{"id":3492,"date":"2017-04-29T15:17:17","date_gmt":"2017-04-29T13:17:17","guid":{"rendered":"http:\/\/win2014.de\/?p=3492"},"modified":"2020-11-19T16:53:08","modified_gmt":"2020-11-19T15:53:08","slug":"bietet-nicht-jedem-fremden-eure-lippen-zum-kuss","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/win2014.de\/?p=3492","title":{"rendered":"Der Krieg ist aus. F\u00fcr die Frauen geht er weiter."},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Im letzten Beitrag ging es darum, wie die deutsche Frau die heimkehrenden Krieger zu Hause zu empfangen habe. Mit Blumen, Girlanden und Gesang sollte das Kriegsm\u00e4rchen zu Ende gehen \u2013 so stellte man sich das 1916 vor. Die Wirklichkeit sah zwei Jahre sp\u00e4ter ganz anders aus. Als am 9. November 1918 der Gro\u00dfe Krieg zu Ende ging, waren die deutschen Soldaten zwar kriegsm\u00fcde, aber keineswegs friedlich gestimmt. Es bildeten sich im gesamten Reich Soldaten- und Arbeiterr\u00e4te, der Kaiser musste abdanken. In deutschen Landen herrschte der Ausnahmezustand.<br \/>\nDie heimkehrenden Krieger wurden zwar all\u00fcberall mit Girlanden und Blasmusik empfangen, aber die Frauen fanden sich pl\u00f6tzlich in einer merkw\u00fcrdigen Rolle wieder. Da warnt der Arbeiter- und Soldatenrat in Osnabr\u00fcck in einem \u00f6ffentlichen Aufruf die weibliche Bev\u00f6lkerung mit folgendem Satz: <strong><em>Eine gro\u00dfe sittliche Gefahr droht uns durch die aus der Front heimkehrenden Soldaten.<\/em><\/strong> Die m\u00fcden Helden sind f\u00fcr die Frauen eine sittliche Gefahr? Weiter Krieg zu Hause oder wo? <!--more weiterlesen--><br \/>\n<img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-3496 alignleft\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/IMG_20170428_122226-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/IMG_20170428_122226-300x225.jpg 300w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/IMG_20170428_122226-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Das Tagebuch eines 17j\u00e4hrigen Sch\u00fclers aus Osnabr\u00fcck gibt dar\u00fcber Aufschluss. Franz Dost hat von August 1918 bis Januar 1919 seine pers\u00f6nlichen Eindr\u00fccke aufgeschrieben und auch Fotos und Zeitungsausschnitte eingeklebt. Zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt soll an dieser Stelle das gesamte Tagebuch ver\u00f6ffentlicht werden. Uns interessiert hier zun\u00e4chst, wie der Sch\u00fcler Franz Dost das Kriegsende, die revolution\u00e4re Stimmung und die heimkehrenden Truppen erlebt hat. Und nat\u00fcrlich, warum die weibliche Bev\u00f6lkerung in sittlicher Gefahr war. H\u00f6ren wir, was im November 1918 in Osnabr\u00fcck los war.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 18pt;\"><strong>Tagebuch Franz Dost<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Donnerstag, 7.11.18<\/strong><br \/>\nIn den Stra\u00dfen war gro\u00dfer Betrieb. Es hatte sich m\u00fcndlich das Ger\u00fccht verbreitet: Es w\u00fcrden Mariner aus Kiel oder Bremen erwartet, die auch in Osnabr\u00fcck die Milit\u00e4rgewalt st\u00fcrzen sollten. Daher hatten sich am Bahnhof sowie am Neumarkt gro\u00dfe Menschenmengen angesammelt. Nachdem ich eine Nachh\u00fclfestunde gegeben hatte, ging ich in die Stadt. Wir waren gespannt, wie die Sache wohl gehen w\u00fcrde. Nach unserm Willen h\u00e4tte es ruhig recht lebhaft werden k\u00f6nnen. Das w\u00e4r mal etwas gewesen! Aber es wurde wieder nichts.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Freitag, 8.11.18<\/strong><br \/>\nAm heutigen Tage wurde es schon brenzliger. Herr Fussel unterhielt sich eine ganze Stunde mit uns \u00fcber die gegenw\u00e4rtigen Verh\u00e4ltnisse. Zuletzt ermahnte er uns zur Ruhe und Ordnung; vor allem m\u00f6chten wir die Stra\u00dfen meiden und keine Ansammlungen bilden.<br \/>\nAm Neumarkt machten wir eine interessante Beobachtung. Ein Soldat verteilte an vor\u00fcbergehende Soldaten rote B\u00e4nder. Dieses machte er ganz \u00f6ffentlich, ohne dabei bel\u00e4stigt zu werden. So schien es denn wahr zu werden: Revolution in Osnabr\u00fcck.