{"id":3288,"date":"2017-02-28T19:17:55","date_gmt":"2017-02-28T18:17:55","guid":{"rendered":"http:\/\/win2014.de\/?p=3288"},"modified":"2019-10-07T21:39:46","modified_gmt":"2019-10-07T19:39:46","slug":"rathenau-mein-gott-walther","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/win2014.de\/?p=3288","title":{"rendered":"Rathenau &#8211; mein Gott, Walther!"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\" wp-image-3289 alignleft\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/B-1952-M\u00e4nner-aus-der-Geschichte-6-Pf.-Walther-Rathenau-MiNr.-93-257x300.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"117\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/B-1952-M\u00e4nner-aus-der-Geschichte-6-Pf.-Walther-Rathenau-MiNr.-93-257x300.jpg 257w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/B-1952-M\u00e4nner-aus-der-Geschichte-6-Pf.-Walther-Rathenau-MiNr.-93.jpg 720w\" sizes=\"(max-width: 100px) 100vw, 100px\" \/>In diesem Jahr j\u00e4hrt sich Walther Rathenaus Geburtstag zum 150. Mal. Schon jetzt bereitet man sich in Berlin auf dieses Ereignis am 29. September vor. Es wird eine Sonderbriefmarke geben, es wird Feierlichkeiten, Festreden und einen gewaltigen Medienrummel geben. Den Anfang machten jetzt im Januar die Kommunalvertreter in Treptow-K\u00f6penick:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Die Bezirksverordnetenversammlung wird ersucht, anl\u00e4sslich des 150. Geburtstages das Leben und Wirken des Industriellen, Schriftstellers und Politikers Dr. Walther Rathenau (1867-1922) hinsichtlich seines Lebenswerkes und seiner Arbeit im Bezirk mit geeigneten Veranstaltungsformen zu w\u00fcrdigen.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rathenau mit geeigneten Veranstaltungsformen w\u00fcrdigen? Gibt es auch ungeeignete? <!--more weiterlesen--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Angela Merkel hat 2014 Rathenaus Pers\u00f6nlichkeit und sein Wirken eindrucksvoll oder sozusagen geeignet gew\u00fcrdigt und in wenigen\u00a0 S\u00e4tzen auf den Punkt gebracht. Das war am 21. November 2014 anl\u00e4sslich der Verleihung des Walther-Rathenau-Preises an den Ministerpr\u00e4sidenten des K\u00f6nigreichs der Niederlande, Mark Rutte:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Walther Rathenau steht exemplarisch f\u00fcr die Ambivalenzen, die die Zeit zwischen beiden Kriegen gepr\u00e4gt haben. Einerseits war er als junger Industrieller an der deutschen R\u00fcstungsproduktion im Ersten Weltkrieg beteiligt. Andererseits vertrat Rathenau sp\u00e4ter als Au\u00dfenminister der Weimarer Republik eine Politik, die auf Verst\u00e4ndigung und friedlichen Interessenausgleich ausgerichtet war, und hatte dahingehend viele Visionen entwickelt.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Das war in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg alles andere als selbstverst\u00e4ndlich. Revanchistisches und radikales Gedankengut waren weit verbreitet. Rathenau wurde aufgrund seiner Haltung, aber auch als namhafter Vertreter des j\u00fcdischen B\u00fcrgertums von vielen Landsleuten angefeindet. 1922 ermordeten ihn rechtsradikale Extremisten. Ihre Tat war ein Vorzeichen der f\u00fcrchterlichen Jahre, die alsbald folgen sollten. Doch Walther Rathenaus Tod l\u00f6ste eine \u00fcberw\u00e4ltigende Anteilnahme in der Bev\u00f6lkerung aus, denn mit seiner beredten und zupackenden Art verstand er es wie kaum ein Zweiter, in schwierigen Zeiten Hoffnung zu vermitteln.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nochmal die Frage: Rathenau mit geeigneten Veranstaltungsformen w\u00fcrdigen? Gibt es auch ungeeignete? Zumindest darf man gespannt sein, ob auch eine der etwas dunkleren Seiten im Leben Walther Rathenaus ausgebreitet und diskutiert wird &#8211; seine \u00fcber Jahre hinaus enge Freundschaft zu einem gewissen Wilhelm Schwaner. Wollte man aus dieser ungew\u00f6hnlichen Freundschaft einen Dokumentarfilm machen, w\u00fcrde man das Drehbuch f\u00fcr Fiktion halten. Aber die Fakten sind Fakten: Dieser Wilhelm Schwaner war Judenhasser, Nationalist und Deutscht\u00fcmler und war \u00fcber Jahre ein enger Freund Walther Rathenaus. Pl\u00f6tzlich ist man in einer unglaublichen Geschichte, die man so nicht f\u00fcr m\u00f6glich halten kann. Wer war dieser Wilhelm Schwaner?