{"id":3780,"date":"2019-06-13T03:19:02","date_gmt":"2019-06-13T01:19:02","guid":{"rendered":"http:\/\/win2014.de\/?p=3780"},"modified":"2020-12-14T14:13:22","modified_gmt":"2020-12-14T13:13:22","slug":"von-herr-charlotte-cohn-zu-frau-architektur","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/win2014.de\/?p=3780","title":{"rendered":"Von &#8222;Herr Charlotte Cohn&#8220; zu &#8222;Frau Architekt&#8220;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Seit Beginn des Ersten Weltkriegs werden Frauen als Krankenschwestern und Pflegerinnen an der Front eingesetzt. Aber auch in vielen anderen Berufen, die bis dahin fest in M\u00e4nnerhand waren, werden Frauen gebraucht. In Berlin werden an der Technischen Hochschule Charlottenburg die ersten Frauen zum Studium zugelassen. Unter ihnen ist Lotte Cohn. Sie ist erst die dritte Architekturstudentin in Charlottenburg. Sie erh\u00e4lt ihr Vordiplomzeugnis mit der\u00a0 Anrede \u201eHerr Charlotte Cohn\u201c.<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_3910\" style=\"width: 862px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3910\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3910 size-full\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/cc-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"852\" height=\"608\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/cc-Kopie.jpg 852w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/cc-Kopie-300x214.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 852px) 100vw, 852px\" \/><p id=\"caption-attachment-3910\" class=\"wp-caption-text\"><strong><span style=\"font-family: trebuchet ms, geneva, sans-serif; font-size: 10pt;\">Zeugnis der Diplom-Vorpr\u00fcfung (1914)<\/span><\/strong><\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 8. Dezember 1916 besteht sie dann ihre DiplomHauptpr\u00fcfung. Auf ihrer Urkunde ist das vorgedruckte \u201eHerr\u201c durchgestrichen und durch ein handschriftliches \u201eFr\u00e4ulein\u201c ersetzt. \u00a0Lotte Cohn ist nun Diplom-Ingenieur der &#8222;Abteilung f\u00fcr Architektur&#8220;. Wie viele Berufsanf\u00e4nger hat sie Zweifel an ihren F\u00e4higkeiten und wei\u00df nicht, ob sie sie sich durchsetzen wird. Aber schon ein paar\u00a0 Jahre sp\u00e4ter geh\u00f6rt sie zu den gefragtesten Architekten ihrer Zeit.<\/p>\n<div id=\"attachment_3898\" style=\"width: 425px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3898\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3898 size-full\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/c_0002-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"415\" height=\"559\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/c_0002-Kopie.jpg 415w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/c_0002-Kopie-223x300.jpg 223w\" sizes=\"(max-width: 415px) 100vw, 415px\" \/><p id=\"caption-attachment-3898\" class=\"wp-caption-text\"><span style=\"font-size: 10pt; font-family: trebuchet ms, geneva, sans-serif;\">Lotte Cohn im Alter von achtzehn Jahren (1911)<\/span><\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--moreweiterlesen--><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber erst einmal ist Krieg. Lotte Cohn ist\u00a0 1916 mit ihrem fertigen Diplom gerade 23 Jahre alt. Sie hat keinerlei Berufserfahrung, keine handwerkliche Praxis und sie wei\u00df, dass das keine guten Voraussetzungen f\u00fcr eine steile Karriere sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eIm Grunde wu\u00dfte ich vom Bauen so gut wie nichts. Ich h\u00e4tte einen Bau entwerfen k\u00f6nnen &#8211; aber was sonst dazu geh\u00f6rt, um ihn auszuf\u00fchren, d.h. Pl\u00e4ne einem Bauunternehmer + einem Handwerker zu \u00fcbergeben, das hatte ich nicht gelernt.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da bietet sich f\u00fcr sie und ihre Freundinnen die Gelegenheit an der Front zu arbeiten oder zumindest in der N\u00e4he der Front. Ostpreu\u00dfen war bereits in den ersten Kriegstagen Anfang August 1914 von den Russen besetzt worden. Fast die gesamte Provinz war mehr oder weniger von heftigen K\u00e4mpfen betroffen. Sch\u00e4tzungen zufolge gab es etwa eine Million Fl\u00fcchtlinge sowie 100 000 besch\u00e4digte und zerst\u00f6rte Geb\u00e4ude.