{"id":3011,"date":"2016-11-07T15:28:05","date_gmt":"2016-11-07T14:28:05","guid":{"rendered":"http:\/\/win2014.de\/?p=3011"},"modified":"2020-12-09T11:04:57","modified_gmt":"2020-12-09T10:04:57","slug":"eine-frage-der-hygiene","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/win2014.de\/?p=3011","title":{"rendered":"Eine Frage der Hygiene"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-3013\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Baden-bei-Reims-1024x648.jpg\" alt=\"baden-bei-reims\" width=\"640\" height=\"405\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Baden-bei-Reims-1024x648.jpg 1024w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Baden-bei-Reims-300x190.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/>Zu den t\u00e4glichen Pflichten eines Soldaten geh\u00f6rte seit alters her die Reinigung seines Gewehrs. Die Selbstreinigung war eher zweitrangig oder kaum m\u00f6glich. An der Front gab es keine Badewannen, Duschen oder Waschbecken. Wasser, wenn es \u00fcberhaupt in der N\u00e4he war, war zum Trinken da. Manchmal hatte man Gl\u00fcck und es war ein Fluss in der N\u00e4he.<br \/>\nDiese f\u00fcnf M\u00e4nner \u2013 so steht es auf der R\u00fcckseite des Fotos \u2013 haben sich im Mai 1917 bei Reims in die Fluten der Vesle geworfen. Ob freiwillig oder weil der Hauptmann es befohlen hat, bleibt ungewiss. Reinigung oder Vergn\u00fcgen? Ganz gl\u00fccklich sehen sie dabei nicht aus. Ob sie \u00fcberhaupt schwimmen k\u00f6nnen? Sie stehen etwas unsicher und fremdelnd im Wasser. Wasser &#8211; das war an der Front oft etwas Bedrohliches, vielleicht sogar der schlimmste Feind des Soldaten.<!--more weiterlesen--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei Regen verwandelten sich die Sch\u00fctzengr\u00e4ben in Kloaken voller Schlamm. Man hockte auf engstem Raum zusammen. Es gab kein Wasser zum Waschen, die Unterw\u00e4sche konnte nicht gewechselt werden. Wichtiger war es, das Gewehr t\u00e4glich sauber zu halten. Parasiten, vor allem Fl\u00f6he, und Ratten kamen bedrohlich n\u00e4her. Nur in Kampfpausen konnten die Soldaten sich hinter der Front waschen und Unterw\u00e4sche und Kleidung in Ordnung bringen. Man hatte zwar geahnt, was auf die Soldaten zukommen w\u00fcrde. Aber die Folgen zahlreicher Schlammschlachten wurden nicht bedacht.<br \/>\nDabei hatte man sich doch so gr\u00fcndlich auf den Krieg vorbereitet. Monate bevor in Sarajevo die ersten Sch\u00fcsse fielen, wurden in deutschen St\u00e4dten viele Schulen, Theater und Turnhallen in Lazarette umgewandelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-3025\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/18-6-jpg-data-1.jpg\" alt=\"18-6-jpg-data\" width=\"1297\" height=\"1024\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/18-6-jpg-data-1.jpg 1297w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/18-6-jpg-data-1-300x237.jpg 300w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/18-6-jpg-data-1-1024x808.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 1297px) 100vw, 1297px\" \/> Nicht nur Kanonen, U-Boote und Flugzeuge wurden gebaut. Auch die medizinische Versorgung entsprach den modernsten Erkenntnissen. Die \u00c4rzte waren gut ausgebildet und auf dem Stand ihrer Zeit, und das Deutsche Rote Kreuz verf\u00fcgte 1914 bei Kriegsbeginn \u00fcber 5.000 ausgebildete Schwestern, 1.000 Hilfsschwestern und unz\u00e4hlige Helferinnen bei den Frauenvereinen.<br \/>\nIn Heidelberg wurden bereits im Mai 1914 die Schulen auf ihre Eignung f\u00fcr die Aufnahme von Verwundeten gepr\u00fcft. Mit 6500 Lazarettbetten verwandelte sich die Stadt am Neckar in ein Gro\u00dfklinikum mit Gleisanschluss an die westlichen Fronten. Die Universit\u00e4tsklinik lag unmittelbar neben dem Hauptbahnhof, zahlreiche Hotels boten zus\u00e4tzliche Unterbringungsm\u00f6glichkeiten. Alles war akribisch geplant.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00c4hnlich war es in Hamburg. Hier wurde gleich zu Kriegsbeginn in der N\u00e4he des Hauptbahnhofs ein Geb\u00e4ude des Klosters St. Johannes (Klosterwall\/Lange M\u00fchren) als \u00dcbernachtungsstation des Roten Kreuzes benutzt, so kann man es im Hamburger Kriegsbuch von 1916 lesen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wie segensreich die \u00dcbernachtungsstation gewirkt hat, geht aus dem Berichte des Hamburgischen Landesvereins vom Roten Kreuz hervor, dem zufolge in der Zeit vom 1. September 1914 bis zum 31. Dezember 1915 in der \u00dcbernachtungsstation, in der 239 Betten zur Verf\u00fcgung standen, 39 499 Soldaten, 15 607 Verwundeten, 637 Kriegsfreiwilligen und 1358 Fl\u00fcchtlingen kostenlos Unterkunft gew\u00e4hrt werden konnte.