{"id":3436,"date":"2017-04-25T13:57:59","date_gmt":"2017-04-25T11:57:59","guid":{"rendered":"http:\/\/win2014.de\/?p=3436"},"modified":"2020-09-01T08:02:10","modified_gmt":"2020-09-01T06:02:10","slug":"die-mobilmachung-der-deutschen-frau","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/win2014.de\/?p=3436","title":{"rendered":"Die Mobilmachung der Deutschen Frau"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Der Erste Weltkrieg ist auch heute noch eine eintr\u00e4gliche Handelsware. Bei ebay z.B. werden tausende von Feldpostkarten angeboten, die K\u00e4ufer bieten, \u00fcberbieten und kaufen f\u00fcr horrende Summen kostbare Einzelst\u00fccke, aber auch das billige St\u00fcck f\u00fcr einen Euro. Es ist nicht immer erkennbar, wo der Unterschied liegt. Auch auf Flohm\u00e4rkten gibt es jede Menge Erinnerungsst\u00fccke der glorreichen Zeit: Orden, Postkarten oder ganze Fotoalben. Opas Vergangenheit wird verscherbelt oder einfach mehr oder weniger sinnvoll entsorgt.<br \/>\nAlso gehen wir einmal auf einen Hamburger Flohmarkt und versuchen unser Gl\u00fcck. An einem Stand stehen zwei Frauen und verkaufen ihre Secondhand-Klamotten. Auf ihrem Tisch liegt ein kleiner Karton mit Schmuckresten, ein paar Fotos, Kinderb\u00fcchern und einem d\u00fcnnen Heftchen mit dem Titel <em>\u201eDie Mobilmachung der Deutschen Frau\u201c<\/em>. Wir sind neugierig und nehmen f\u00fcr einen Euro das Heftchen mit nach Hause.<!--more weiterlesen--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu Hause bl\u00e4ttern wir interessiert in dem <em>\u201eKriegsheft f\u00fcr unsere Frauen und T\u00f6chter\u201c<\/em>. 30 Seiten. Es ist tadellos erhalten, obwohl es auf holzigem Kriegspapier gedruckt wurde. Eine Jahresangabe fehlt, vermutlich aber 1916 erschienen, als Papier und andere Rohstoffe knapp und knapper wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-3452\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/mobil-Kopie-736x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"890\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/mobil-Kopie-736x1024.jpg 736w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/mobil-Kopie-216x300.jpg 216w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/mobil-Kopie.jpg 1578w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Geschrieben hat es ein gewisser E. Schuster. Unschwer zu erkennen im Selbstverlag herausgegeben. 1916 \u2013 da war der Krieg schon bitterer Alltag geworden. \u00a0In der Zeit wuchs die Zahl der selbst ernannten Propheten, die als einzige wussten, wer schuld am Krieg hat, wie man den Krieg schnell gewinnen kann oder warum man vor allem im heiligen Recht ist vor Gott und der ganzen Welt. Nun also die Mobilmachung der Deutschen Frau. Als \u201edeutsches Frauenmotto\u201c wird im Vorwort die vielsagende Sentenz vorangestellt:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><em>\u201eFest steht auf ihrem Posten neu,<\/em><\/strong><br \/>\n<strong> <em> Trotz Kriegsget\u00fcmmelei,<\/em><\/strong><br \/>\n<strong> <em>Die deutsche Frauentreu!\u201c<\/em><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Soll hier zum wiederholten Male die Frau besungen werden und ihr aufopferungsvoller Einsatz f\u00fcr das deutsche Volk an der Heimatfront? Als Rote-Kreuz-Helferin oder Stra\u00dfenbahnschaffnerin? Solche Heftchen gab es, je l\u00e4nger der Krieg dauerte, massenweise.<\/p>\n<ul style=\"list-style-type: square;\">\n<li style=\"text-align: justify;\">Der Krieg und die Aufgabe der deutschen Mutter (Albert Wagner, 1915, 36 Seiten)<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Was tut die Frau f\u00fcrs Vaterland? (Hugo Sellheim, 1915, 36 Seiten)<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Stille Opfer der Deutschen Frauen und Jungfrauen in gro\u00dfer Zeit (Helene Christaller, 1915, 96 Seiten)<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Der Kriegsdienst der deutschen Frau (Victor Kuehn, 1916, 16 Seiten)<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Die Kriegsarbeiten der Frau (Leo Colze, 1915, 48 Seiten)<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Die deutsche Frau im Weltkriege (Thea von Harbou, 1917, 62 Seiten)<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Die Zukunft der Kriegerwitwe (Anna Lindemann, 1915, 46 Seiten)<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Jungfrauen, M\u00fctter, Arbeiterinnen, Witwen \u2013 f\u00fcr alle Bereiche weiblicher Daseinsformen gab es kluge Ratschl\u00e4ge. Nun also die Mobilmachung der Deutschen Frau.