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So ganz unbekannt und unscheinbar scheint Wilhelm Schwaner nicht gewesen zu sein. \u00dcber ihn gibt es einen l\u00e4ngeren Wikipedia-Eintrag und in den zahlreichen Biografien \u00fcber Rathenau wird diese Freundschaft ausf\u00fchrlich dargestellt. Sogar der Briefwechsel zwischen diesen beiden so unterschiedlichen Menschen ist ver\u00f6ffentlicht: <em>Walther Rathenau\/Wilhelm Schwaner: Eine Freundschaft im Widerspruch. Der Briefwechsel<\/em> <em>1913-1922.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-3297 alignleft\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Schwaner.jpg\" alt=\"\" width=\"181\" height=\"278\" \/>Walther Rathenau schrieb einmal, nach dem Tod des Bruders und des Vaters habe er nie wieder einen richtigen Freund gehabt. Aber das stimmte nur halb. Einen Freund hatte Walther allerdings, und das war Wilhelm Schwaner. Aber es musste eine Freundschaft im Verborgenen bleiben. \u00dcber Rathenaus Motive, sich ausgerechnet einen v\u00f6lkischen Freund zu suchen wurde vielfach spekuliert. War die Freundschaft Ausdruck einer verborgenen homosexuellen Sehnsucht oder gar einer tats\u00e4chlich gelebten Beziehung? Sicherlich wird es im Herbst neue Biografien \u00fcber Rathenau geben, die das R\u00e4tsel dieser Beziehung versuchen werden zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3298 alignleft\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/592136376-231x300.jpg\" alt=\"\" width=\"286\" height=\"371\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/592136376-231x300.jpg 231w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/592136376.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 286px) 100vw, 286px\" \/>Wilhelm Schwaner war so etwas wie ein v\u00f6lkischer Schriftsteller. Eigentlich war er Lehrer, verlie\u00df aber 1894 den ungeliebten Schuldienst, nachdem er sich mehrfach mit der Schulbeh\u00f6rde angeleg hatte. Darauf wurde er in Kiel Redakteur beim General-Anzeiger. Hier trieb er seine Beleidigungen gegen \u00a0einen Schulrat so weit, dass er f\u00fcr drei Monate ins Gef\u00e4ngnis kam. Das hat ihn wohl noch mehr gegen die bestehenden Verh\u00e4ltnisse aufgebracht. Schwaner machte sich schlie\u00dflich selbstst\u00e4ndig. Er gr\u00fcndete 1897 die Zeitschrift <em>Der Volkserzieher. Blatt f\u00fcr Familie, Schule und \u00f6ffentliches Leben <\/em>und ver\u00f6ffentlichte darin seine Ideen, um das deutsche Volk auf den richtigen Weg zu bringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deutschlandweit bekannt wurde er ab 1904 durch sein Buch <em>Germanenbibel,<\/em> eine Sammlung v\u00f6lkischer Texte. Das Werk erreichte bis in die 30er Jahre hohe Auflagenzahlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWilm\u00ab Schwaner, wie er sich nannte, war ein strammer Rechter, der die Juden hasste und ihnen in seinen Hetzartikeln die Schuld am Elend des Germanentums gab, bis&#8230;, &#8211; ja, bis er eines Tages ein Buch von Walther Rathenau in den H\u00e4nden hatte. Er hatte sein neuestes Buch <em>Zur Kritik der Zeit<\/em> gelesen, das 1912 erschienen war. Schwaner war sofort Feuer und Flamme und hellauf begeistert. Seine Euphorie gipfelte in dem jubelnden Satz: <em>\u00bbDer dunkle Jude hat den blau-blonden Germanen erl\u00f6st!\u00ab<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schwaner, der blau-blonde Germane, verga\u00df alle seine Vorurteile gegen\u00fcber den Juden und ging aufs Ganze. Er schrieb voller Gef\u00fchlsduselei einen Brief an Rathenau, den dunklen Juden. Als Rathenau am 3. Dezember 1913 diesen seltsamen Brief erhielt, war er ebenfalls sofort \u00fcberw\u00e4ltigt und antwortete umgehend. Er schickte Schwaner au\u00dferdem sein neuestes Buch <em>Die Mechanik des Geistes<\/em>. Es war der Beginn einer sonderbaren Freundschaft.\u00a0Was ging da zwischen diesen beiden M\u00e4nnern vor sich?