Wer ist der Größte?

Wer ist der Größte?

Die Frage, wer der Größte ist und wer der Kleinste, interessiert heute auch noch. Zentnerweise werden Listen und Rankings aufgestellt. Wer kennt nicht Schotts Sammelsurium mit den kuriosesten Fakten des Erdballs. Ganz aktuell sind Buzzfeed, Listicles und upcoming die Stichworte, um im Internet Fundorte für skurrile Listen zu finden.

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Irgendein Fotograf hatte vor 100 Jahren als erster die Idee: Der größte und der kleinste Soldat der Kompanie stellen sich nebeneinander, präsentieren todernst das Gewehr und schon hat man eine Lachnummer. Das wurde ein beliebtes Postkartenmotiv  aus den ersten Kriegstagen, das sich auch gut verkaufte. Diese Fotos sollten wohl die Truppen selber und die Zivilbevölkerung erheitern. Ihr eigentlicher Zweck war aber, von der Realität abzulenken.

Solch Foto-Ranking von zu lang oder zu kurz geratenen Soldaten wurde nämlich nur beim sogenannten Landsturm vorgenommen. Und dieser Landsturm bestand ausschließlich aus den altgedienten Jahrgängen, die ihre Dienstzeit schon fast vergessen hatten. Reserve hat Ruh! – so hieß. Aber jetzt kam es anders.  Gleich zu Beginn des Krieges  am 15. August wurde durch Erlass des Kaisers verordnet, dass sich alle Reservisten bei ihrer Ortsbehörde zum Einsatz melden mussten. http://www.altearmee.de/hilfe/landsturm/aufruf1914.html

Zur Postkarte

Die beiden abgebildeten Soldaten haben den Spaß sicher gerne mitgemacht. Es wird ja alles halb so schlimm – ein bisschen Strammstehen, das Gewehr präsentieren. Zu Befehl Herr Hauptmann!

Und schon sind sie fast berühmt: Der größte und der kleinste 162er Landsturmmann im Mai 1915 – so steht es auf der Rückseite der Postkarte. Und dann noch: Mit Gott für Kaiser und Rgröße_0002eich!

Abs. UntUfz. Bunk
 
Feldpost
Herrn Henry Weber
Lübeck
Weiter Lohberg 59
 
Wittenberg i. Sa(chsen)  d.18.7.15
Leider konnten wir uns gestern Abend nicht mehr treffen auf dem Bahnsteig. Ich hatte genug zu tun, daß ich ein Cupee fand.
 
19.7. 10 Uhr vormittags geschrieben in Schlesien, Ratibor 25 km von der östr. Grenze entfernt.
Nun geht’s mit Gesang auf Transport nach Rußland.
 
auf der Vorderseite:
Es geht sehr schnell vorwärts über die Grenze. Stimmung ist bei uns sehr gut.
Besten Gruß
Ihr Herm. Bunk
 

Noch einmal: Wer ist der Größte?

Eine Statistik aus dem Jahre 1906 zeigt uns die durchschnittliche Größe der damaligen Soldaten. Klein waren sie, die Männer. Klein im Vergleich zu heute. In Kürschners Jahrbuch von 1914 werden auf den Millimeter genau die Unterschiede zwischen den Soldaten z.B. in Oldenburg, Sachsen und Schlesien aufgelistet.

Genaue Daten über die Körpergröße des deutschen Soldaten liegen für den Stand vom 1. Dezember 1906 vor. Die Messungen an 624.864 Militärpersonen ergaben eine Durchschnittsgröße von 167,74 cm. Mehr als 190 cm maßen nur 0,03 % aller Leute.
Auf die deutschen Staaten bezogen, verteilen sich die Körpermaße folgendermaßen: An der Spitze stehen die Oldenburger mit 169,78, die Schleswig-Holsteiner und Mecklenburg-Strelitzer geben ihnen mit 169,67 nicht viel nach.
Dann folgen die Bremer mit 169,50, die Lübecker mit 169,43 und die Mecklenburg-Schweriner mit 169,31 cm. Alle anderen Staaten, bzw. preußischen Provinzen bleiben unter 169 cm. Während aber diese zum größten Teil den Reichsdurchschnitt übersteigen, erreichen jene ihn nicht.
Die kleinsten Preußen stammen aus Schlesien (166,61), Sachsen (167,24) und Posen (167,43 cm).
 
Quelle:
Kürschners Jahrbuch 1914, Welt- und Zeitspiegel, Kalender, Geographisch-Statistisches Handbuch und Verkehrslexikon, Berlin/Leipzig, Hermann Hillger Verlag 1913, 856 Spalten
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