{"id":3709,"date":"2018-03-18T13:11:39","date_gmt":"2018-03-18T12:11:39","guid":{"rendered":"http:\/\/win2014.de\/?p=3709"},"modified":"2020-08-23T15:43:05","modified_gmt":"2020-08-23T13:43:05","slug":"asyl-fuer-luftmenschen-gibt-es-das-ueberhaupt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/win2014.de\/?p=3709","title":{"rendered":"Asyl f\u00fcr Luftmenschen?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-3713 alignleft\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/csm_1_chagall_ueber_witebsk_4a6b4e8013-300x237.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"237\">Wir alle kennen das Bild von Marc Chagall mit dem Mann, der \u00fcber der Stadt schwebt. Er h\u00e4lt einen Wanderstab in der rechten Hand, und auf dem R\u00fccken dr\u00fcckt ihn ein schwerer Sack mit seiner ganzen Habe. Chagall hat dieses Bild 1914 in Witebsk gemalt. Er war kurz vorher aus Paris in seine Heimat zur\u00fcckgekehrt. Paris war durch den Krieg in weite Ferne ger\u00fcckt. Mit seinem \u00fcber der Stadt schwebenden Mann hat Chagall ein Motiv ins Bild gesetzt, das als zentrale Metapher der j\u00fcdischen Existenz gelten kann.<em> \u201eH\u00e4ngen wir denn nicht tats\u00e4chlich in der Luft, leiden wir nicht an einer einzigen Krankheit: der Sucht nach Stabilit\u00e4t?\u201c<\/em>, hat Chagall zu seinem Bild gesagt.<!--moreweiterlesen--><br \/>\nAuf der Wanderschaft sein, ausgegrenzt werden, keine Heimat haben und nicht wissen, wohin die Reise geht &#8211; dieses Schicksal teilten viele j\u00fcdische Schriftsteller und K\u00fcnstler. Sie mussten sich immer wieder auf und davon machen, davon schweben und mutierten so zu \u201eLuftmenschen\u201c, zu wurzellosen Kosmopoliten.<br \/>\nEingekeilt zwischen den Folgen eines rasant wachsenden Fortschritts und der gleichzeitigen Verarmung haben die Juden, vor allem in Osteuropa, sich als Luftmenschen dargestellt, eine durchaus ironische Betrachtung ihrer Lebenssituation im 19. Jahrhundert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-3729 alignleft\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/9783835310841l-199x300.png\" alt=\"\" width=\"199\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/9783835310841l-199x300.png 199w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/9783835310841l.png 240w\" sizes=\"(max-width: 199px) 100vw, 199px\" \/>Jiddisch ist eine Sprache voller Poesie. Ein Wort, das man auf Anhieb versteht, lautet \u00bbluftmentsch\u00ab. Damit ist jemand gemeint, der auf der untersten Sprosse der sozialen Hierarchie steht. Auf der untersten sozialen Stufe im Schtetl Osteuropas standen die ungelernten Arbeiter, Tagel\u00f6hner, Wassertr\u00e4ger, Transporteure, das Heer der Schnorrer, die buchst\u00e4blich von der Hand in den Mund lebten, fromme und aufdringliche Illusion\u00e4re, deren Hoffnung auf Ertrag sich in Luft aufl\u00f6ste. Diese Juden lebten, wie es Man\u00e8s Sperber nannte, im Bereich des \u00bbals ob\u00ab.<\/em><br \/>\n(Ludger Heid, J\u00fcdische Allgemeine, 26.7.2012)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Metapher vom \u201eLuftmenschen\u201c wurde im Lauf der Zeit dann unterschiedlich interpretiert und f\u00fcr alles M\u00f6gliche benutzt: f\u00fcr das Leben in der Diaspora, f\u00fcr die oft fehlende soziale Verortung, f\u00fcr bestimmte Berufsmuster oder \u00fcberhaupt f\u00fcr \u201etypisch j\u00fcdisch\u201c empfundene Gemeinsamkeiten. Aber auch im Zusammenhang mit Migration und Verst\u00e4dterung sprach man von Luftmenschen, um eine fehlende Verwurzelung zu bem\u00e4ngeln. Um 1900 wurde damit vor allem die j\u00fcdische Existenz in der Moderne wahrgenommen. Schlie\u00dflich wanderte der Begriff von der Selbstironie in die antisemitische Polemik und gab dem Luftvolk die Schuld f\u00fcr den fehlenden Lebensraum.