Sammelleidenschaft 1915

Briefmarken sammeln war vor hundert Jahren für jeden Jungen Ehrensache. Auch Stollwerck- oder Liebigbilder wurden gesammelt und auf dem Schulhof getauscht. stoll_0001stoll_0003stoll_0002Ab 1915 wurden die Jungen nun an ein neues Hobby herangeführt: Geld sammeln für den großen Krieg. Wer darin besonders erfolgreich war, bekam vom Direktor eine Urkunde. Überliefert ist ein aufwändig gestaltetes Blatt, das Ernst Stiel im Frühling 1915 für seine Verdienste überreicht wurde. Wir schauen uns das einmal näher an.

ann_0001Format
DIN A5? Nein, etwas größer. Papier wurde erst ab 1922 nach der DIN-Norm 476 zugeschnitten.

Spruch
Noch zu jung zum Waffen tragen
Half ich doch die Feinde schlagen
Der Dichter dieser Zeilen wollte unerkannt bleiben. Sein Name fehlt auf dem Blatt. Aber sein Spruch wurde in den ersten Kriegsjahren hunderttausendfach in Deutschland und in Österreich eingesetzt, um die Jungen am vermeintlichen Sieg teilnehmen zu lassen.

230 Mark in Gold
1 Goldmark entsprach zu der Zeit laut Statistischem Bundesamt ca. 5 Euro.

Martin Kronenberg, ehemaliger Schulleiter der Käthe-Kollwitz-Schule in Hannover, hat in einem Buch dokumentiert, wie die Schüler vor hundert Jahren im Fach „Kriegslust“ gefördert wurden. Einer dieser Schüler, Ernst Stiel aus Hamburg, hat bei seinen Nachbarn und Verwandten 230 Mark in Gold erbeutet. Er war zu der Zeit als Schüler der Realschule am Weidenstieg ca. 15 oder 16 Jahre alt. Sein Sammeleinsatz für den Krieg war sicher nicht seine letzte Heldentat. Zwei Jahre später war er vermutlich an der Front. Ober er dann wild darauf war, den Feind mit anderen Waffen als mit Geld zu schlagen, sei dahingestellt.

Quellen
Martin Kronenberg, Kampf der Schule an der Heimatfront im Ersten Weltkrieg
Nagelungen, Hilfsdienste, Sammlungen und Feiern im Deutschen Reich
2014 disserta Verlag
http://www.kks-hannover.de/news_384.html
http://www.kriegsnagelungen.de/

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