{"id":802,"date":"2014-03-24T19:17:52","date_gmt":"2014-03-24T18:17:52","guid":{"rendered":"http:\/\/win2014.de\/?p=802"},"modified":"2015-01-26T22:17:09","modified_gmt":"2015-01-26T21:17:09","slug":"deutscher-fruehling-1915","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/win2014.de\/?p=802","title":{"rendered":"Deutscher Fr\u00fchling 1915"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>In M\u00fcnster gibt es wie in vielen anderen deutschen St\u00e4dten eine Kommission \u201eStra\u00dfennamen\u201c, die der Frage nachgeht, ob Stra\u00dfen umbenannt werden sollen. In letzter Zeit gab es immer wieder hitzige Debatten um den Namen Hindenburg, aber meistens geht es um Personen mit Nazi-Vergangenheit.<\/strong><br \/>\n<strong> So war es auch in M\u00fcnster. Eine kleine Stra\u00dfe hei\u00dft dort Castelleweg, benannt nach einem gewissen Friedrich Castelle. Die Kommission in M\u00fcnster hatte am 15. Juni 2011 empfohlen, den Weg umzubenennen. Die Bezirksvertretung fasste in ihrer Sitzung am 23. August 2012 aber den Beschluss, dass der Castelleweg nicht umbenannt wird.<\/strong><br \/>\nMan k\u00f6nnte ja meinen, dieser Castelle sei tats\u00e4chlich nur eine lokale Gr\u00f6\u00dfe in der Nazizeit gewesen, die nicht viel bewegt hat. Aber wir m\u00fcssen unsere Meinung revidieren, wenn wir lesen, wie und was Friedrich Castelle schon 1915 geschrieben hat. Hier entpuppt er sich als ein hochrangiger Vorl\u00e4ufer der Nazis. Da ahnen wir, wie sp\u00e4testens seit Beginn des ersten Weltkriegs das Gedankengut der Nazis sich durch solche M\u00e4nner wie Friedrich Castelle ausbreitete und die Menschen davon infiziert wurden. Wer war denn nun eigentlich dieser Castelle? Und was hat er mit dem Deutschen Fr\u00fchling 1915 zu tun?<!--more weiterlesen--><a href=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Castelle.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\" wp-image-803 alignleft\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Castelle-211x300.jpg\" alt=\"Castelle\" width=\"269\" height=\"394\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Friedrich Castelle (1879 \u2013 1954) ist am 1. Mai 1933 in die NSDAP eingetreten und war bis 1945 als Journalist und Publizist und als Intendant des Reichssenders K\u00f6ln ein gl\u00fchender Nationalsozialist. Nach dem Krieg wurde er von den Engl\u00e4ndern zun\u00e4chst interniert. Doch bereits 1947 wurde er wie viele andere Nazigr\u00f6\u00dfen rehabilitiert. Ehemalige Weggef\u00e4hrten b\u00fcrgten f\u00fcr ihn, er selbst spielte seine Rolle herunter. Er habe gr\u00f6\u00dferes Unheil verhindern wollen. F\u00fcr die Zeit von 1937 bis 1942 sei er stets nur k\u00fcnstlerischer Programmdirektor gewesen und habe \u201estets neutral und objektiv, also v\u00f6llig unparteiisch gearbeitet\u201c. <span style=\"font-family: georgia,palatino; font-size: 16px;\"><a href=\"http:\/\/www.muenster.de\/stadt\/strassennamen\/castelleweg.html#nach1945\"><i style=\"mso-bidi-font-style: normal;\">http:\/\/www.muenster.de\/stadt\/strassennamen\/castelleweg.html#nach1945<\/i><\/a><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Friedrich Castelle war von 1912 bis 1915 Herausgeber der Zeitschrift \u201eDeutschland\u201c. Sie erschien monatlich und nannte sich Zeitschrift f\u00fcr Heimatkunde und Heimatliebe. Urspr\u00fcnglich war sie wohl eine Blatt, das f\u00fcr den Tourismus in Deutschland werben sollte. Im Untertitel steht weiter: Amtliche Zeitschrift des Bundes Deutscher Verkehrs-Vereine. Mitbegr\u00fcndet durch den Internationalen Hotelbesitzer Verein e. V., K\u00f6ln. Heute w\u00fcrde man sie als Hochglanz-Magazin einordnen \u2013 allerfeinstes Jugendstil-Layout, Fotos in bester Qualit\u00e4t und alles auf Papier in Friedensqualit\u00e4t.