<\/p>\n<div id=\"attachment_3721\" style=\"width: 183px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3721\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3721 \" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/image_848-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"173\" height=\"260\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/image_848-200x300.jpg 200w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/image_848.jpg 467w\" sizes=\"(max-width: 173px) 100vw, 173px\" \/><p id=\"caption-attachment-3721\" class=\"wp-caption-text\">erschienen 2016<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von Luftmenschen wird inzwischen sogar in der Pop-Kultur gesprochen. Das weist Jonas Engelmann in seinem Buch \u201eWurzellose Kosmopoliten\u201c nach. Von der osteurop\u00e4isch-j\u00fcdischen Kultur vor 1900 fliegen die Luftmenschen mit Hilfe von Kafka und Bruno Schulz direkt in die popkulturelle Gegenwart in Musik, Film und Comic. Luftmenschen und Golems, sprechende Tiere und Vampire geistern durch die j\u00fcdische Kulturgeschichte. In Hoch- und Popkultur, Jazz und HipHop, in Odessa und New York, Krakau und Montreal &#8211; Spuren finden sich \u00fcberall, meint Jonas Engelmann, so verborgen sie auch sein m\u00f6gen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In den Untiefen der deutschen Literatur soll hier einer dieser Luftmenschen aufgesp\u00fcrt werden. Die Rede ist von einem gewissen Jos\u00e9 Orabuena, der vor 40 Jahren am 16. Februar 1978 in Ascona gestorben ist. Er war ein Schriftsteller j\u00fcdischer Herkunft, ein recht erfolgreicher sogar, jedenfalls in den 1950er und 1960er Jahren. Seine Muttersprache war Deutsch. Seine Lebensstationen waren &#8211; nicht gerade freiwillig &#8211; Berlin, Vilna, Kopenhagen, England, Schweiz und Spanien. Sein Leben lang wurde er quer durch Europa zwischen den Grenzen und verschiedenen religi\u00f6sen Kulturen hin und her geschleudert. Seine Versuche irgendwie und irgendwo heimisch zu werden, scheiterten immer wieder. In seinem Wikipedia-Eintrag wird er deswegen als Luftmensch bezeichnet.<\/p>\n<div id=\"attachment_3715\" style=\"width: 757px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3715\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3715 size-full\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/orabuena084.jpg\" alt=\"\" width=\"747\" height=\"823\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/orabuena084.jpg 747w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/orabuena084-272x300.jpg 272w\" sizes=\"(max-width: 747px) 100vw, 747px\" \/><p id=\"caption-attachment-3715\" class=\"wp-caption-text\">Jos\u00e9 Orabuena (1892-1978)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eigentlich kam Jos\u00e9 Orabuena 1892 als Hans Sochaczewer in Berlin zur Welt und hat erst nach 1933 seinen Namen gewechselt. \u00dcber sein Leben wissen wir nicht allzu viel. Er hat zwar eine Autobiografie geschrieben, in der er aber mehr \u00fcber sein Innenleben und seine Entwicklung reflektiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\" wp-image-3711 alignleft\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2_0002-185x300.jpg\" alt=\"\" width=\"129\" height=\"209\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2_0002-185x300.jpg 