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schwaner war vier Jahre \u00e4lter als Rathenau und, als sie sich kennen lernten, 50 Jahre alt. Zwei alte &#8211; sagen wir mal &#8211; gesetzte \u00e4ltere Herren kennen sich nur durch ein paar Briefe und fliegen sofort aufeinander. Es dauert nur wenige Wochen, bis sie sich treffen. Rathenau l\u00e4dt Schwaner ein, mit ihm zu essen. Ausgerechnet er, der seine zahlreichen Bewunderer zwar flei\u00dfig mit Briefen versorgte, sie sich aber sonst weitgehend vom Leibe hielt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\" wp-image-3304 alignleft\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/41v-7rXJ8lL._SX310_BO1204203200_-188x300.jpg\" alt=\"\" width=\"174\" height=\"278\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/41v-7rXJ8lL._SX310_BO1204203200_-188x300.jpg 188w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/41v-7rXJ8lL._SX310_BO1204203200_.jpg 312w\" sizes=\"(max-width: 174px) 100vw, 174px\" \/>Beide gehen gleich auf Tuchf\u00fchlung. Eine tiefe, unerkl\u00e4rliche Anziehungskraft entsteht zwischen diesen beiden ungleichen M\u00e4nnern. Wolfgang Brenner schreibt dazu in seiner Biografie \u00fcber Walther Rathenau:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Schwaner kam zu Rathenau, sie duzten sich sofort &#8211; und sie liebten sich. Das gibt es. Das gibt es vielleicht gerade dann, wenn die Dinge so schwierig liegen wie hier. Beide waren im Grunde verschlossene Menschen, beide waren mi\u00dftrauisch, beide waren einsam. Schwaner schrieb nach dem ersten Rendezvous: \u00bbHast Du mich lieb? Ich habe Dich lieb. Ich habe Dich sehr lieb!\u00ab<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dar\u00fcber kann man lange spekulieren, was f\u00fcr eine Art Liebe zwischen den beiden entstanden ist. Auch aus dem inzwischen edierten Briefwechsel wird man nicht schlauer. Wolfgang Brenner schreibt in seiner spannenden Biografie v\u00f6llig unbelastet \u00fcber m\u00f6gliche Motive. Auch beim Thema Homosexualit\u00e4t zeigt Brenner keine Scheu, ohne allerdings Beweise zu liefern. Brenner versucht das Ganze aus Rathenaus gesamten Charakterkonstellation zu verstehen. Hier ein paar Textpassagen aus seinem Kapitel <em>Der geliebte Feind:<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Man beschlo\u00df spontan, sich immer unter vier Augen zu sehen. Warum? Weil beide wu\u00dften, da\u00df ihre jeweiligen Freunde wenig Verst\u00e4ndnis f\u00fcr diese Liaison haben w\u00fcrden. Weil beide wu\u00dften, da\u00df ein Dritter, wenn er sie einander wie pubertierende J\u00fcnglinge anschw\u00e4rmen h\u00f6rte, ihr Verh\u00e4ltnis falsch &#8211; oder noch schlimmer: richtig verstehen w\u00fcrde. Schwaner wird so deutlich, da\u00df es einem den Atem verschl\u00e4gt angesichts dieser beschleunigten Ann\u00e4herung, die eigentlich nur in einer Katastrophe enden kann: \u00bbKannst und willst Du nach diesem Briefe doch zu mir kommen, so komme in der Nacht und sag&#8217;s mir vorher.\u00ab<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Das hat auch praktische Gr\u00fcnde: Schwaner will mit Rathenau die Sterne beobachten und aus ihnen lesen. Aber der Ton verhei\u00dft mehr als nur Astrologisches. Heute mutet das halsbrecherisch an &#8211; auf dem Briefkopf prangen zwei Hakenkreuze.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-3305\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/exlibris_9052-700x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"936\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/exlibris_9052-700x1024.jpg 700w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/exlibris_9052-205x300.jpg 205w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/exlibris_9052.jpg 2023w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Schwaner h\u00e4lt dem j\u00fcdischen Freund gegen\u00fcber nicht mit seiner politischen \u00dcberzeugung hinterm Berg. Er prahlt mit der hohen Zahl seiner Anh\u00e4nger: 10 000 bis 12 000. \u00dcberhaupt ist es nicht Rathenau, der darauf dr\u00e4ngt, noch inniger zu werden, sich noch n\u00e4her zu kommen. Schwaner schl\u00e4gt allen Ernstes vor, Rathenau solle zu ihm ins Svantehus nach Hermannstein bei Waldeck ziehen. Dabei ist er ein gestandener Familienvater. Zum ersten Mal reagiert Walther etwas reserviert: Er m\u00fcsse schlie\u00dflich das Werk seines Vaters weiterf\u00fchren. Das konnte man nicht vom Svantehus aus.