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-3913\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/zerstrungen-in-stdten-deutsche.jpg\" alt=\"\" width=\"960\" height=\"430\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/zerstrungen-in-stdten-deutsche.jpg 960w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/zerstrungen-in-stdten-deutsche-300x134.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bereits im Oktober 1914 waren der Provinz vierhundert Millionen Reichsmark f\u00fcr den Wiederaufbau zugewiesen worden. Hierf\u00fcr wurden Architekten gesucht. F\u00fcnfhundert Freiwillige hatten sich bereits in den ersten Kriegswochen beworben, ohne dass\u00a0 \u00fcberhaupt eine Ausschreibung stattgefunden hatte. Zu den jungen Architekten, die sich am Wiederaufbau Ostpreu\u00dfens beteiligen wollen, ist auch Lottes ehemaliger Kommilitone Hans Scharoun. Lotte Cohn bewirbt sich auch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr sie ist das die einzige Chance, w\u00e4hrend des Krieges eine Anstellung zu finden. Drei Monate nach ihrem Examen tritt sie ihre erste Arbeitsstelle in Pillkallen im Regierungsbezirk Gumbinnen an. Von dieser Stadt ist der Spruch bekannt:\u00a0 \u201eEs trinkt der Mensch, es s\u00e4uft das Pferd. In Pillkallen ist es umgekehrt.\u201c<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-3912\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/1-Walterkehmen-Image4.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"415\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/1-Walterkehmen-Image4.jpg 640w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/1-Walterkehmen-Image4-300x195.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Ostpreu\u00dfen geht es um den Wiederaufbau oder Neubau von Gutsh\u00f6fen, Herrenh\u00e4usern, Landgasth\u00f6fen, Wohn- und Gesch\u00e4ftsh\u00e4usern und \u00f6ffentlichen Geb\u00e4uden. Die jungen Architekten k\u00f6nnen sich hierbei nicht so richtig austoben und\u00a0 neue Formen schaffen, sondern nur wirtschaftlich notwendige Formen wieder herstellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lotte Cohn kehrt im Fr\u00fchjahr 1919 aus Ostpreu\u00dfen nach Berlin zur\u00fcck. Die Aussichten, eine Anstellung zu finden, sind f\u00fcr Architektinnen \u00e4u\u00dferst ung\u00fcnstig. Die meisten Frauen m\u00fcssen f\u00fcr die heimkehrenden M\u00e4nner den Platz r\u00e4umen. Dar\u00fcber hinaus ist die allgemeine wirtschaftliche Situation nicht so rosig, um die Auftragslage f\u00fcr Architekten \u00fcberquellen zu lassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie so oft im Leben helfen Zufall und famili\u00e4re Beziehungen ihr weiter.\u00a0 Lotte Cohn ist in Charlottenburg in einer angesehenen j\u00fcdischen Familie aufgewachsen. Ihr Vater Bernhard Cohn war Mitbegr\u00fcnder der ersten zionistischen Ortsgruppe Berlins. Sie selbst hatte schon in ihrer Jugend den Wunsch gehabt, aktiv am Aufbau des \u201eJudenlandes\u201c mitzuwirken. Ihr Vater war immer wieder antisemitischer Verleumdungen ausgesetzt. So waren alle Familienmitglieder fr\u00fch zu Anh\u00e4ngern Theodor Herzls geworden. Als sie dann gerade mal sechzehn Jahre alt war, stand f\u00fcr Lotte fest, dass sie nach Pal\u00e4stina gehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein langj\u00e4hriger Freund der Familie war der Ingenieur Wilhelm Hecker, der in der zionistischen Bewegung aktiv war. Er hatte bereits vor dem Ersten Weltkrieg f\u00fcr das Pal\u00e4stina-Amt in Jaffa gearbeitet. Er empfiehlt schlie\u00dflich Lotte Cohn als geeignete Mitarbeiterin f\u00fcr das Planungsb\u00fcro in Jerusalem. Am 28. M\u00e4rz 1921 schreibt die junge Architektin einen Bewerbungsbrief an \u201eHerrn Richard Kauffmann, Zionist Commission, Jerusalem\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eSehr verehrter Herr Kauffmann! Durch meine Schwester Rosa Cohn erfahre ich, da\u00df Sie Interesse daran haben, mit zionistischen Architekten, die f\u00fcr die Arbeit in Pal\u00e4stina in Betracht kommen, in Beziehung zu treten. Da\u00df ich meinerseits ein ganz gro\u00dfes Interesse daran habe, mit Ihnen bekannt zu werden, ist begreiflich; dies ist der Anla\u00df meines Briefes.