185w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2_0002-630x1024.jpg 630w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2_0002.jpg 1493w\" sizes=\"(max-width: 129px) 100vw, 129px\" \/><strong>Elternhaus ohne Religion<\/strong><br \/>\nEr wuchs in einer j\u00fcdischen Kaufmannsfamilie auf. Seine Eltern mieden den Kontakt zu Juden. Man gab sich assimiliert und emanzipiert. Die Familie besuchte weder die Synagoge noch beachtete sie am Sabbat j\u00fcdische Speisegesetze. Die Kinder wuchsen nahezu religionslos auf. Seine erste Begegnung mit Religion hatte Orabuena, als er zur Schule ging. Auf Wunsch der Eltern kam er auf eine Privatschule. Dort gab es allerdings nur christlichen Religionsunterricht. Damit konnte er \u00fcberhaupt nichts anfangen. \u00dcberhaupt fehlte ihm jegliche Bindung zu seinen Mitsch\u00fclern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ab dem neunten Lebensjahr schickten die Eltern ihn pl\u00f6tzlich zu einem Rabbiner in den Religionsunterricht. Aber auch hier wurden die Geschichten des Alten Testaments f\u00fcr ihn zu einer \u201ewiderlichen Angelegenheit\u201c. Auf dem Weg zum Erwachsenwerden st\u00fcrzte er innerlich in eine tiefe Identit\u00e4tskrise. Hinzu kam die \u00fcberm\u00e4\u00dfig strenge Erziehung durch den Vater, der sehr hohe Leistungen von seinen Kindern erwartete. Orabuena, der eigentlich ein guter Sch\u00fcler war, versagte in der Schule und verkroch sich immer mehr in andere Welten. Er ging notgedrungen in ein inneres Exil. Sein Fluchtpunkt wurde die Literatur, und er fing bald an selber zu schreiben.<br \/>\nStatt in das Gesch\u00e4ft seines Vaters einzutreten wollte er Schriftsteller werden. Hier\u00fcber kam es zu einem erbitterten Streit mit seinem Vater. Als er mit Selbstmord drohte, wurde er von seinen Eltern in ein Sanatorium und sp\u00e4ter in ein Irrenhaus eingewiesen. Er l\u00f6ste daraufhin vollkommen entwurzelt die Beziehungen zu seiner Familie auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>In Vilnius im Ersten Weltkrieg<\/strong><br \/>\nDann begann der Erste Weltkrieg. Orabuena k\u00e4mpfte zun\u00e4chst an der deutsch-franz\u00f6sischen Grenze und wurde aber bald an die \u00f6stliche Front versetzt. Dort landete er nach einem Lazarettaufenthalt in Vilnius (Wilna), wo er zum ersten Mal unmittelbaren Kontakt mit einer durchweg j\u00fcdischen Bev\u00f6lkerung hatte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Mir war die Welt, die ich nunmehr, vom Ende des Jahres 1916 bis zum Abschluss des Jahres 1918 sehr gr\u00fcndlich kennenlernen sollte, das Ostjudentum einer damals zu gro\u00dfen Teilen von Juden bewohnten und v\u00f6llig durch sie belebten Stadt, dazu einer \u00f6stlich sch\u00f6nen Stadt, vollkommen neu und \u00fcberaus bald das Sinnbild f\u00fcr alles, was meinem Dasein noch fehlte und noch lange fehlen sollte: Religion, Glaube und das Wissen, Gott sei und wer Ihn nicht beachte, wer Ihn bezweifle, sei ein Narr, und ein b\u00f6ser und gef\u00e4hrlicher und gef\u00e4hrdeter obendrein, das eigene Dasein untergrabend und verarmend. <\/em>(Jos\u00e9 Orabuena, Im Tale des Josaphat, S.116)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Orabuena war in eine Welt geraten, die er vorher so noch nie gesehen hatte. Die Stadt Vilnius, ihre H\u00e4user und Stra\u00dfen waren schmutzig und in einem unvorstellbar schlechten Zustand. Trotzdem interessierte er sich umso mehr f\u00fcr die Bewohner und merkte bald, dass f\u00fcr diese armen Menschen es Wichtigeres gab als Ordnung und Reinlichkeit.