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Daf\u00fcr ist Rathenau jederzeit bereit, dem Freund unter die Arme zu greifen. Er schickt ihm 3000 Mark f\u00fcr die teure Feldverschickung des Volkserziehers und anderer Propagandamaterialien. Immerhin deklariert Rathenau seine wiederholten Geldzuwendungen als pure Liebesdienste: \u00bbF\u00fcr Dich pers\u00f6nlich, denn Dein Werk ist nicht mein Werk\u00ab<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Rathenau war der alte geblieben &#8211; er hatte nur endlich jemanden gefunden, bei dem er keinerlei emotionale Vorbehalte versp\u00fcrte. Da war ein Mensch nach seinem Geschmack, geradlinig und gef\u00fchlvoll. Man kann das verstehen. Doch der Freund war auch einer, der mit Rathenaus Feinden politisch aufs engste verkehrte &#8211; das ist weniger gut nachzuvollziehen. Man sollte Walther zugestehen, was man jedem Teenager zugesteht: da\u00df Liebe blind macht.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Blind muss Rathenau auf jeden Fall gewesen sein, als er mitten im Krieg Schwaners neuestes Machwerk in den H\u00e4nden hielt. Mit dem viel- und nichtssagenden Titel \u201eTodtrotzend k\u00e4mpfen!&#8220; erschien diese 96 Seiten lange Brosch\u00fcre 1916 in Schwaners Kriegsb\u00fcchern aus Upland. Auf dem Titelblatt ist eine Vignette abgebildet mit einem Adler und einem Hakenkreuz, allerdings spiegelverkehrt.<\/p>\n<div id=\"attachment_3306\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3306\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3306 size-large\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/tottr-705x1024.jpg\" width=\"640\" height=\"930\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/tottr-705x1024.jpg 705w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/tottr-206x300.jpg 206w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/tottr.jpg 1523w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><p id=\"caption-attachment-3306\" class=\"wp-caption-text\">Erschienen 1916<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beim ersten Durchbl\u00e4ttern steht das Urteil fest: Es ist eine weitere Hetzschrift allererster G\u00fcte gegen s\u00e4mtliche Feinde innen und au\u00dfen. In einer geifernden Sprache, die ihr Vokabular aus der H\u00f6lle bezogen hat. H\u00e4tte das nicht Rathenau endg\u00fcltig die Augen \u00f6ffnen m\u00fcssen, um sich von Schwaner endg\u00fcltig zu trennen? Um es vorweg zu nehmen: Die Beziehung zu Schwaner hielt bis zu Rathenaus Tod.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vielleicht hat ein Satz im Vorwort den Patrioten und Vision\u00e4r Rathenau eingelullt. Schwaner schreibt: <em>Wenn nicht mehr auf jeden Feldpostbrief und jede Feldpostkarte besonders geantwortet wird: denkt daran, da\u00df wie Ihr drau\u00dfen f\u00fcr uns schafft, wir hier daheim f\u00fcr Euch sorgen und arbeiten; wir wollen Euch ein Neues Reich zeigen, wenn Ihr wiederkommt!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber schon der erste Beitrag mit dem Titel <em>Der Hammer der Welt<\/em> ist so grauenvoll und ekelhaft geschrieben. Rathenau, selber ein brillanter Formulierer in stets austarierter Sprachdiktion, kriegt es hier um die Ohren. Die Rede ist vom zigeunerhaften Schweinem\u00e4ster- und K\u00f6nigsm\u00f6rdervolk Serbien, von Schmarotzern, Satanskultur, von blutigen Henkern, Donnerhall, Brandreden, vom Blut, das verspritzt wird, von Friedensges\u00e4usel, Brutnestern und Schwerthieben gegen den Feind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Deutschland ist ein einziges gro\u00dfes Kriegslager geworden. Im Osten hebt das stiere Ungeheuer seine ungeschlachten Pranken, und im Westen arbeitet es gegen uns mit den modernsten Errungenschaften seiner Satanskultur. Und auch vom Norden und Nordwesten her hetzt es mit anderen H\u00f6llenhunden gegen uns an, die wir bisher f\u00fcr Vettern und Br\u00fcder hielten. [ ] Wir sind es m\u00fcde, der Ambos Europas zu sein &#8211; jetzt werden wir, was die alten Germanen waren, der Hammer der Welt.