre eher haben können? weiterlesen

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Mein Großvater zieht mit seinem Pferd in den Krieg

Über meinen Großvater Friedrich weiß ich so gut wie nichts. Ich habe ihn auch nicht mehr kennen gelernt. Geboren ist er 1879, gestorben 1937. Ein kurzes Leben lang in Masuren. Geheiratet hat er im Jahre 1902 die Charlotte Nymzyk. Sie wurde Mutter von dreizehn Kindern, von denen sieben die Geburt überlebten. Es gibt nur zwei Fotos von ihm und die spärlichen Lebensdaten aus dem Familienstammbuch. Sonst keine Briefe, kein Andenken. Keiner lebt mehr, der etwas über ihn erzählen könnte. Er war ein guter Mensch, sagt meine Tante Betty, die sich mit ihren 95 Jahren nicht weiter an ihren Vater erinnern kann. weiterlesen

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