<br \/>\nOrabuena sprach weder Jiddisch noch Hebr\u00e4isch und kam so den Menschen in Vilnius kaum n\u00e4her. Ihre tiefe Religiosit\u00e4t war ihm vollkommen fremd, aber er wurde neugierig. Er sah das tiefe Elend, die Armut und den Dreck, in dem die j\u00fcdische Bev\u00f6lkerung hauste, aber er empfand ihren Alltag nicht als eint\u00f6nig. Trotz ihrer erb\u00e4rmlichen Lage hatten sie einen ausgepr\u00e4gten Sinn f\u00fcr Familie, Gemeinschaft und Religion.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Zur\u00fcck in Berlin<\/strong><br \/>\nNach Deutschland zur\u00fcckgekehrt, sp\u00fcrte Orabuena, wie die Stimmung in der deutschen Bev\u00f6lkerung gegen\u00fcber den Juden kippte. Gleichzeitig entdeckte er, dass im Berliner Schtetl die ostj\u00fcdischen Arbeiter in \u00e4hnlichen Lebensverh\u00e4ltnissen lebten wie ihre Leidensgenossen in Vilnius. In diesem Milieu siedelte er seinen 1927 ver\u00f6ffentlichten Roman \u201eSonntag und Montag\u201c an. Orabuena beschrieb in fast dokumentarischer Weise den Moloch Berlin, der ihm die Armut und Ausweglosigkeit der Berliner Bev\u00f6lkerung vor Augen f\u00fchrte.<br \/>\nDas Buch fand auch in literarischen Kreisen Anklang. Stefan Zweig lud ihn nach Salzburg ein. Dort lernte Orabuena auch Joseph Roth kennen. Auch zu Erich Maria Remarque hatte er Kontakt. Eine erfolgreiche Schriftstellerkarriere schien sich anzubahnen. Aber fr\u00fcher als viele andere j\u00fcdische Schriftsteller sp\u00fcrte er den wachsenden Antisemitismus und konnte ihm nicht standhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Exil in D\u00e4nemark<\/strong><br \/>\n1928 zog es Orabuena nach D\u00e4nemark. Die feindliche Stimmung, die sich in Deutschland zunehmend bemerkbar machte, vertrieb ihn dorthin. Dort war er zwar ab 1933 vor den Nazis sicher, aber Schreiben wurde wie f\u00fcr viele andere j\u00fcdische Schriftsteller schwierig. Kurz nach dem 10. Mai 1933 erfuhr Orabuena, dass auch seine Werke verbrannt worden waren. F\u00fcr wen konnte er jetzt noch schreiben? In Deutschland durfte er nicht mehr ver\u00f6ffentlichen und f\u00fcr den ausl\u00e4ndischen Leserkreis waren seine Texte eher uninteressant. Seine letzte ver\u00f6ffentlichte Arbeit in Deutschland war ein Essay mit dem Titel <em>Nachlass am Schreibtisch<\/em>, ver\u00f6ffentlicht in der Vossischen Zeitung.<br \/>\nVertrieben vom heimischen Schreibtisch, war Orabuena in seinem n\u00e4chsten Exil angekommen, eine weitere Station der Isolation und Einsamkeit. In dieser Zeit begann er, seine Ahnen zu erforschen und sich mit der Glaubenslehre und Geschichte der Juden auseinanderzusetzen. Dabei stie\u00df er auf eine Familie namens Orabuena, aus der viele \u00c4rzte hervorgegangen waren. 1492 wurden sie aus Spanien vetrieben. Er bewunderte diese Familie, adoptierte den Namen Orabuena und betrachtete sich von nun an als einen Nachfahren dieser sephardischen Familie. Aus Hans Sochaczewer wurde der j\u00fcdische Schriftsteller Jos\u00e9 Orabuena.