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie mag wohl Rathenau den n\u00e4chsten Satz verstanden haben?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Denn der Krieg ist ja nicht eine Auslese der Starken f\u00fcrs Leben, sondern der Schwachen und Minderwertigen. Nur die wertvollen Alten, die ganz Jungen bleiben \u00fcbrig und die Frauen. Und es dauert Jahrzehnte und vielleicht Jahrhunderte, bis die Folgen eines gro\u00dfen Krieges rassenm\u00e4\u00dfig wieder ausgeglichen sind.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Beziehung zu Schwaner hielt, wie gesagt, bis zu Rathenaus Tod &#8211; wenn sie auch nicht mehr so intensiv war wie am Anfang. Sie war wohl eine der wenigen Konstanten in Rathenaus Leben und nicht den Schwankungen und Br\u00fcchen unterworfen, die in seinem Leben sonst vorherrschten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man darf gespannt sein, ob diese Geschichte zwischen Rathenau und Schwaner auch im Herbst Thema sein wird, wenn Rathenaus 150. Geburtstag gefeiert wird. Berlin und Brandenburg bereiten sich schon jetzt darauf vor \u2013 nicht nur die Kommunalpolitiker in Treptow-K\u00f6penick.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da passt es so gar nicht ins Bild, dass in Bad Freienwalde im November 2016 eine Walther-Rathenau-Dauer-Ausstellung f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit geschlossen wurde. Verstehen kann man das nur, wenn man wei\u00df, dass diese Ausstellung in einem feinen Hohenzollernschl\u00f6sschen untergebracht ist, das Walther Rathenau im Jahre 1909 erworben hatte. Zu hohe Kosten f\u00fcr die Stadt, den Landkreis und das Land Brandenburg? 300.000 Euro laufenden Kosten j\u00e4hrlich standen \u00fcber Jahre nur ca. 10.000 Euro Einnahmen gegen\u00fcber. Wie mag es wohl weitergehen? Hat der Bund vielleicht Interesse oder sogar die Verpflichtung, das Erbe dieses au\u00dfergew\u00f6hnlichen Au\u00dfenministers zu bewahren?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-3349\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/MG_7400-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"427\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/MG_7400-1024x683.jpg 1024w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/MG_7400-300x200.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rathenau verbrachte in seinem Schloss in Freienwalde \u00fcber zehn Jahre seinen Sommeraufenthalt. Es wurde f\u00fcr Rathenau zu dem Ort, an dem er mit Widerspr\u00fcchen in sich leben und umgehen konnte. Dort schrieb er, dorthin lud seine engsten Mitarbeiter und literarischen Freunde ein. Gerhart Hauptmann war da, Carl Sternheim war da und viele andere.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Schluss noch einmal die Frage: <em>Rathenau mit geeigneten Veranstaltungsformen w\u00fcrdigen? Gibt es auch ungeeignete?<\/em> Jetzt gibt es aus Bad Freienwalde eine Antwort darauf. Der Ausschuss f\u00fcr Kurstadtentwicklung und Tourismus hat am 9. M\u00e4rz den Vorschlag abgelehnt, einen Erinnerungsstein im Kurpark aufzustellen, um an das Treffen von Walther Rathenau und dem Schriftsteller Gerhart Hauptmann im April 1914 zu erinnern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ausschussmitglieder lehnten die Idee \u00fcberwiegend ab. Er erkenne keine Bedeutung in dem historischen Ereignis, sagte der Ausschussvorsitzender Joachim Rau (Linke). Es sei bereits ein Stein f\u00fcr Louis Henri Fontane, dem Vater von Theodor Fontane, geplant. Er k\u00f6nne sich nicht damit anfreunden, \u00fcberall einen Stein aufzustellen, wo etwas Bedeutendes stattgefunden habe, so der Stadtverordnete. Recht hat er.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial,helvetica,sans-serif;\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-3313\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Todtr_0001-1024x800.