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-3928\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/cropped-home-page-banner-4.jpg\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"256\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/cropped-home-page-banner-4.jpg 1000w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/cropped-home-page-banner-4-300x77.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/>Richard Kauffmann ist \u00a0erst seit wenigen Monaten der leitende Stadt- und Siedlungsplaner der <em>Palestine Land Development Company<\/em>. Kauffmann hatte u.a. am Bau der Gartenstadt Margarethenh\u00f6he bei Essen mitgearbeitet und dort auch Lottes Bruder, den Rabbiner Emil Cohn, kennengelernt. Lottes Bewerbungsbrief ist von entwaffnend ehrlicher Offenheit:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eIch wei\u00df, da\u00df f\u00fcr den Augenblick wenig Aussicht f\u00fcr mich ist, dort Arbeit zu finden. Sollte sich irgendwann einmal eine M\u00f6glichkeit dazu bieten, so w\u00fcrde ich ganz zufrieden sein, mich von der Stellung etwa eines Technikers aus in die Verh\u00e4ltnisse dort von Grund auf einzuarbeiten. Dieser Brief ist wohl ausf\u00fchrlich genug; ich bitte Sie, mir zu glauben, da\u00df er v\u00f6llig aufrichtig ist, sehr viel ehrlicher + objektiver als \u00e4hnliche Angaben gew\u00f6hnlich gemacht werden. Ich betone das, weil ich aus Erfahrung wei\u00df, da\u00df Bewerbungsschreiben in der Regel mit skeptischen Augen gelesen werden. Ich hatte den ehrlichen Willen, eine wirkliche Verst\u00e4ndigung mit Ihnen herbeizuf\u00fchren. Denn sollte dieser Brief wirklich einmal zur Grundlage einer gesch\u00e4ftlichen Beziehung zwischen Ihnen + mir werden, so w\u00e4re eine T\u00e4uschung f\u00fcr beide Teile gleich gef\u00e4hrlich. Ich bin mir dieser Verantwortung ganz bewu\u00dft.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wilhelm Heckers Empfehlung und Lotte Cohns Brief an Richard Kauffmann verfehlen nicht ihre Wirkung. Ende Juli 1921, zu einem Zeitpunkt, als auch ihre Schwester Helene mit ihren Reisevorbereitungen zur \u00dcbersiedlung nach Pal\u00e4stina besch\u00e4ftigt war, erreicht Lotte Cohn ein Telegramm aus Jerusalem:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eanbieten assistenten stellung vorl\u00e4ufig zwanzig pfund monatlich, reisezuschuss 25 pfund sofort visum einreichen, erbitten drahtantwort pldc kauffmann zionscom.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am selben Tag schreibt Kauffmann pers\u00f6nlich einen Brief an seine k\u00fcnftige Assistentin:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify; margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><em>Dipl. Ing. Richard Kauffmann Architekt<\/em><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm; margin-bottom: .0001pt; text-align: justify;\"><em>Sehr geehrtes Fr\u00e4ulein Cohn!<\/em><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm; margin-bottom: .0001pt; text-align: justify;\"><em>Wenn ich an die Sehnsucht denke, mit der ich nach dem Land kam, besser der Arbeit in ihm, f\u00fcr es stets bangte und an die Freude, als mich im August vorigen Jahres meine Berufung hierher in Norwegen erreichte, so kann ich mir ungef\u00e4hr vorstellen, wie Ihnen jetzt wohl zu Mute sein mag.<\/em><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm; margin-bottom: .0001pt; text-align: justify;\"><em>Ich freue mich, da\u00df ich die Ihrige unter den vorliegenden Bewerbungen, sowie unter den mir bekannten Kr\u00e4ften ausw\u00e4hlen konnte, ich hoffe auch, da\u00df ich richtig getroffen habe, und da\u00df unser Zusammenarbeiten ein in jeder Hinsicht, gl\u00fcckliches und Dauerndes sein wird.<\/em><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm; margin-bottom: .0001pt; text-align: justify;\"><em>Es liegen unerh\u00f6rt sch\u00f6ne st\u00e4dtebauliche Arbeiten vor. &#8211; Es sind Arbeiten in Aussicht, deren Gr\u00f6\u00dfe, Sch\u00f6nheit, deren gewaltige Bedeutung f\u00fcr den Aufbau einem zu unbedingter, restloser Hingabe an diese Arbeit freudig zwingt.