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-3714 alignleft\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/orabuena081-211x300.jpg\" alt=\"\" width=\"211\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/orabuena081-211x300.jpg 211w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/orabuena081-719x1024.jpg 719w\" sizes=\"(max-width: 211px) 100vw, 211px\" \/>Allm\u00e4hlich fand er einen Zugang zur Religion seiner Vorfahren und sein Bewusstsein ver\u00e4nderte sich. Das Ostjudentum bot Orabuena die M\u00f6glichkeit, sich aus der Position des assimilierten \u201eLuftmenschen\u201c ohne Wurzeln zu l\u00f6sen und eine neue Form der Religiosit\u00e4t zu entdecken. So wurde sein zweij\u00e4hriger Aufenthalt in Vilnius (1916-1918) zu einem Schl\u00fcsselerlebnis, das Orabuena nun literarisch aufarbeitete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Hinwendung zum Judentum<\/strong><br \/>\n1935 begann er einen Roman \u00fcber das ostj\u00fcdische Vilnius zu schreiben. Er schilderte die Begegnung zwischen Ost- und Westjuden kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Als eine Art alter ego l\u00e4sst er einen Mann namens David Orabuena nach Vilnius reisen. Trotz Verst\u00e4ndigungsschwierigkeiten und unterschiedlichen Ansichten der beiden j\u00fcdischen Richtungen kommt es zu einem harmonischen Zusammenleben, von dem beide Gruppen profitieren.<br \/>\nOrabuena arbeitete drei Jahre diszipliniert an diesem Roman, den er 1938 in Kopenhagen abschlie\u00dfen konnte. Obwohl ihm&nbsp; mehrere Verleger seine Arbeit lobten, war zun\u00e4chst niemand bereit, sein Buch zu ver\u00f6ffentlichen. Erst 1959 wurde sein Hauptwerk G<em>ross ist Deine Treue. Roman des j\u00fcdischen Wilna<\/em> erstmals ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<div id=\"attachment_3710\" style=\"width: 1721px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3710\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3710 size-full\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2_0001.jpg\" alt=\"\" width=\"1711\" height=\"2620\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2_0001.jpg 1711w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2_0001-196x300.jpg 196w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2_0001-669x1024.jpg 669w\" sizes=\"(max-width: 1711px) 100vw, 1711px\" \/><p id=\"caption-attachment-3710\" class=\"wp-caption-text\">1959 zuerst ver\u00f6ffentlicht<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Exil in England und in der Schweiz<\/strong><br \/>\nSchon 1940 war er nach England gezogen, wo seine Schwester seit l\u00e4ngerer Zeit lebte. 1948 erwarb er in Manchester die britische Staatsb\u00fcrgerschaft. Sein K\u00fcnstlername wurde amtlich. Kurz darauf zog er in die Schweiz. Seine Lebensreise von einem Exil ins andere war damit aber nocht nicht am Ende. 1952 lie\u00df er sich im Kloster Einsiedeln taufen und konvertierte damit offiziell zum Katholizismus. Vielleicht spielte dabei die Freundschaft zu dem Schweizer reformierten Theologen Walter Nigg eine Rolle. Orabuena wurde in dessen Umfeld bewundert und von sachkundigen Kritikern gesch\u00e4tzt, eine breite \u00f6ffentliche Wirkung blieb ihm aber versagt.<\/p>\n<div id=\"attachment_3736\" style=\"width: 367px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3736\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3736 \" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/orabuena0831-300x206.jpg\" alt=\"\" width=\"357\" height=\"245\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/orabuena0831-300x206.jpg 300w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/orabuena0831-1024x705.