Wir müssen siegen

Wir müssen siegen

Der Krieg begann am 1. August 1914. Deutschland wurde zu Beginn gleichzeitig an der West- und Ostfront angegriffen. Gekämpft wurde auch schon in Afrika. Die Franzosen konzentrierten ihre Angriffe auf Elsaß-Lothringen. In der Schlacht bei Mülhausen (19. August) sowie in den Schlachten in den Vogesen und in Lothringen (20. bis 22. August) wurden die ersten Offensiven der französischen Armeen abgewehrt. Es gab große Verluste. Der Kaiser gab die Parole aus: Wir müssen siegen!

Vermutlich geht der Satz Wir müssen siegen! auf eine Ansprache des Kaisers zurück, die er nach diesen Schlachten am 27. August 1914 in Dortmund gehalten hat.

„Kameraden!
Ich habe Euch hier um mich versammelt, um mich mit Euch des herrlichen Sieges zu erfreuen, den unsere Kameraden in mehreren Tagen in heißem Ringen erfochten haben, Truppen aus allen Gauen halfen in unwiderstehlicher Tapferkeit und unerschütterlicher Treue mit zu dem großen Erfolge. Es standen unter der Führung des bayerischen Königssohnes nebeneinander und fochten mit gleichem Schneid Truppen aller Jahrgänge, Aktive, Reserve und Landwehr. Diesen Sieg danken wir vor allen Dingen unserm alten Gott, er wird uns nicht verlassen, da wir für eine heilige und gerechte Sache einstehen. Viele unserer Kameraden sind bereits im Kampfe gefallen. Sie sind als Helden fürs Vaterland gestorben. Wir wollen derselben hier in Ehren gedenken und bringen zu Ehren der draußen stehenden Helden ein dreifaches Hurra aus. Wir haben noch manche blutige Schlacht vor uns; hoffen wir auf weitere gleiche Erfolge. Wir lassen nicht nach und werden dem Feinde ans Leder gehen. Wir verlieren nicht die Zuversicht im Vertrauen auf unseren guten alten Gott dort oben. Wir wollen siegen und wir müssen siegen!

Quelle: Frankfurter Zeitung (1914)

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Zur Ansichtskarte

Die Postkarte mit dem kleinen Jungen ist ein Beispiel dafür, wie das Kriegsgeschehen verharmlost und verkitscht wurde. Geschrieben ist sie im Jahre 1916 von einer gewissen Anni an ihren Liebsten Hans Grube. Wie üblich wird nur Privates kommuniziert – wann wer sich wo mit wem trifft. Heute würden eine SMS ähnlich klingen. Sogar die Abkürzung LG (Liebe Grüße) gab es damals schon.

Neckisch hat Anni auf der Vorderseite in die Kappe des Jungen das Wort „Hänschen“ eingefügt. Meint sie damit ihren Liebsten oder einen wann auch immer zu erwartenden Nachwuchs?2a

 
Musketier Hans Grube RD/2. I/E.84
Schleswig Schreibstube
 
Hamb. d. 6.6.16 abends 9 Uhr
 
Lieber Hans!
Deinen Brief habe ich dankend erhalten. Es freut mich sehr, wenn es möglich wird, daß Du schon Freitag auf Urlaub kommst, werde Freitagabend vom Geschäft aus gleich zu euch kommen, also vielleicht etwas nach 7 Uhr kann ich dann da sein. Falls du nicht kannst, schadet es ja nicht. L.G.
Wie es mit den Pfingsttagen wird, weiß ich heute noch nicht, doch ich werde mein möglichstes versuchen, allein fortgehen zu können. Bis auf ein Wiedersehen verbleibe ich mit herzlichem Gruß
Deine Anni
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