<\/em><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm; margin-bottom: .0001pt; text-align: justify;\"><em>Ich hoffe nur, da\u00df mir die Kraft bleibt, k\u00f6rperlich und seelisch.<\/em><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm; margin-bottom: .0001pt; text-align: justify;\"><em>Jerusalem, 31. Juli 1921<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am 18. August 1921 brechen die beiden Schwestern Helene und Lotte Cohn vom Anhalter Bahnhof in Berlin nach Pal\u00e4stina auf. Dort wird sie die erste Frau sein, die als Architektin arbeiten kann. Es beginnt eine beispiellose Karriere.<\/p>\n<div id=\"attachment_3848\" style=\"width: 463px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3848\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3848 size-full\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/sonder3.jpg\" alt=\"\" width=\"453\" height=\"242\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/sonder3.jpg 453w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/sonder3-300x160.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 453px) 100vw, 453px\" \/><p id=\"caption-attachment-3848\" class=\"wp-caption-text\">Lotte Cohns erster Entwurf in Erez Israel f\u00fcr die Volksschule in Tiberias (1922)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie kaum eine andere Frau ihrer Generation hat Lotte Cohn \u00fcber einen Zeitraum von beinahe f\u00fcnfzig Jahren ihre Spuren in der Baugeschichte ihres Landes hinterlassen. Sie hat sich mit den neuen Str\u00f6mungen, vor allem der Philosophie des Bauhauses, intensiv auseinandergesetzt und sie dann zu einer eigenen Formensprache weiter entwickelt. Als Assistentin Kauffmanns arbeitete sie an neuartigen Siedlungsstrukturen. Sie entwarf die ersten Konzepte f\u00fcr landwirtschaftliche Genossenschaftssiedlungen und die ersten j\u00fcdischen Gartenvororte der 1920er Jahre. In den 1930er Jahren schuf sie gemeinsam mit anderen Planern neue Siedlungen f\u00fcr die deutsch-j\u00fcdischen Immigranten, die Deutschland verlassen mussten.<\/p>\n<div id=\"attachment_3945\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3945\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3945 size-large\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/E72B6637-E9DA-491D-8CCC-15B7D269A90B-1024x768.jpeg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/E72B6637-E9DA-491D-8CCC-15B7D269A90B-1024x768.jpeg 1024w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/E72B6637-E9DA-491D-8CCC-15B7D269A90B-300x225.jpeg 300w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><p id=\"caption-attachment-3945\" class=\"wp-caption-text\">Neues Bauen in Tel Aviv (1934), Postkarte in Privatbesitz<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie hat soziale Wohnsiedlungen entworfen, die nach der 1948 einsetzenden Masseneinwanderung n\u00f6tig wurden, sie hat Gesch\u00e4ftsh\u00e4user gebaut und das erste Kibbuz-Kinderhaus, das heute als Bibliothek dient.<\/p>\n<div id=\"attachment_3923\" style=\"width: 709px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3923\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3923 size-full\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/c_0003-Kopie-3.jpg\" alt=\"\" width=\"699\" height=\"305\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/c_0003-Kopie-3.jpg 699w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/c_0003-Kopie-3-300x131.