<br \/>\nAls um 6 Uhr die Schule aus war, ereigneten sich bemerkenswerte Szenen auf den Stra\u00dfen. Die Kokarden wurden von den M\u00fctzen gerissen, den Offizieren die S\u00e4bel abgenommen. Verschiedene Helden (!??) gingen stolz einher, vier bis f\u00fcnf erbeutete S\u00e4bel umgeschnallt. S\u00e4mtliche Soldaten der hiesigen Garnison waren zum Arbeiter- und Soldatenrat \u00fcbergetreten. Auch die Beh\u00f6rden einigten sich mit den Revolution\u00e4ren. So ging es in aller Ruhe und Ordnung vor sich.<br \/>\nAm Abend fand auf dem Neumarkt eine Kundgebung statt. F\u00fcr den folgenden Tag wurde Arbeitruhe befohlen. Am Morgen fand eine Versammlung f\u00fcr Soldaten, am Nachmittag f\u00fcr Arbeiter und B\u00fcrger statt. Damit fand die Begegnung ihr Ende.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sonnabend, 9.11.18<\/strong><br \/>\n<img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-3502\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/IMG_20170429_141212-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/IMG_20170429_141212-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/IMG_20170429_141212-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/>Ende des deutschen Kaiserreichs!<br \/>\nKaiser Wilhelm II. dankt ab auf Forderung der sozialdemokratischen Regierung. Die Kinder auf der Stra\u00dfe sangen:<br \/>\n<em>Oh Tannenbaum und Tannenbaum,<\/em><br \/>\n<em> der Kaiser hat in Sack gehaun.<\/em><br \/>\n<em> jetzt kauft er sich \u201anen Henkelmann<\/em><br \/>\n<em> und f\u00e4ngt bei Krupp in Essen an.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sonntag, 10.11.18<\/strong><br \/>\nNach Kaffee mit Never zum Volksunterhaltungsabend: Deutschland \u00fcber alles (???). Dann erfuhren wir die schweren Waffenstillstandsbedingungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Montag, 11.11.18<\/strong><br \/>\nAnnahme der Bedingungen!<br \/>\nNach der Lage der Dinge war uns wohl nichts anderes \u00fcbrig geblieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Dienstag, 12.11.18<\/strong><br \/>\nWir behandelten gerade in der Stunde von 11-12 den ersten \u00c4hnlichkeitssatz, da wird die T\u00fcr aufgerissen. Buch tritt ein. Drau\u00dfen auf dem Flur werden Karl und Holze sichtbar. Buch: Herr Oberlehrer m\u00f6chte einmal kommen. Dann wendet er sich an uns mit den Worten: Ihr sollt jetzt zu kriegerischer T\u00e4tigkeit herangezogen werden! Hei! Das z\u00fcndete! Von den Pl\u00e4tzen und raus mit Schnellzuggeschwindigkeit. Auf dem Hofe stellten wir uns auf und h\u00f6rt von Holze, da\u00df wir Decken verladen sollten. Das war freilich ein gewaltiger D\u00e4mpfer f\u00fcr die \u201ekriegerische\u201c T\u00e4tigkeit. Etwas anders hatten wir sie uns doch vorgestellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf dem Schlo\u00dfhof stand ein Automobil mit drei Anh\u00e4ngern, voll beladen mit Wolldecken. Wir fuhren nun zur M\u00e4dchen-B\u00fcrgerschule und brachten die Decken in die Turnhalle. Nachmittags um \u00bd 3 mu\u00dften wir wieder auf dem Schlo\u00dfhof antreten. Nach einiger Wartezeit ratterten auch schon die Automobile heran. Aufgestiegen. Weiter dann zur B\u00fcrgerschule. Im Augenblick waren die Decken abgeladen, aber o weh! Als Holze kam, machte er ein dummes Gesicht. Die Decken waren gar nicht f\u00fcr die B\u00fcrgerschule bestimmt. Also wieder hinauf damit.<br \/>\nWir hatten die Schule auszur\u00e4umen. D.h. B\u00e4nke, Schr\u00e4nke, Pulte, Tafeln u.a. auf den Boden zu schleppen. Das w\u00e4hrte bis \u00bd 6. Da hatten wir auch genug davon.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Montag, 18.11.18<\/strong><br \/>\nR\u00e4umung des Seminars! Stopfen von Strohs\u00e4cken in der dortigen Turnhalle. Nachmittag: Auf Stroh gewartet. Das schien aber heute nicht mehr einzutreffen. Zur B\u00fcrgerschule und Decken geholt. Dort waren schon Soldaten eingetroffen. Auf dem Hofe standen einige Feldk\u00fcchen. Sie hatten gerade Kaffee bereit. Endlich kam das Stroh. Jeder hatte 2 S\u00e4cke zu stopfen, dann konnte er gehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Mittwoch, 20.11.18<\/strong><br \/>\nBu\u00df- und Bettag<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Freitag, 22.11.1918<\/strong><br \/>\nIn diesen Tagen