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 357px) 100vw, 357px\" \/><p id=\"caption-attachment-3736\" class=\"wp-caption-text\">Jos\u00e9 Orabuena im Gespr\u00e4ch mit Walter Nigg (um 1975)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">1964 ver\u00f6ffentlichte er seine Autobiographie <em>Im Tale Josaphat<\/em>. Hier hat er als 72j\u00e4hriger seine Lebensgeschichte aufgezeichnet. Er hat sich selbst nie als \u201eLuftmensch\u201c bezeichnet. Aber ein Mensch wie Orabuena, der sich sein Leben lang getrieben und vertrieben f\u00fchlt und immer wieder versucht heimisch zu werden, daran aber immer wieder scheitert, h\u00e4ngt tats\u00e4chlich nicht nur vor\u00fcbergehend in der Luft, sondern sein Leben lang \u2013 ein Gef\u00fchl, das wir so nicht kennen, geschweige denn nachempfinden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif; font-size: 14pt; color: #ff0000;\"><strong>H\u00f6rtipp<\/strong><\/span><br \/>\nWer sich genauer und ausf\u00fchrlicher \u00fcber Jos\u00e9 Orabuena informieren m\u00f6chte, sollte sich die beiden folgenden Audio-Dateien anh\u00f6ren, die der SWR im Jahre 1984 gesendet hat. Dort hat Prof. Andreas Heinecke&nbsp; die Stationen im Leben des Jos\u00e9 Orabuena dargestellt. Titel der Sendung: &nbsp;<em>Wie ich zu schreiben lernte &#8211; Wie ich zu glauben lernte &#8211; Wie ich zu sterben lernte. <\/em>An einigen Stellen ist auch Orabuena selbst zu h\u00f6ren.<em><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/orabuena.org\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/OrabuenaBiographiePartI1.mp3?_=1\">http:\/\/orabuena.org\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/OrabuenaBiographiePartI1.mp3?_=1<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/orabuena.org\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/OrabuenaBiographiePartII1.mp3?_=2\">http:\/\/orabuena.org\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/OrabuenaBiographiePartII1.mp3?_=2<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/y-hWigJE2HY\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;\">Quellen<\/span><\/strong><br \/>\nJos\u00e9 Orabuena, Gro\u00df ist deine Treue, Z\u00fcrich\/Paderborn, 1959<br \/>\nJos\u00e9 Orabuena, Im Tale Josaphat, Ostfildern, 1964<br \/>\nMartin Pollack, Kaiser von Amerika, Die gro\u00dfe Flucht aus Galizien, Zsolnay-Verlag, 2010<br \/>\nJonas Engelmann, Wurzellose Kosmopoliten, Von Luftmenschen, Golems und j\u00fcdischer Popkultur, 2016<br \/>\nAnne-Christin Sa\u00df, Berliner Luftmenschen, Osteurop\u00e4isch-j\u00fcdische Migranten in der Weimarer Republik, G\u00f6ttingen, 2012<br \/>\nNicolas Berg, Luftmenschen, Zur Geschichte einer Metapher, G\u00f6ttingen 2008<br \/>\n<a href=\"http:\/\/orabuena.org\/\">http:\/\/orabuena.org\/<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.buceriuskunstforum.de\/ausstellung\/marc-chagall-lebenslinien\/0\/\">https:\/\/www.buceriuskunstforum.de\/ausstellung\/marc-chagall-lebenslinien\/0\/<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.luftmenschen.de\/social\">https:\/\/www.luftmenschen.de\/social<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2013\/04\/Anne-Christin-Sass-Berliner-Luftmenschen\">http:\/\/www.zeit.de\/2013\/04\/Anne-Christin-Sass-Berliner-Luftmenschen<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.juedische-allgemeine.de\/article\/view\/id\/18359\">http:\/\/www.juedische-allgemeine.de\/article\/view\/id\/18359<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.luftmenschen.de\/\">https:\/\/www.luftmenschen.de\/<\/a><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/jhg4x1076s8\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir alle kennen das Bild von Marc Chagall mit dem Mann, der \u00fcber der Stadt schwebt. 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