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 699px) 100vw, 699px\" \/><p id=\"caption-attachment-3923\" class=\"wp-caption-text\">Landwirtschaftliche M\u00e4dchenschule Nahalal (Entwurf von 1923)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lotte Cohn wirkte an zahlreichen Wettbewerben in Pal\u00e4stina\/Israel mit und plante Typenh\u00e4user und Wohnungsgrundrisse im Kleinsiedlungsbau. Sie entwarf Bauten f\u00fcr Privatpersonen, Institutionen und Baugesellschaften. Das Spektrum ihrer Aktivit\u00e4ten Reichte von der Stadtbereichsplanung bis zur Inneneinrichtung. Wer neugierig geworden ist und mehr wissen m\u00f6chte, wird hier anschaulich informiert:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.baunetz.de\/baunetzwoche\/baunetzwoche_ausgabe_848185.html\">https:\/\/www.baunetz.de\/baunetzwoche\/baunetzwoche_ausgabe_848185.html<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rund hundert Bauten sind nach Pl\u00e4nen von Lotte Cohn in Israel verwirklicht worden. Anders als die meisten Architekten hat sie ihre Werke nicht dokumentiert und archiviert. Ihr Nachlass ist weit verstreut und teils verloren gegangen. Manche ihrer Bauten\u00a0 stehen unter Denkmalschutz, andere sind vom Abriss bedroht \u2013 so wie ihr eigenes Wohnhaus im Jerusalemer Stadtteil Rehavia.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-3896 alignleft\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/c_0001-195x300.jpg\" alt=\"\" width=\"195\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/c_0001-195x300.jpg 195w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/c_0001-666x1024.jpg 666w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/c_0001.jpg 1143w\" sizes=\"(max-width: 195px) 100vw, 195px\" \/>\u00dcber dieses au\u00dfergew\u00f6hnliche Viertel in Jerusalem hat Thomas Sparr sein gro\u00dfartiges Buch\u00a0 \u201eGrunewald im Orient\u201c geschrieben. Richard Kauffmann hatte Rehavia nach dem Vorbild Berliner Gartenvororte im Bauhausstil entworfen. Es war der bevorzugte Wohnort der \u201eJecken\u201c, der deutschen Juden. In einer Rezension der ZEIT wird deutlich, wie diese Gartenstadt ab 1933 das Zentrum der deutschen Juden wurde. Hier wohnten und trafen sich Martin Buber, Gershom Scholem, Else Lasker-Sch\u00fcler, Mascha Kal\u00e9ko, Werner Kraft und mitten unter ihnen Lotte Cohn. Ihre Schwester Helene Cohn hatte dort eine Pension er\u00f6ffnet. Aber das ist eine andere Geschichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/kultur\/2018-05\/jerusalem-berlin-gartenstadt-rechavia-deutsch-juedische-geschichte\/seite-4\">https:\/\/www.zeit.de\/kultur\/2018-05\/jerusalem-berlin-gartenstadt-rechavia-deutsch-juedische-geschichte\/seite-4<\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_3924\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3924\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3924 size-large\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/1962-725x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"904\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/1962-725x1024.jpg 725w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/1962-212x300.jpg 212w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/1962.jpg 823w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><p id=\"caption-attachment-3924\" class=\"wp-caption-text\">Lotte Cohn (1962)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lotte Cohn starb am 7. April 1983 in ihrem 90. Lebensjahr in Tel Aviv. In den Tageszeitungen Ha\u2019aretz und Jerusalem Post erschienen Todesanzeigen, in denen sie als \u201eOne of the Builders of Israel\u201c gew\u00fcrdigt wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir werden sie in der Ausstellung FRAU ARCHITEKT wiedertreffen, die am 15. Juni 2019 in Hamburg er\u00f6ffnet wird. Im Museum der Arbeit werden anhand von Text- und Bildtafeln, Modellen, Entw\u00fcrfen und Zeichnungen sowie Fotografien und Dokumenten die Biografien und Werke von 22 Architektinnen pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<div id=\"attachment_3926\" style=\"width: 1401px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3926\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3926 size-full\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2019-06-04-um-15.55.30.png\" alt=\"\" width=\"1391\" height=\"553\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2019-06-04-um-15.55.30.png 1391w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2019-06-04-um-15.55.30-300x119.png 300w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Bildschirmfoto-2019-06-04-um-15.55.30-1024x407.png 1024w\" sizes=\"(max-width: 1391px) 100vw, 1391px\" \/><p