begann man, die Stadt zum Empfang der Truppen auszuschm\u00fccken. Fahnen wehen von den D\u00e4chern. Girlanden werden \u00fcber die Stra\u00dfen gezogen. Allm\u00e4hlich kamen immer mehr Autos an, in gr\u00f6\u00dferen Kolonnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sonntag, 24.11.1918<br \/>\n<\/strong>Ein Milit\u00e4rzug nach dem anderen f\u00e4hrt vorbei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sonntag, 8.12.1918<\/strong><br \/>\nImmer mehr Truppen kommen an. Osnabr\u00fcck wird zu einem Heerlager. Das 8te Korps hat fortan seinen Sitz in Osnabr\u00fcck. Unterdessen kam es in Berlin verschiedentlich zu Unruhen. Die traurige Lage unseres Vaterlandes, das W\u00fchlen und Hetzen der Spartakusgruppe (Liebknecht) scheint durch blutigen B\u00fcrgerkrieg den H\u00f6hepunkt zu erreichen. Wahrlich ein trauriges Weihnachten 1918.<br \/>\nAuch unser Seminar wird mit Truppen belegt (Telegraphenabteilung des 8. Armeek.). Der Schulhof ist angef\u00fcllt mit Autos, Lastwagen und so weiter. Wirklich ein komischer Unterricht! W\u00e4hrend wir bei Granemann das Nibelungenlied besprechen, t\u00f6nt von drau\u00dfen das Brummen eines Autos herein. Auf dem Flur h\u00f6rt man schwere Soldatenstiefel klappern, lustige Lieder singen. Auch die einbezogenen Klassenkameraden kehren allm\u00e4hlich zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>9.12. Montag<\/strong><br \/>\nImmer wieder ziehen Kolonnen durch die Stadt, mit Gr\u00fcn und Fahnen geschm\u00fcckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-3518 alignleft\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/IMG_20170429_124228-Kopie-300x267.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"267\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/IMG_20170429_124228-Kopie-300x267.jpg 300w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/IMG_20170429_124228-Kopie-1024x911.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Sonnabend, 21.12.18<\/strong><br \/>\nEinzug der 92er!<br \/>\nWar bekannt gemacht so zwischen 1 und 2 Uhr. Ich ging schon morgens in die Stadt, um noch einige Besorgungen zu machen. Pl\u00f6tzlich drangen die T\u00f6ne einer Milit\u00e4rkapelle an mein Ohr. Da kamen sie auch schon anmarschiert: 15ner Pioniere und Fu\u00dfartillerie. In endlosen Kolonnen durchzogen sie die Stadt. Am Neumarkt trat oft Verkehrsstockung ein. Der Durchzug wollte garnicht enden. Endlich ging ich nach Haus, um rechtzeitig wieder da zu sein. \u00bd 2 war ich dann schon wieder in der Stadt. Gegen 2 Uhr r\u00fcckten die Truppen heran, mit Fahnen, Blumen herzlich begr\u00fc\u00dft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">==============================================================<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An dieser Stelle hat der Sch\u00fcler Franz Dost zwei Zeitungsausschnitte in sein Tagebuch geklebt und damit seine eher sp\u00e4rlichen Eintr\u00e4ge erg\u00e4nzt. Sie stammen aus der Osnabr\u00fccker Abendpost und dem Osnabr\u00fccker Tageblatt. Und hier kommen endlich wieder die Frauen ins Spiel: Empfang der Krieger, aber Frauen seid auf der Hut!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">==============================================================<\/p>\n<div id=\"attachment_3495\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3495\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3495 size-large\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/209-1024x642-1024x642.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"401\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/209-1024x642.jpg 1024w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/209-1024x642-300x188.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><p id=\"caption-attachment-3495\" class=\"wp-caption-text\">R\u00fcckkehr des Infantrie-Regiments 92, Neumarkt, Osnabr\u00fcck, 21.12.1918, 9,5 x 14 cm (NLA Sta Os, Dep. 3b III, Nr. 588 (74a-e))<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0<\/em><strong>Osnabr\u00fccker Abendpost, 24. Dezember 1918<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ein feierlicher Empfang wurde dem am Sonnabend heimkehrenden Infanterie-Regiment Nr. 92 bereitet. Schon seit 14 Tagen wetteiferten die Einwohner in der Ausschm\u00fcckung der Stadt zum Empfange der heimischen Kriegsteilnehmer. Nachdem morgens schon verschiedene Truppengattungen die Stadt passiert hatten, traten zwischen 1 und 2 Uhr die 92er, durch das Johannistor einmarschierend, mit klingendem Spiel auf dem Neumarkt ein.