<br \/>\nDer Verfasser E. Schuster will uns zwar nicht seinen Vornamen verraten, aber gibt sich als ehemaliger Lehrer an der Hauswirtschaftlichen Frauenschule in Stra\u00dfburg zu erkennen. Ihm geht es um ganz besondere Aufgaben der Frauen, die ihm bis jetzt zu kurz gekommen zu sein scheinen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong><em>Wie empfangen wir unsere heimkehrenden Krieger?<\/em><\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 14pt;\"><strong> <em> Wie ehren wir sie?<\/em><\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 14pt;\"><strong> <em> Wie decken wir Ihnen die Tafel?<\/em><\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Herr Schuster scheint nicht mitbekommen zu haben, dass der Krieg noch lange nicht zu Ende ist. Aber er will schon f\u00fcr den Fall eines triumphalen Sieges alle Frauen darauf vorbereiten. Er schreibt:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Allerdings erstreckt sich die L\u00f6sung unserer Fragen nicht auf den gegenw\u00e4rtigen Stand der Dinge, sondern haupts\u00e4chlich nach der gl\u00fccklichen Beendigung dieses V\u00f6lker zermalmenden Krieges, und da es in der Natur der Sache liegt, ist es n\u00f6tig, die Besprechung so fr\u00fchzeitig wie m\u00f6glich zu veranstalten.<\/em><br \/>\n<em> Wir haben also unsere Sorge diesmal nicht mit Feldpostpaketen zu teilen f\u00fcr unsere auf fremder Erde im Westen und Osten stehenden Lieben, sondern es wird die Sorge sein, wie wir unser durch den Krieg zerrissenes und zerst\u00f6rtes Heim zu einem gl\u00fccklichen deutschen h\u00e4uslichen Herd gestalten, wo echte deutsche Sitte und Gem\u00fctlichkeit der Grundzug ist, nicht Oberfl\u00e4chlichkeit und eitler Tand.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Folgenden seien einige Originalzitate wiedergegeben. Kopfsch\u00fcttelnd wird man sich bei jedem Satz fragen: Wie weltfremd, wie verbohrt oder ahnungslos muss ein Mann wie E. Schuster sein, wenn er 1916 den Frauen Tipps gibt, wie sie ihre M\u00e4nner nach Kriegsende empfangen sollen. Man kann sich auch schlecht vorstellen, dass irgendeine Frau sich danach gerichtet hat. Aber wer wei\u00df?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Man kann \u00fcber den Empfang des Kriegers verschiedentlich denken, n\u00e4mlich: Besteht eine Verpflichtung? Tut man es aus Wohlerzogenheit und guter Sitte, aus nationalem Gef\u00fchl, aus pers\u00f6nlichem Gef\u00fchl oder ist es Ehrensache?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Es wird M\u00e4nner geben, die eine stille, in sich gekehrte Veranlagung haben, weshalb es sich in diesem Fall empfehlen d\u00fcrfte, da\u00df das erste Wiedersehen der Frau geh\u00f6rt, ohne St\u00f6rung. Ein anderer Mann wird nach Weib und Kind zugleich beim Empfang sich sehnen.<\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_3447\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3447\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3447 size-large\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/stu_0004-1024x733.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"458\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/stu_0004-1024x733.jpg 1024w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/stu_0004-300x215.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><p id=\"caption-attachment-3447\" class=\"wp-caption-text\">Ein anderer Mann wird nach Weib und Kind sich sehnen.<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wie d\u00fcrfen wir uns kleiden beim Empfang? Das ist auch ein Punkt, der streng in den Rahmen des Ereignisses gebracht werden mu\u00df. Es sei nur auf Einfachheit hingewiesen, die immer das Zeichen einer vornehmen, feierlichen Gesinnung ist. Vielleicht auch d\u00fcrfte sich das K\u00f6nigin Luise-Muster dem Ernst und der W\u00fcrde am besten anpassen, sofern inzwischen eine entsprechende deutsche Mode nicht gefunden ist.