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/hei_0002-Kopie-Kopie.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-804\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/hei_0002-Kopie-Kopie-1024x367.jpg\" alt=\"hei_0002 - Kopie - Kopie\" width=\"640\" height=\"229\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/hei_0002-Kopie-Kopie-1024x367.jpg 1024w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/hei_0002-Kopie-Kopie-300x107.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit Beginn des Krieges verwandelte sich die Zeitschrift unter Leitung von Friedrich Castelle von einem Heimatblatt zu einer Hetzschrift gegen Deutschlands Feinde. Er selber schrieb in jedem Monat den Leitartikel und \u00fcbertraf mit seinem Pathos, mit seiner giftigen Besch\u00f6nigung aller Realit\u00e4ten fast noch die offiziellen Verlautbarungen aus Berlin. Krieg sei mein Lied!, so beginnt sein Leitartikel im Januar 1915. In der April-Ausgabe k\u00f6nnte man fast meinen, dass dieser Artikel nicht 1915, sondern 30 Jahre sp\u00e4ter von Joseph Goebbels geschrieben wurde, um den Endsieg zu beschw\u00f6ren.<br \/>\nFraglich ist, ob die Bezirksvertretung in M\u00fcnster diese Texte kannte, als sie 2012 den Beschluss fasste, den Castelleweg nicht umzubenennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Deutscher Fr\u00fchling<\/strong><br \/>\nVon Dr. Friedrich Castelle.<br \/>\n1. April-Ausgabe 1915<br \/>\n<span style=\"color: #008080;\">Aus tiefen Winters schwerer Not erwacht und w\u00e4chst die geliebte Heimaterde aufs neue dem hoffnungsfrohen Fr\u00fchling entgegen. Deutschland ist &#8211; wie kein anderes auf der Welt &#8211; das Land des lichten Lenzes und des goldenen Herbstes, die Wiege stiller Lebenserwartungen und rauschender Daseinserf\u00fcllungen, ist &#8211; wie das deutsche Gem\u00fct &#8211; ein unersch\u00f6pflicher Bronnen von Verhei\u00dfungen und Segnungen.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\"> Nie hat das deutsche Volk, das deutsche Herz die Sch\u00f6nheiten des ganzen weiten Heimatlandes treuer und inbr\u00fcnstiger empfangen und erlebt als in den schweren Monaten, die hinter uns liegen. Als die endlosen Soldatenz\u00fcge hinausrollten nach Ost und West in feindliche Lande, da prangten alle Gaue in der reichsten Sommerf\u00fclle. Da reifte eine Ernte zur Vollendung wie seit Jahren nicht mehr. Es war, als sollte jeder unserer Br\u00fcder die tr\u00f6stliche Zuversicht mitnehmen, da\u00df daheim keiner darben und bangen w\u00fcrde um des Lebens Notdurft. Und jeder von uns griff zu mit raschen, ungelenken H\u00e4nden, wo eine Garbe ungeborgen zu bleiben drohte, denn auch das letzte K\u00f6rnchen mu\u00dfte aufgespeichert werden f\u00fcr den schweren, harten Winter.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\"> Und er kam. Und ist heute \u00fcberstanden mit all seinen Sorgen und N\u00f6ten. Ist \u00fcberstanden wie ein fl\u00fcchtiger, schwerer Traum. Wir haben ihn nicht gef\u00fchlt, weil sich das ganze deutsche Volk in dem\u00fctiger, entschlossener Einm\u00fctigkeit durch ihn hindurchgerettet hat. Wir haben ihn vergessen \u00fcber die gewaltig ersch\u00fctternden Erlebnisse, die wir allesamt in uns tragen. Zwar k\u00f6nnen wir daheim die ganze heldenhafte Gr\u00f6\u00dfe noch nicht erfassen und durchschauen, mit der Millionen deutscher Br\u00fcder ihn drau\u00dfen im Schlamm der von Granaten aufgepfl\u00fcgten Sch\u00fctzengr\u00e4ben und im Schnee der von feindlichen Kugeln durchsungenen Gebirgsw\u00e4lder \u00fcberstanden haben, k\u00f6nnen uns noch kein klares Bild malen von dem unerm\u00fcdlichen Ringen um jeden Fu\u00dfbreit feindlichen Bodens, das Tag f\u00fcr Tag die entsetzliche Kriegsgefahr weiter abwendete von den deutschen Landen. Aber mitdurchlebt und mitdurchlitten haben wir alle insgesamt diesen grausigen Winter, mitdurchlebt an der Seite der H\u00fcter unserer heiligsten Volksg\u00fcter, mitdurchlitten zu den F\u00fc\u00dfen jedes einzelnen, der sein Blut hingeben mu\u00dfte f\u00fcr des Vaterlandes Freiheit und Errettung.