{"id":999,"date":"2014-05-04T13:05:19","date_gmt":"2014-05-04T11:05:19","guid":{"rendered":"http:\/\/win2014.de\/?p=999"},"modified":"2015-01-31T17:30:17","modified_gmt":"2015-01-31T16:30:17","slug":"rechte-frauen-fuer-den-krieg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/win2014.de\/?p=999","title":{"rendered":"Rechte Frauen f\u00fcr den Krieg"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Seit der Reichsgr\u00fcndung gab es in Deutschland eine aktive konservative Frauenbewegung. Es waren meist Frauen aus dem mittleren und gehobenen B\u00fcrgertum. Sie verstanden sich als Gegenbewegung zur liberalen b\u00fcrgerlichen Frauenbewegung.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/4739_scan14200.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-1009 size-medium\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/4739_scan14200-187x300.jpg\" alt=\"4739_scan14200\" width=\"187\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/4739_scan14200-187x300.jpg 187w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/4739_scan14200.jpg 375w\" sizes=\"(max-width: 187px) 100vw, 187px\" \/><\/a>Der wichtigste und zahlenm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dfte Verein war der \u201eVaterl\u00e4ndische Frauenverein\u201c, der 1914 rund 60.000 Mitglieder z\u00e4hlte. Er wurde bereits 1866 durch die preu\u00dfische K\u00f6nigin Augusta gegr\u00fcndet. Der Verein bildete Frauen als Sanit\u00e4terinnen aus und baute ein sanit\u00e4res Netzwerk auf.<br \/>\nDer 1905 gegr\u00fcndete \u201eFlottenbund deutscher Frauen\u201c begann schon zu Friedenszeiten Geld zu sammeln f\u00fcr den Ausbau der kaiserlichen Flotte. So steht es jedenfalls im Vorwort zu einem Kinderbuch, das von einer gewissen Emma M\u00fcller-Aachen verfasst wurde \u2013 ein Buch, das beim heutigen Leser Wut, Kopfsch\u00fctteln und Trauer hinterl\u00e4sst. <!--more weiterlesen--><br \/>\nEs hat gleich drei Titel: <em>\u201eDer gro\u00dfe Teich\u201c<\/em> oder <em>\u201eDie eifers\u00fcchtigen Knaben\u201c<\/em> und den Untertitel <em>\u201eEine Kriegskindergeschichte\u201c<\/em>.<br \/>\nMan fragt sich: Wie konnte nur wenige Wochen nach Kriegsbeginn ein solches Buch entstehen? Gro\u00dfformatig (29 cm x 22 cm) und so aufw\u00e4ndig hergestellt, dass es wohl nur in die H\u00e4nde der Kinder von reicheren Eltern gelangen konnte. Diese Kinder sollten verf\u00fchrt werden, den Krieg als ein heiliges Mittel anzusehen, die Opfer als unvermeidlich, um die Heimat vor den b\u00f6sen Feinden zu retten, und schlie\u00dflich sogar um Geldspenden locker zu machen f\u00fcr den Flottenbund deutscher Frauen. Die Geschichte ist eher belanglos. Der vollst\u00e4ndige Text ist eingescannt unter <a href=\"http:\/\/win2014.de\/?page_id=197.%20\"><em><span style=\"color: #0000ff;\">http:\/\/win2014.de\/?page_id=197<\/span><\/em>. <\/a><span style=\"font-family: impact,chicago; font-size: 12pt;\">Hinweis: Durch\u00a0 Anklicken eines Bildes\u00a0 wird dieses vergr\u00f6\u00dfert.<\/span><br \/>\nZum Schluss verr\u00e4t die Autorin, dass es eigentlich gar keine Kindergeschichte ist, sondern ein Loblied auf Kaiser Wilhelm:<br \/>\n<em><span style=\"color: #008080;\">Ihr werdet die andern Knaben und M\u00e4dchen leicht erkennen, aber mu\u00df ich euch den Wilhelm vorstellen? Ich denke nicht, Ihr habt ihn alle erkannt, unsern vielgeliebten Kaiser Wilhelm II. Er f\u00fchrt jetzt drau\u00dfen auf den Schlachtfeldern unsere Heere zu Wasser und zu Lande gegen unsere t\u00fcckischen Feinde, die unser geliebtes Vaterland bedrohen. Von Osten und von Westen wollen sie eindringen, aber er h\u00e4lt sie alle mit starker Hand fern. Hoch Kaiser Wilhelm! Hoch Kaiser Franz Joseph! M\u00f6chten sie den furchtbar schweren Kampf zu einem siegreichen Ende f\u00fchren! Das walte Gott!<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als Weihnachten 1914 dieses Kriegskinderbuch als Geschenk unter dem Tannenbaum lag, wurde deutlich, was mit dem furchtbar schweren Kampf tats\u00e4chlich gemeint war: In den ersten f\u00fcnf Kriegsmonaten (von August bis Dezember 1914) gab es \u00fcber 140.000 Tote auf deutscher Seite. Die Franzosen hatten sogar fast 300.000 gefallene Soldaten zu beklagen.