<\/em><br \/>\n<em> Hier begr\u00fc\u00dfte Oberb\u00fcrgermeister Dr. Ri\u00dfm\u00fcller die r\u00fcckkehrenden Soldaten im Namen der Stadt. Die offizielle Einsch\u00e4tzung der Lage wird in seiner Ansprache deutlich: \u00bbVor der Macht eines dunklen, r\u00e4tselhaften Geschickes mu\u00dftet ihr nun die Waffen senken. Aber rein ist der Schild der Ehre, unbesiegt kehrt ihr zur\u00fcck, stolz erhobenen Hauptes und mit Stolz begr\u00fc\u00dfen wir die Heimkehrenden. (\u2026) Furchtbare Ver\u00e4nderungen sind in den letzten Wochen eingetreten. Am deutschen Rheinstrom lagern die Feinde, mit entsetzlicher H\u00e4rte ruht des Feindes Faust auf deutschen Landen.&#8220;<\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_3504\" style=\"width: 526px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3504\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3504 size-full\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/IMG_0583.jpg\" alt=\"\" width=\"516\" height=\"720\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/IMG_0583.jpg 516w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/IMG_0583-215x300.jpg 215w\" sizes=\"(max-width: 516px) 100vw, 516px\" \/><p id=\"caption-attachment-3504\" class=\"wp-caption-text\"><em>R\u00fcckkehr des Infantrie-Regiments 92, Gro\u00dfe Stra\u00dfe, Osnabr\u00fcck, 21.12.1918, 9,5 x 14 cm (NLA Sta Os, Dep. 3b III, Nr. 588 (74a-e))<\/em><\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Senator Vesper, der anschlie\u00dfend im Namen des Arbeiter- und Soldatenrats spricht, findet deutlichere Worte: &#8222;Ihr habt die Heimat besch\u00fctzt und von ihr die Verw\u00fcstungen des Krieges ferngehalten. Ihr seid nicht \u00fcberwunden, wenn ihr auch schlie\u00dflich einer \u00dcbermacht von Feinden weichen mu\u00dftet. Euer Heldenmut ist unvergleichlich. Aber es war unsere Pflicht, nicht weitere nutzlose Opfer von euch zu verlangen. (\u2026) Neues ist erstanden im Vaterlande, und das Volk hat sich selbst zum Herrn seines Geschickes gemacht. Die Ungerechtigkeiten des alten Regimes sind beseitigt, und wir haben den neuen Volksstaat Deutschland aufgerichtet.\u201c <\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_3500\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3500\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3500 size-large\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/IMG_20170428_155240-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/IMG_20170428_155240-1024x768.jpg 1024w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/IMG_20170428_155240-300x225.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><p id=\"caption-attachment-3500\" class=\"wp-caption-text\">Werbung aus der Zeitschrift Jugend, 1918<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 18pt;\"><strong>An die weibliche Bev\u00f6lkerung von Osnabr\u00fcck und Umgegend<\/strong><\/span> richtet sich eine Ver\u00f6ffentlichung des Arbeiter- und Soldatenrats, in der es hei\u00dft:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><em><span style=\"font-family: times new roman,times,serif;\">Eine gro\u00dfe sittliche Gefahr droht uns durch die aus der Front heimkehrenden Soldaten. Die von der Heeresleitung zur Bek\u00e4mpfung der Geschlechtskrankheiten getroffenen Ma\u00dfnahmen k\u00f6nnen in Folge der \u00fcberst\u00fcrzten Demobilisierung des Heeres nicht in vollem Umfang zur Ausf\u00fchrung gelangen.<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><em><span style=\"font-family: times new roman,times,serif;\">Frauen und M\u00e4dchen! Wir wenden uns direkt und \u00f6ffentlich an euch. Vor der Seuche der Geschlechtskrankheiten seid auf eurer Hut! Gro\u00df ist die Gefahr der Ansteckung. La\u00dft euch nicht durch eine fl\u00fcchtige Stunde sinnlichen Genusses um eure Gesundheit, Arbeitsf\u00e4higkeit und Lebensgl\u00fcck bringen. Seid m\u00e4\u00dfig und enthaltsam im Genu\u00df berauschender Getr\u00e4nke, meidet sie lieber ganz.