Es gibt immer wieder auf dem Flohmarkt oder bei einer Wohnungsauflösung Gemälde oder Fotos, die auf ihre Entdeckung warten. So mancher Picasso oder Rembrandt ist so schon gefunden worden. Ganz so spektakulär erging es dem französische Historiker Pierre Schill nicht, als er in Montpellier das Privatarchiv eines Abgeordneten durchforsten durfte. Bald stieß er auf einen unscheinbaren Pappkarton mit vergilbten Fotos.

Es waren „nur“ etwa dreißig Fotos, aber die hatten es in sich. Sie zeigten militärische Truppen in der Wüste oder an einer Oase. Auf einem Foto war eine öffentliche Hinrichtung von Männern zu sehen. Name des Fotografen, Ort oder Datum der Aufnahmen fehlten. Es musste also geforscht werden. Das war 2015. Inzwischen hat Pierre Schill zwei Bücher darüber veröffentlicht und 2018 eine Ausstellung angeregt. Weiterlesen


Wir alle kennen das Bild von Marc Chagall mit dem Mann, der über der Stadt schwebt. Er hält einen Wanderstab in der rechten Hand, und auf dem Rücken drückt ihn ein schwerer Sack mit seiner ganzen Habe. Chagall hat dieses Bild 1914 in Witebsk gemalt. Er war kurz vorher aus Paris in seine Heimat zurückgekehrt. Paris war durch den Krieg in weite Ferne gerückt. Mit seinem über der Stadt schwebenden Mann hat Chagall ein Motiv ins Bild gesetzt, das als zentrale Metapher der jüdischen Existenz gelten kann. „Hängen wir denn nicht tatsächlich in der Luft, leiden wir nicht an einer einzigen Krankheit: der Sucht nach Stabilität?“, hat Chagall zu seinem Bild gesagt. 