Mein Großvater zieht mit seinem Pferd in den Krieg

Über meinen Großvater Friedrich weiß ich so gut wie nichts. Ich habe ihn auch nicht mehr kennen gelernt. Geboren ist er 1879, gestorben 1937. Ein kurzes Leben lang in Masuren. Geheiratet hat er im Jahre 1902 die Charlotte Nymzyk. Sie wurde Mutter von dreizehn Kindern, von denen sieben die Geburt überlebten. Es gibt nur zwei Fotos von ihm und die spärlichen Lebensdaten aus dem Familienstammbuch. Sonst keine Briefe, kein Andenken. Keiner lebt mehr, der etwas über ihn erzählen könnte. Er war ein guter Mensch, sagt meine Tante Betty, die sich mit ihren 95 Jahren nicht weiter an ihren Vater erinnern kann. weiterlesen

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Vergessen, nicht verjährt. Zum 100.Todestag eines deutschen Impressionisten.

Barbara Wackermann

Am 17. Januar 1917 versammeln sich in der Galerie von Paul Cassirer in der Berliner Victoriastraße zahlreiche Mitglieder der Künstlervereinigung Berliner Secession, Kunstkritiker, Freunde und Verwandte zur Eröffnung einer Ausstellung. Der Erste Weltkrieg hat schon längst Berlin erreicht. Während draußen das schreckliche Schlachten unvermindert anhält, stehen die Menschen an der “Heimatfront“ bei grimmigem Frost nach Lebensmitteln an. Auch in der Kunstszene hat sich die Kriegsbegeisterung erschöpft, hat der Krieg auch hier seine Opfer gefordert: Die Maler August Macke und Franz Marc gefallen.

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Eine Frage der Hygiene

baden-bei-reimsZu den täglichen Pflichten eines Soldaten gehörte seit alters her die Reinigung seines Gewehrs. Die Selbstreinigung war eher zweitrangig oder kaum möglich. An der Front gab es keine Badewannen, Duschen oder Waschbecken. Wasser, wenn es überhaupt in der Nähe war, war zum Trinken da. Manchmal hatte man Glück und es war ein Fluss in der Nähe.
Diese fünf Männer – so steht es auf der Rückseite des Fotos – haben sich im Mai 1917 bei Reims in die Fluten der Vesle geworfen. Ob freiwillig oder weil der Hauptmann es befohlen hat, bleibt ungewiss. Reinigung oder Vergnügen? Ganz glücklich sehen sie dabei nicht aus. Ob sie überhaupt schwimmen können? Sie stehen etwas unsicher und fremdelnd im Wasser. Wasser – das war an der Front oft etwas Bedrohliches, vielleicht sogar der schlimmste Feind des Soldaten. weiterlesen

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Sag mir, wo die Männer sind

männerSag mir wo die Männer sind, wo sind sie geblieben?
Dieses Foto wurde 1923 aufgenommen – vier Jahre nach Kriegsende. Da muss man gar nicht lange fragen, wo die Männer geblieben sind.  Ein Blick auf diese alberne Gesellschaft reicht. Acht Frauen sind auf dem Foto zu sehen, zwei Männer haben sich auch noch als Frauen verkleidet. Der einzige Mann in der Mitte scheint jenseits von Gut und Böse zu sein.
Fünf Jahre nach Kriegsende sind Männer in Deutschland knapp. Fast drei Millionen sind bis 1918 als Soldaten oder Zivilisten getötet worden. Fast auf jedem Foto, das nach 1918 entstanden ist, fragt man sich: Wer fehlt auf dem Bild? Wer fehlt auf unserem Familienfoto? Wie würde der gefallene Sohn jetzt aussehen?  Ja, und wer mag wohl bei diesem lustigen Waldausflug fehlen? Ein Bild der Überlebenden.
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Ein Gedicht zum Weinen?

Otmar Hitzfeld hat’s getan. Jürgen Klopp hat’s getan. Man glaubt es nicht, auch Putin hat‘s getan und sogar Helmut Schmidt hat vor aller Welt bewiesen: Männer können weinen. Ob beim Abschied vom geliebten Fußballclub oder in bewegenden Augenblicken der Weltgeschichte – wir sind oft live dabei, wenn im Fernsehen sogenannte gestandene Männer weinen.
Aber es gibt nicht nur Männer, die medienwirksam weinen, wenn die halbe Welt zuschaut. In England ist vor zwei Jahren ein Gedichtband erschienen mit dem herausfordernden Titel „POEMS that make GROWN MEN CRY“. Können Gedichte tatsächlich Männer zum Heulen bringen? weiterlesen

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Ein Schnappschuss für die Heimat