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\"> Und endlich, endlich ist nun der Fr\u00fchling gekommen. An jedem Wiesenhang und Heckenstrauch keimen und knospen junge Bl\u00fcten und schlanke Sch\u00f6\u00dflinge. Die ganze deutsche Erde ist lichtgr\u00fcn \u00fcberschleiert vom ersten Hauch der \u00fcppig wachsenden Wintersaat. Und hell und wolkenlos blaut der reine deutsche Fr\u00fchlingshimmel \u00fcber unsern H\u00e4uptern. Alles, alles um uns und in uns ist frohe, zuversichtliche Verhei\u00dfung auf die gro\u00dfe Zukunft, die wir erringen m\u00fcssen in hei\u00dfem Widerstreit mit grimmig gewappneten Gegnern. Diese Zukunft aber hei\u00dft: Neubegr\u00fcndung deutscher Macht und deutschen Ansehens vor der ganzen Welt. Man will uns austilgen von dieser Erde, weil wir stark und gerecht sind. Man will uns vernichten, weil in uns die Kraft eines neuen Weltreiches wurzelt. Aber man wird uns nicht vernichten und austilgen, denn unser Wesen ist gesund und jung. Und wo es angekr\u00e4nkelt war von \u00dcberreife, da hat der strenge Winterfrost des Krieges die kranken Keime zerst\u00f6rt.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\"> Die deutsche Erde ist wieder empf\u00e4nglich f\u00fcr die neue Fr\u00fchlingssaat. Das deutsche Volk steht einm\u00fctig und geschlossen vor der ganzen Welt &#8211; eine eiserne Wehr unerbittlicher Gerechtigkeit und unbeugsamer Gr\u00f6\u00dfe. Denn in seinem Herzen lebt wie ein heiliger Schwur das Gel\u00f6bnis, das der Kaiser f\u00fcr uns alle abgelegt hat an dem gro\u00dfen ersten April dieses Jahres bei der Jahrhundertfeier f\u00fcr den eisernen Kanzler, der durch seine \u00fcberragende Pers\u00f6nlichkeit als die Verk\u00f6rperung deutschen Geistes und deutschen Willens trutzig dasteht vor aller Welt &#8211; das Gel\u00f6bnis, das wir mit hin\u00fcbernehmen als kaiserliche Mahnung in die neue Zeit: \u201eJedes Opfer f\u00fcr das Vaterland! Der Geist der Eintracht aber, der unser Volk daheim und auf den Kriegsschaupl\u00e4tzen \u00fcber alles Trennende sieghaft erhoben hat, er wird den Waffenl\u00e4rm \u00fcberdauern und nach gl\u00fccklich erk\u00e4mpftem Frieden auch die Entwicklung des Reiches im Inneren segensreich befruchten und f\u00f6rdern. Dann wird uns als Siegespreis ein Leben erbl\u00fchen, in dem sich deutsches Volkstum frei und stark entfalten kann!\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #008080;\"><a href=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/hei_0002-Kopie.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-808\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/hei_0002-Kopie-1024x1009.jpg\" alt=\"hei_0002 - Kopie\" width=\"640\" height=\"630\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/hei_0002-Kopie-1024x1009.jpg 1024w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/hei_0002-Kopie-300x295.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In M\u00fcnster gibt es wie in vielen anderen deutschen St\u00e4dten eine Kommission \u201eStra\u00dfennamen\u201c, die der Frage nachgeht, ob Stra\u00dfen umbenannt werden sollen. 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