id=\"caption-attachment-3926\" class=\"wp-caption-text\">Ausstellung im Museum der Arbeit in Hamburg<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Architektur war lange Zeit eine M\u00e4nnersache. Daran hat sich bis heute nur wenig ge\u00e4ndert. Zur Ausstellung in Hamburg schreibt das Netzwerk \u201egerman-architects &#8211; Profiles of Selected Architects\u201c:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Seit einigen Jahren studieren zwar mehr Frauen als M\u00e4nner an den Architekturhochschulen. Der Trend ist europaweit, in Deutschland mit mehr als 53 Prozent am deutlichsten. Andererseits gibt es unter den im Beruf t\u00e4tigen Architekten erst 30,9 Prozent Frauen. Zwar erreichen heute mehr Frauen als fr\u00fcher leitende Positionen als Partnerinnen in Architekturb\u00fcros, als Hochschullehrerinnen, als Pr\u00e4sidentinnen von Architektenkammern, an dem Geschlechter-Missverh\u00e4ltnis in der Architektur \u00e4ndern solche Karrieren dennoch wenig. Die Gr\u00fcndung von B\u00fcros, die Besetzung einflussreicher Stellen und Professuren ist noch immer M\u00e4nnersache. Die Ausstellung im Museum der Arbeit geht diesem Ph\u00e4nomen nach und zeigt historische und aktuelle Entwicklungen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-3947\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/CBDDAD41-0712-46C9-8B16-A0E71ADBE78C-1024x682.jpeg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"426\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/CBDDAD41-0712-46C9-8B16-A0E71ADBE78C-1024x682.jpeg 1024w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/CBDDAD41-0712-46C9-8B16-A0E71ADBE78C-300x200.jpeg 300w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/>Der Geschlechterkampf geht also weiter.<\/p>\n<h2><strong><span style=\"font-size: 18pt;\">Quellen<br \/>\n<\/span><\/strong><\/h2>\n<p>Die meisten Fotos stammen aus dem Archiv Stiftung\u00a0 Neue Synagoge Berlin &#8211; Centrum Judaicum<\/p>\n<p>Ines Sonder, Lotte Cohn, Baumeisterin Israels, Berlin, 2010 <em>(dort zahlreiche Abbildungen \u00fcber Lotte Cohn)<\/em><\/p>\n<p>Thomas Sparr, Grunewald im Orient, Das deutsch-j\u00fcdische Jerusalem, Berlin, 2018<\/p>\n<p>FRAU ARCHITEKT, Seit mehr als 100 Jahren: Frauen im Architekturberuf, Katalog zur Ausstellung, Berlin, Wasmuth Verlag, 2017<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.baunetz.de\/baunetzwoche\/baunetzwoche_ausgabe_848185.html\">https:\/\/www.baunetz.de\/baunetzwoche\/baunetzwoche_ausgabe_848185.html<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/david.juden.at\/2008\/78\/18_sonder.htm\">http:\/\/david.juden.at\/2008\/78\/18_sonder.htm<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/architektur-sag-mir-wo-die-frauen-sind-1.3705637\">https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/architektur-sag-mir-wo-die-frauen-sind-1.3705637<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.aviva-berlin.de\/aviva\/content_Literatur_Juedisches%20Leben.php?id=1419917\">https:\/\/www.aviva-berlin.de\/aviva\/content_Literatur_Juedisches%20Leben.php?id=1419917<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/wasmuth-verlag.de\/shop\/architektur-stadtplanung\/architekturgeschichte\/frau-architekt\/\">http:\/\/wasmuth-verlag.de\/shop\/architektur-stadtplanung\/architekturgeschichte\/frau-architekt\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/die-erste-architektin-israels.1013.de.html?dram:article_id=168967\">https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/die-erste-architektin-israels.1013.de.html?dram:article_id=168967<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.german-architects.com\/en\/events\/frau-architekt-seit-mehr-als-100-jahren-frauen-im-architekturberuf\">https:\/\/www.german-architects.com\/en\/events\/frau-architekt-seit-mehr-als-100-jahren-frauen-im-architekturberuf<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Beginn des Ersten Weltkriegs werden Frauen als Krankenschwestern und Pflegerinnen an der Front eingesetzt. Aber auch in vielen anderen Berufen, die bis dahin fest in M\u00e4nnerhand waren, werden Frauen gebraucht. 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