Manchmal ist es ein unscheinbares Foto, das einem auf dem Flohmarkt oder sonst wo zufliegt. Schaut man dann genauer hin, entdeckt man eine fremde und weit entfernte Welt. Weit, weit entfernt und längst vergangen. Aber schon sind wir neugierig und wollen wissen, woher dieses Foto kommt. Wer hat auf den Auslöser gedrückt? Wer hat es aufbewahrt? Wieso ist es auf dem Flohmarkt gelandet? Ist es ein Privatfoto? Ein Schnappschuss? Wir tasten uns vorsichtig heran. Hier ist z.B. ein Foto mit drei Männern – vermutlich ein Amateurfoto. Es ist schon stark vergilbt und etwas schräge im Fotolabor entwickelt worden. Wann und wo ist es wohl entstanden? Oder sagt man geschossen worden? weiterlesen

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Noch’n Gedicht

Kaum hatte der Krieg am 1. August angefangen, da entpuppten sich Tausende von Soldaten als wahre Lyriker. Vor allem die Anfangsmonate brachten eine Fülle an kriegerischen Jubelgedichten hervor. Der Literaturkritiker Julius Bab schätzte für die ersten Kriegswochen die Zahl der Gedichte, die täglich in den Redaktionen von Zeitungen eingingen, auf rund 50.000. Schon 1914 wurde in Freiburg das Deutschen Volksliedarchiv gegründet, wo die während des Krieges entstandenen Lieder und Gedichte gesammelt wurden. http://www.1914-2014.eu/index.php/aktionen/59-lieder-und-gedichte-aus-dem-1-weltkrieg

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Hamburger Kriegsbuch 1914

entkratzt 5075Am 1. April 1915 begannen in Hamburg die Osterferien. Es gab Zeugnisse, denn damals endete das Schuljahr immer zu Ostern. Die Schulabgänger – Abiturienten und Realschüler – wollten hinaus ins Leben und die große weite Welt für sich erobern. Aber es war Krieg. Der dauerte bereits ein halbes Jahr, und niemand wusste, wie es weitergehen würde. Finde ich jetzt in der schwierigen Zeit einen Ausbildungsplatz? Kann ich mein Studium beginnen oder werde ich gleich Soldat? Die Zukunft war für die Jungen und Mädchen ungewiss.
Da hatte die Hamburger Oberschulbehörde einen großartigen Einfall. Sie gab ein Buch in Auftrag, das innerhalb weniger Wochen druckfertig war. Dieses Buch, das in kostbares Leinen gebunden war (336 Seiten), sollte allen Hamburger Schulabgängern auf der Entlassungsfeier mit den Zeugnissen überreicht werden. Es hieß Hamburger Kriegsbuch 1914.
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Auf dem richtigen Pfad/On the right path

Am 23. August 2014 wurde in Lüneburg der sogenannte Friedenspfad offiziell eröffnet. Inzwischen gibt es sogar eine Smartphone-App dafür. Damit kann der Nutzer mobil auf einem Stadtrundgang durch Lüneburg navigieren und sich an 24 Stationen über Denkmale informieren. 19 dieser Stationen befassen sich mit Denkmalen, die an die beiden Weltkriege erinnern sollen.

Friedenspfad-62a8de63In einem Faltblatt wird das Ziel genannt: „Verschiedene Institutionen, Vereine und Einzelpersonen gedenken oft exklusiv jeweils bestimmter historischer Ereignisse und ihrer Opfer. Wir möchten diesen Zustand überwinden und zu Toleranz, gegenseitigem Verständnis und gesellschaftlicher Integration beitragen.“

bergen340_v-vierspaltigDie erste Station dieses Friedenspfads steht mitten in der Stadt auf einer kleinen Rasenfläche. Es ist eine Ansammlung von dreizehn Quadern. Eine gesichtslose Ecke mit Neubauten in Lüneburg – ein Sonnenstudio, ein Bowlingcenter, ein Matratzen-Outlet. Ein Denkmal ist ein Denkmal, ist ein Denkmal – könnte man jetzt fabulieren. Aber warum gerade da, an einer gesichtslosen Kreuzung? weiterlesen

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Sammelleidenschaft 1915

Briefmarken sammeln war vor hundert Jahren für jeden Jungen Ehrensache. Auch Stollwerck- oder Liebigbilder wurden gesammelt und auf dem Schulhof getauscht. stoll_0001stoll_0003stoll_0002Ab 1915 wurden die Jungen nun an ein neues Hobby herangeführt: Geld sammeln für den großen Krieg. Wer darin besonders erfolgreich war, bekam vom Direktor eine Urkunde. Überliefert ist ein aufwändig gestaltetes Blatt, das Ernst Stiel im Frühling 1915 für seine Verdienste überreicht wurde. Wir schauen uns das einmal näher an. weiterlesen

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