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"500\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Todtr_0001-1024x800.jpg 1024w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Todtr_0001-300x234.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/> <img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-3314\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Todtr_0002.jpg\" alt=\"\" width=\"2855\" height=\"2221\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Todtr_0002.jpg 2855w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Todtr_0002-300x233.jpg 300w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Todtr_0002-1024x797.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 2855px) 100vw, 2855px\" \/> <img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-3315\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Todtr_0003.jpg\" alt=\"\" width=\"2881\" height=\"2224\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Todtr_0003.jpg 2881w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Todtr_0003-300x232.jpg 300w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Todtr_0003-1024x790.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 2881px) 100vw, 2881px\" \/> <img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-3316\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Todtr_0004.jpg\" alt=\"\" width=\"2855\" height=\"2224\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Todtr_0004.jpg 2855w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Todtr_0004-300x234.jpg 300w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Todtr_0004-1024x798.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 2855px) 100vw, 2855px\" \/> <img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-3317\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Todtr_0005.jpg\" alt=\"\" width=\"2872\" height=\"2210\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Todtr_0005.jpg 2872w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Todtr_0005-300x231.jpg 300w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Todtr_0005-1024x788.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 2872px) 100vw, 2872px\" \/><\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"font-size: 14pt; font-family: arial,helvetica,sans-serif;\">Quellen<\/span><\/strong><br \/>\nWalther Rathenau\/Wilhelm Schwaner, Eine Freundschaft im Widerspruch, Der Briefwechsel 1913-1922, Verlag f\u00fcr Berlin-Brandenburg, 2008, (Herausgeber Gregor Hufenreuter und Christoph Kn\u00fcppel)<\/p>\n<p>Wolfgang Brenner, Rathenau, Deutscher und Jude, M\u00fcnchen, 2005<\/p>\n<p>Wilhelm Schwaner, Todtrotzend k\u00e4mpfen!, Verlag Neudeutschland, Potsdam, 1916<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wilhelm_Schwaner\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wilhelm_Schwaner<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/archive.org\/details\/zurkritikderzeit00rathuoft\">https:\/\/archive.org\/details\/zurkritikderzeit00rathuoft<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/patriot-und-visionaer\/6788586.html\">http:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/patriot-und-visionaer\/6788586.html<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.schloss-freienwalde.de\/\">http:\/\/www.schloss-freienwalde.de\/<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/www.rbb-online.de\/studiofrankfurt\/beitraege\/2016\/12\/schloss-bad-freienwalde-bleibt-geschlossen.html\">http:\/\/www.rbb-online.de\/studiofrankfurt\/beitraege\/2016\/12\/schloss-bad-freienwalde-bleibt-geschlossen.html<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.moz.de\/artikel-ansicht\/dg\/0\/1\/1558410\">http:\/\/www.moz.de\/artikel-ansicht\/dg\/0\/1\/1558410<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Jahr j\u00e4hrt sich Walther Rathenaus Geburtstag zum 150. Mal. Schon jetzt bereitet man sich in Berlin auf dieses Ereignis am 29. September vor. Es wird eine Sonderbriefmarke geben, es wird Feierlichkeiten, Festreden und einen gewaltigen Medienrummel geben. 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