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Blumen im Haar und im Zimmer sollten nicht fehlen. Tannen- und Eichenlaub mit der herzlichen Willkommensgru\u00dftafel, das Ehrenkreuz in der Mitte, z. B.: Willkommen in der Heimat, oder Ehre dem wackeren Streiter, dem Held, dem lieben Sohn, dem lieben Mann oder Bruder, je nachdem. Die Treppen mit Teppichen belegt und mit Blumen und Tannenreisern bestreut. Vielleicht l\u00e4\u00dft sich damit eine kleine, geschickt angelegte, aber einfache und sinnige Illumination verbinden, die nat\u00fcrlich im Rahmen gehalten sein mu\u00df, verbunden mit Dekoration des Kaiserbildes oder der K\u00f6nigsb\u00fcste.<\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_3443\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3443\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3443 size-large\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/fr-1-1024x634.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"396\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/fr-1-1024x634.jpg 1024w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/fr-1-300x186.jpg 300w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/fr-1.jpg 1596w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><p id=\"caption-attachment-3443\" class=\"wp-caption-text\">Blumen im Haar oder im Zimmer sollten nicht fehlen.<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Beim Eintritt ins Haus wird dem Krieger ein Glas Rotwein von Dienstboten oder sonst einer dem Krieger bekannten Person gereicht, eventuell von dem Hausbesitzer, wenn der Krieger es nicht selbst ist. Dabei werden ein paar warme widmende Worte gesprochen. Vergessen darf man hier wieder den Takt nicht. Nat\u00fcrlich hat man jede Neugier zu unterdr\u00fccken und wird den kaum Eingetretenen nicht mit allen unn\u00fctzen Fragen, die sich auf zur\u00fcckliegende Vorkommnisse des Krieges beziehen, best\u00fcrmen.<\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_3444\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3444\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3444 size-large\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/hasencl_0001a-1024x717.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"448\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/hasencl_0001a-1024x717.jpg 1024w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/hasencl_0001a-300x210.jpg 300w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/hasencl_0001a.jpg 1479w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><p id=\"caption-attachment-3444\" class=\"wp-caption-text\">&#8230;die Gattin, Freundin, Braut oder Schwester&#8230;<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Der Heimgekehrte wird allerhand Bed\u00fcrfnisse haben, die nat\u00fcrlich vorbereitet sein m\u00fcssen. Ein Bad mit Unterw\u00e4sche und Kleidung soll bereit sein, denn das Bed\u00fcrfnis ist unzweifelhaft daf\u00fcr vorhanden. Schlie\u00dflich kann die Gattin, Freundin, Braut oder Schwester dem Heimgekehrten eine besondere Ueberraschung dadurch bereiten, indem sie neue Gl\u00fccks- oder Eheringe mit entsprechender Widmung besorgen lassen, die wiederum den Tag kennzeichnet und die man dem Heimgekehrten nach oder w\u00e4hrend dem ersten Austausch an den Finger steckt, ja auch vielleicht sehr gut w\u00e4hrend dem Zutischegehen geschehen kann.<\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_3449\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3449\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3449 size-large\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/stu_0014-1024x738.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"461\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/stu_0014-1024x738.jpg 1024w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/stu_0014-300x216.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><p id=\"caption-attachment-3449\" class=\"wp-caption-text\">Bei gr\u00f6\u00dferer Tafel empfiehlt sich die Anbringung von Triumphb\u00f6gen.