<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><em><span style=\"font-family: times new roman,times,serif;\"><strong>Bietet nicht jedem Fremden eure Lippen zum<\/strong> <strong>Ku\u00df.<\/strong> <strong>Wie leicht wird durch ihn die furchtbare Syphilis auf euch \u00fcbertragen.<\/strong> Benutzt nie mit Fremden dasselbe E\u00df- und Trinkgeschirr. Vor allem auch: haltet die Aborte sauber. Fallt ihr aber dennoch der Krankheit zum Opfer, so geht bei den ersten Anzeichen zum Arzt oder zur Aerztin. Sie sind gesetzlich zur Verschwiegenheit verpflichtet. Vertraut euch niemals einem Kurpfuscher an. Auch die Krankenkassen werde ihren Mitgliedern jegliche Hilfe gern gew\u00e4hren. Die Beratungsstelle der Landesversicherungsanstalt steht versicherungspflichtigen Personen hilfsbereit mit kostenloser, streng vertraulicher Untersuchung und Beratung zur Seite.<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><em><span style=\"font-family: times new roman,times,serif;\">Keine Krankheit ist unheilbar! Hilfe und Besserung wird jedem Geschlechtskranken, der den Mut hat, sich dem Arzt anzuvertrauen, gew\u00e4hrt. Wer, obgleich geschlechtskrank, sich weiterhin Geschlechtsverkehr hingibt, begeht ein Verbrechen am ganzen Volke. Solches Verbrechen wird nach dem Strafgesetzbuch streng bestraft.<\/span><\/em><\/span><br \/>\n<em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0<\/em> Osnabr\u00fccker Tageblatt, 6. Dezember, 1918<\/p>\n<div id=\"attachment_3499\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3499\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3499 size-large\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/IMG_20170428_123808-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"853\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/IMG_20170428_123808-768x1024.jpg 768w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/IMG_20170428_123808-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><p id=\"caption-attachment-3499\" class=\"wp-caption-text\">Osnabr\u00fccker Tageblatt, 6. Dezember, 1918<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Der Krieg ver\u00e4nderte die Geschlechterbeziehungen.<\/em> Das stellen die Historiker Gerhard Hirschfeld und Gerd Krumeich in ihrem Buch \u201eDeutschland im Ersten Weltkrieg\u201c fest. Vor allem in den Kapiteln \u00fcber die \u201eHeimatfront\u201c oder \u201eIndustrialisierung\u201c pr\u00e4sentieren sie neue Ergebnisse der Sozialgeschichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als die Z\u00fcge 1914 an die Front rollten, gingen M\u00e4nner und Frauen davon aus, dass es ein kurzer Krieg werden w\u00fcrde. Je l\u00e4nger er dauerte, desto mehr gingen die Geschlechter eigene Wege. W\u00e4hrend die Soldaten ihren Triebstau in Etappenbordellen abreagieren konnten, mussten Frauen in der Industrie ihren Mann stehen und bis zum Umfallen arbeiten, um den Hunger ihrer Familien zu lindern. Viele Frauen lernten, aktive Empf\u00e4ngnisverh\u00fctung zu betreiben. Das Verh\u00e4ltnis der Geschlechter zueinander ver\u00e4nderte sich von Grund auf. Frauen praktizierten aktive Empf\u00e4ngnisverh\u00fctung, M\u00e4nner fanden die gro\u00dfe Freiheit.<\/p>\n<div id=\"attachment_3509\" style=\"width: 950px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3509\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3509 size-full\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/cropped-IMG_20170428_155502.jpg\" alt=\"\" width=\"940\" height=\"331\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/cropped-IMG_20170428_155502.jpg 940w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/cropped-IMG_20170428_155502-300x106.