<br \/>\nEmma M\u00fcller-Aachen hat dann 1915 sogar noch eine Fortsetzung geschrieben mit dem Titel \u201eDer gro\u00dfe Teich\u201c, Teil 2, \u201eDie streitenden Knaben\u201c. Hier versucht sie anhand von Spielzeugsoldaten den ahnungslosen Kindern den beginnenden Grabenkampf und die Sch\u00fctzengr\u00e4ben schmackhaft zu machen.<br \/>\nUm die politischen und nationalistischen Avancen dieser Frauenvereine zu verstehen, sei hier noch ein Gedicht wiedergegeben, das eine gewisse Frida Schanz zum Geburtstag der Kaiserin im Jahre 1915 verfasst hat.<\/p>\n<address style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"font-size: 14pt;\">Aufruf des Vaterl\u00e4ndischen Frauen-Vereins <\/span><\/strong><\/address>\n<address style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"font-size: 14pt;\">an Deutschlands Frauen <\/span><\/strong><\/address>\n<address style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"font-size: 14pt;\">zu einer Kaiseringeburtstagsspende <\/span><\/strong><\/address>\n<address style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"font-size: 14pt;\">von Frida Schanz<\/span><\/strong><\/address>\n<p>22. Oktober 1915.<br \/>\n<em>Frauen und M\u00e4dchen, M\u00fctter und Br\u00e4ute!<\/em><br \/>\n<em>Zu unsrer Kaiserin ziehn wir heute,<\/em><br \/>\n<em>Zu unsrem hohen Geburtstagskind<\/em><br \/>\n<em>Mit einem fr\u00f6hlichen Angebind &#8211; :<\/em><br \/>\n<em>Im Kriegsjahr statt Rosen<\/em><br \/>\n<em>\u00c4pfel, Birnen und Aprikosen!<\/em><br \/>\n<em>Was gereift an Halden und Rainen,<\/em><br \/>\n<em>In den gro\u00dfen G\u00e4rten und in den kleinen,<\/em><br \/>\n<em>Was Baum und Strauch zu bringen vermocht,<\/em><br \/>\n<em>Was wir mit Liebe eingekocht,<\/em><br \/>\n<em>Da\u00df uns selber das Herz gelacht,<\/em><br \/>\n<em>Das sei unsrer Kaiserin dargebracht,<\/em><br \/>\n<em>Da\u00df sie&#8217;s dem Heere im Felde sende,<\/em><br \/>\n<em>Da\u00df sie&#8217;s den Wunden und S\u00fcchtigen spende.<\/em><br \/>\n<em>Solche Gabe wird ihr gefallen!<\/em><br \/>\n<em>Sie bangt und jubelt ja mit uns allen.<\/em><br \/>\n<em>Hat ja Millionen Jungen im Feld,<\/em><br \/>\n<em>In ihrem Herzen zittert die Welt. <\/em><br \/>\n<em>Sie soll unsre liebenden Seelen sp\u00fcren!<\/em><br \/>\n<em>Drum heraus aus Toren und T\u00fcren!<\/em><br \/>\n<em>Herbei mit den Kirschen, den schwarzen, den hellen,<\/em><br \/>\n<em>Den K\u00f6niginpflaumen, den Schattenmorellen,<\/em><br \/>\n<em>Den Heidelbeeren, den Prei\u00dfelbeeren,<\/em><br \/>\n<em>Den B\u00fcchsen und T\u00f6pfen, den leichten, den schweren,<\/em><br \/>\n<em>Den gro\u00dfen Kruken mit Pflaumenmus,<\/em><br \/>\n<em>Das den Jungs schmeckt wie bei Muttern to Hus!<\/em><br \/>\n<em>Herbei aus D\u00f6rfern, aus Schl\u00f6ssern, aus Kathen!<\/em><br \/>\n<em>Wir k\u00f6nnen keine Schwester entraten!<\/em><br \/>\n<em>Aus der Gro\u00dfstadt und aus dem kleinsten Nest,<\/em><br \/>\n<em>Alle aus Norden, S\u00fcd, Ost und West!<\/em><br \/>\n<em>Es kommt darauf an, dass nicht eine fehle.<\/em><br \/>\n<em>Wir brauchen die ganze Frauenseele.<\/em><br \/>\n<em>Unsre Gabe soll sich h\u00e4ufen und t\u00fcrmen,<\/em><br \/>\n<em>Als wollten wir auch eine Festung erst\u00fcrmen,<\/em><br \/>\n<em>Soll sich legen als reifer Fr\u00fcchtekranz<\/em><br \/>\n<em>Um alle Not unsres Vaterlands!<\/em><br \/>\n<em>Alle f\u00fcr Alle! Das ist ihr Sinn.<\/em><br \/>\n<em>Liebe Frau Kaiserin, nimm sie hin.<\/em><br \/>\n<em>Die Ernte war ja so wunderbar<\/em><br \/>\n<em>In diesem eisernen Gnadenjahr!<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.dhm.de\/lemo\/html\/dokumente\/frauenverein\/index.html\"><em><span style=\"color: #0000ff;\">http:\/\/www.dhm.de\/lemo\/html\/dokumente\/frauenverein\/index.html<\/span><\/em><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit der Reichsgr\u00fcndung gab es in Deutschland eine aktive konservative Frauenbewegung. Es waren meist Frauen aus dem mittleren und gehobenen B\u00fcrgertum. Sie verstanden sich als Gegenbewegung zur liberalen b\u00fcrgerlichen Frauenbewegung. 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