<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Tafel sollte vor Ankunft des Kriegers gedeckt und die Gerichte so vorbereitet sein, da\u00df man ohne gro\u00dfe Umtriebe zur Tafel gehen kann, auch wenn wir die Ankunft nicht auf die Stunde oder den Tag hin erraten k\u00f6nnen. Bei gr\u00f6\u00dferer Tafel empfiehlt sich die Anbringung von Triumphbogen nach Art der Kroketsbogen mit Gr\u00fcn umkleidet, an allen diesen, nat\u00fcrlich richtig eingeteilten Pl\u00e4tzen, an denen Krieger Pl\u00e4tze angewiesen bekommen, die auch als Ehrensitze zu gelten haben. Das hindert aber nicht, da\u00df wir noch niedere Schalen mit Blumen, Vergi\u00dfmeinnicht und Immergr\u00fcn auf die Tafel bringen und schlie\u00dflich jedem einzelnen Gast noch ein kleines Blumengl\u00e4schen mit Blumen an das Gedeck stellen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Tafelbr\u00f6tchen sollten in Form des Ehrenkreuzes beim B\u00e4cker bestellt werden. Ebenso bricht man die Serviette in Form des Ehrenkreuzes, das man mit Immergr\u00fcn verziert, und kann als Zierserviette noch die Palme brechen. Auch eine Speisekarte in Form einer Gedenkkarte mit Widmung sollte selbst auf der einfachsten Tafel nicht fehlen, die aber nat\u00fcrlich nur gut deutsche Gerichte aufweisen darf, und ebenso gut deutsch ausgedr\u00fcckt sein mu\u00df. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-3468 alignleft\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/IMG_0577.jpg\" alt=\"\" width=\"295\" height=\"225\" \/>Das Speisezimmer sollte eine vaterl\u00e4ndische Ausschm\u00fcckung erhalten und auf dem Speisetisch die deutsch-\u00f6sterreichische Siegesfahne wehen oder eine gr\u00f6\u00dfere Fahne in der Ecke des Zimmers aufgestellt sein. Bei gro\u00dfer Tafel wird die vornehmste Dame den heimkehrenden Krieger zu Tisch f\u00fchren, \u00a0und demselben ein gesticktes Band mit kurzer Widmung anstecken. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Der Heimkehrende wei\u00df wohl die lang entbehrte Bequemlichkeit zu sch\u00e4tzen, weshalb es sich empfiehlt, jeder Stuhllehne ein Lehnkissen mit dem darauf gestickten Ehrenkreuz anzuh\u00e4ngen, das eine selbstgefertigte Handarbeit der Hausfrau sein soll.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Sie sehen also meine sehr verehrten Damen, es gibt im stillen noch manche hausfrauliche Arbeit bis zum Empfang zu leisten. Leisten wir sie, so d\u00fcrfen wir mit reinem Herzen sagen, auch wir haben gesiegt.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-3446\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/stu_0001-761x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"861\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/stu_0001-761x1024.jpg 761w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/stu_0001-223x300.jpg 223w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/stu_0001.jpg 1588w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zitatende. Endlich, kann man nur sagen. Am Ende des Gro\u00dfen Krieges im November 1918 gab es f\u00fcr die heimkehrenden Soldaten kein gesticktes Ehrenkreuz, keine Tafelbr\u00f6tchen und keine Blumengirlanden mit der Siegesfahne auf dem Tisch. Aber wie kehrten sie aus den Sch\u00fctzengr\u00e4ben zur\u00fcck und wie wurden sie empfangen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tatsache ist, dass Millionen Soldaten schon vor Kriegsende nicht mehr an der Front waren. Schon Monate vor dem Waffenstillstand war das Heer in Aufl\u00f6sung begriffen. Gegen Ende des Jahres 1917 nutzten bis zu zehn Prozent der betroffenen Truppen den Transport von der Ost- zur Westfront als eine Gelegenheit zum Desertieren, und die Moral sank nach den Fr\u00fchjahrsoffensiven des Jahres 1918 gewaltig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An der Ostfront waren die Truppen kriegsm\u00fcde, es kam h\u00e4ufig zu Befehlsverweigerungen. Die Fr\u00fchjahrsoffensive im Westen und die erste Grippewelle im Juni\/Juli 1918 hinterlie\u00dfen zahlreiche Kranke und Verwundete. Von M\u00e4rz bis Juli 1918 waren ann\u00e4hernd 1,75 Millionen deutsche Soldaten krankgemeldet und ungef\u00e4hr 750 000 galten als verwundet.<\/p>\n<div id=\"attachment_3457\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3457\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3457 size-large\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/mm_0006-1-642x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"1021\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/mm_0006-1-642x1024.jpg 642w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/mm_0006-1-188x300.jpg 188w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/mm_0006-1.jpg 1365w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><p id=\"caption-attachment-3457\" class=\"wp-caption-text\">Heimkehrende Helden sehen anders aus.