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 940px) 100vw, 940px\" \/><p id=\"caption-attachment-3509\" class=\"wp-caption-text\">Werbung aus der Zeitschrift Jugend, 1918<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Konsequenz war alles andere als gew\u00fcnscht. Die dramatischen Verlustzahlen vor Augen, versuchte die Obrigkeit, die Frauen zu mehr Geburten zu animieren. Dieses Motiv wurde allerdings von der h\u00f6chst restriktiven Urlaubsregelung konterkariert, der die Frontsoldaten unterworfen waren. Anfangs wurden nach zw\u00f6lf Monaten Dienstzeit gerade einmal zwei Wochen Urlaub gew\u00e4hrt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit sich die Frauen w\u00e4hrend ihrer Abwesenheit nicht Ersatz in der Masse der mehr als zwei Millionen Kriegsgefangenen suchten, von denen viele in der Landwirtschaft eingesetzt waren, initiierten die Beh\u00f6rden Kampagnen f\u00fcr die eheliche Treue. Zusammen mit dem lebenden Beweisen des Gegenteils wurden die Vorw\u00fcrfe von Promiskuit\u00e4t und Sittenverfall zu einem Thema, das die Nation bewegte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Quelle<\/strong><br \/>\n<em><a href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article129776398\/Der-Krieg-veraenderte-die-Geschlechterbeziehungen.html\">https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article129776398\/Der-Krieg-veraenderte-die-Geschlechterbeziehungen.html<\/a><\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_3498\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3498\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3498 size-large\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/IMG_20170428_123414-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"853\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/IMG_20170428_123414-768x1024.jpg 768w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/IMG_20170428_123414-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><p id=\"caption-attachment-3498\" class=\"wp-caption-text\">Osnabr\u00fccker Tageblatt, 21. Dezember, 1918<\/p><\/div>\n<p><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif;\">Quellen<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p>Gerhard Hirschfeld und Gerd Krumeich, Deutschland im Ersten Weltkrieg, Stuttgart, 2013<\/p>\n<p>Tagebuch Franz Dost, 1917 bis 1919 (Privatbesitz)<\/p>\n<p>Zeitungsausschnitte Osnabr\u00fccker Tageblatt, November und Dezember 1918<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.medienzentrum-osnabrueck.de\/momente-und-ereignisse-dokumentarfotografie-der-erste-weltkrieg-1914-1918\/\">https:\/\/www.medienzentrum-osnabrueck.de\/momente-und-ereignisse-dokumentarfotografie-der-erste-weltkrieg-1914-1918\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im letzten Beitrag ging es darum, wie die deutsche Frau die heimkehrenden Krieger zu Hause zu empfangen habe. Mit Blumen, Girlanden und Gesang sollte das Kriegsm\u00e4rchen zu Ende gehen \u2013 so stellte man sich das 1916 vor. Die Wirklichkeit sah &hellip; <a href=\"http:\/\/win2014.de\/?p=3492\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3449,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1,223,226],"tags":[236,179,201,6,140,214],"jetpack_featured_media_url":"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/stu_0014.jpg","_links":{"self":[{"href":"http:\/\/win2014.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3492"}],"collection":[{"href":"http:\/\/win2014.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/win2014.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/win2014.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/win2014.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3492"}],"version-history":[{"count":15,"href":"http:\/\/win2014.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3492\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3526,"href":"http:\/\/win2014.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3492\/revisions\/3526"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/win2014.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/3449"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/win2014.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3492"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/win2014.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3492"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/win2014.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3492"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}