<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ohne dies verallgemeinern zu wollen, scheint es doch so zu sein, dass eine gro\u00dfe Zahl der demobilisierten Soldaten Ende 1918\/Anfang 1919 nicht mit ihren Einheiten zur\u00fcckkehrten. Bei Kriegsende war der gr\u00f6\u00dfte Wunsch der meisten Soldaten, sofort nach Hause zu kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend manche Einheiten halbwegs geordnet nach Deutschland zur\u00fcckkehrten &#8211; schlie\u00dflich war es f\u00fcr viele der schnellste Weg in die Heimat &#8211; machten sich die Soldaten h\u00e4ufig alleine auf den Weg, sobald sie die deutsche Grenze \u00fcberquert hatten. Das hatte mit der landl\u00e4ufigen Auffassung von der triumphalen Heimkehr der Helden wenig gemeinsam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-3458\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/mm-002-1024x345.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"216\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/mm-002-1024x345.jpg 1024w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/mm-002-300x101.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei den Menschen, die zu Hause auf die Heimkehrer warteten, mischten sich Patriotismus und Schuldgef\u00fchle. Sie hatten ja den Krieg in der relativen Sicherheit des Reiches erlebt, w\u00e4hrend die Soldaten zu hunderttausenden an der Front get\u00f6tet wurden. Die Zivilisten wollten nun keineswegs vers\u00e4umen, die heimkehrenden Soldaten als Helden willkommen zu hei\u00dfen. Die St\u00e4dte und Gemeinden bem\u00fchten sich um angemessene \u00f6ffentliche Dankbarkeitsbezeugungen. Das Problem lag aber eher auf Seiten der Soldaten. Ein gro\u00dfer Teil der Helden war einfach nicht erschienen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und was ist nun aus der Mobilmachung geworden, die besagter E. Schuster den Frauen empfohlen hatte? Bereits im Januar 1916 gab es dazu in der Frankfurter Zeitung den Verriss eines Rezensenten, der sp\u00f6ttisch heimkehrende Krieger davor warnte, E. Schusters Machwerk zu lesen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Nur unserer Bef\u00fcrchtung m\u00f6chten wir Ausdruck verleihen, da\u00df unsere tapferen Feldgrauen nie freiwillig in die Heimat zur\u00fcckkehren werden, wenn ein solch gem\u00fctvoller Empfang ihrer harrt. Alle Schrecknisse des Trommelfeuers m\u00fcssen ihnen harmlos erscheinen gegen die Barbarei dieses Angriffs.<\/em><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Heimkehrer Afghanistan K\u00f6ln 6.2.2012\" width=\"640\" height=\"360\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Z4i10GgNgr0?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: 14pt;\"><strong>Quellen<\/strong><\/span><em><br \/>\n<a href=\"https:\/\/books.google.de\/books?id=r0YRm2hxCN0C&amp;pg=PA34&amp;lpg=PA34&amp;dq=e.+schuster+mobilmachung+deutschen+frau&amp;source=bl&amp;ots=FH38MMomiV&amp;sig=QmwUWWgmlswtBrRrhh8vnc9rqP8&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ved=0ahUKEwiKuJvinb_TAhXDQBQKHd7LA8wQ6AEIKTAA#v=onepage&amp;q=e.%20schuster%20mobilmachung%20deutschen%20frau&amp;f=false\">https:\/\/books.google.de\/books?id=r0YRm2hxCN0C&amp;pg=PA34&amp;lpg=PA34&amp;dq=e.+schuster+mobilmachung+deutschen+frau&amp;source=bl&amp;ots=FH38MMomiV&amp;sig=QmwUWWgmlswtBrRrhh8vnc9rqP8&amp;hl=de&amp;sa=X&amp;ved=0ahUKEwiKuJvinb_TAhXDQBQKHd7LA8wQ6AEIKTAA#v=onepage&amp;q=e.%20schuster%20mobilmachung%20deutschen%20frau&amp;f=false<\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Richard Bessel, Die Heimkehr der Soldaten, Das Bild der Frontsoldaten in der \u00d6ffentlichkeit der Weimarer Republik, 200<em>9 in:<\/em> <a href=\"http:\/\/www.erster-weltkrieg.clio-online.de\/_Rainbow\/documents\/keiner%20f%C3%BChlt%20sich%202\/bessel.pdf\">http:\/\/www.erster-weltkrieg.clio-online.de\/_Rainbow\/documents\/keiner%20f%C3%BChlt%20sich%202\/bessel.pdf<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Erste Weltkrieg ist auch heute noch eine eintr\u00e4gliche Handelsware. Bei ebay z.B. werden tausende von Feldpostkarten angeboten, die K\u00e4ufer bieten, \u00fcberbieten und kaufen f\u00fcr horrende Summen kostbare Einzelst\u00fccke, aber auch das billige St\u00fcck f\u00fcr einen Euro. 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