<\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_3019\" style=\"width: 949px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3019\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3019 size-full\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/fluechtlingshilfe-am-hamburger-hauptbahnhof.jpg\" alt=\"fluechtlingshilfe-am-hamburger-hauptbahnhof\" width=\"939\" height=\"470\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/fluechtlingshilfe-am-hamburger-hauptbahnhof.jpg 939w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/fluechtlingshilfe-am-hamburger-hauptbahnhof-300x150.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 939px) 100vw, 939px\" \/><p id=\"caption-attachment-3019\" class=\"wp-caption-text\">Hamburg Hauptbahnhof, Dezember 2015<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unwillk\u00fcrlich muss man an die Situation genau 100 Jahre sp\u00e4ter denken, als im Dezember 2015 bis zu 2 500 Fl\u00fcchtlinge t\u00e4glich am Hamburger Hauptbahnhof ankamen und von Ehrenamtlichen versorgt wurden. Allerdings mussten 1915 die ankommenden Soldaten und Fl\u00fcchtlinge nicht wie die Fl\u00fcchtlinge in Zelten \u00fcbernachten, sondern es wurde kurzerhand ein Hotel daf\u00fcr beschlagnahmt. Das Hotel Gro\u00dfherzog von Mecklenburg stand an der Ecke Steinstra\u00dfe\/Lange M\u00fchren. Damals hie\u00df diese Stelle noch Schweinemarkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Da das ehemalige St. Johanneskloster f\u00fcr Staatszwecke in Anspruch genommen werden mu\u00dfte, sah sich das Roten Kreuz vor die Notwendigkeit gestellt, die \u00dcbernachtungsstation in ein anderes Geb\u00e4ude zu verlegen.<\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_3018\" style=\"width: 561px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3018\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3018 size-full\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Lithographie-Hamburg-Hotel-zum-Grossherzog-von-Mecklenburg-v-P-Kern-Steinstrasse-4-8-Schweinemarkt-Dampfer.jpg\" alt=\"lithographie-hamburg-hotel-zum-grossherzog-von-mecklenburg-v-p-kern-steinstrasse-4-8-schweinemarkt-dampfer\" width=\"551\" height=\"343\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Lithographie-Hamburg-Hotel-zum-Grossherzog-von-Mecklenburg-v-P-Kern-Steinstrasse-4-8-Schweinemarkt-Dampfer.jpg 551w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Lithographie-Hamburg-Hotel-zum-Grossherzog-von-Mecklenburg-v-P-Kern-Steinstrasse-4-8-Schweinemarkt-Dampfer-300x187.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 551px) 100vw, 551px\" \/><p id=\"caption-attachment-3018\" class=\"wp-caption-text\">Hotel Gro\u00dfherzog von Mecklenburg an der Steinstra\u00dfe<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>F\u00fcr die Zwecke der \u00dcbernachtungsstation wurde seitens des Staates das ehemalige Hotel Gro\u00dfherzog von Mecklenburg am Schweinemarkt \u00fcberwiesen. In sehr kurzer Zeit wurde das Hotel im Erdgescho\u00df und in seinen vier Stockwerken f\u00fcr die Zwecke der \u00dcbernachtungsstation in gastlicher und freundlicher Weise hergerichtet; s\u00e4mtliche R\u00e4ume wurden gr\u00fcndlich desinfiziert, zum Teil neu tapeziert und gemalt, mit zweckentsprechenden M\u00f6beln ausgestattet und ist nun seit August 1916 dem Betrieb \u00fcbergeben.<\/em><br \/>\n<em> Im Erdgescho\u00df befindet sich ein ger\u00e4umiger Schlafsaal mit etwa 20 Betten, der in der Hauptsache zur Aufnahme von Verwundeten bestimmt ist, denen das Treppensteigen Schwierigkeiten macht. Die oberen Zimmer des Hotels sind fast durchg\u00e4ngig mit zwei bis drei Betten belegt. In allen Stockwerken befinden sich sehr praktisch angebrachte Wascheinrichtungen, und so k\u00f6nnen auch in der neuen \u00dcbernachtungsstation jede Nacht 300 Soldaten oder Verwundete bequem untergebracht werden, statt da\u00df sie, wie es vielfach sonst der Fall ist, die N\u00e4chte in Wartes\u00e4len zubringen m\u00fcssen. Die g\u00fcnstige Lage der \u00dcbernachtungsstation in unmittelbarer N\u00e4he des Hauptbahnhofs l\u00e4\u00dft erwarten, da\u00df die segensreiche Einrichtung dieser vom Roten Kreuz geschaffenen Station sich auch in den neuen R\u00e4umen in gleicher Weise bew\u00e4hren wird.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 (Hamburger Kriegsbuch 1916)<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das klingt alles sehr sch\u00f6n &#8211; fast paradiesische Zust\u00e4nde f\u00fcr Verwundete in diesem Hamburger Hotel. Vielleicht hatten die Soldaten es hier sogar angenehmer als zu Hause. Denn dort konnte man sich auf dem Lande und in der Stadt morgens h\u00f6chstens notd\u00fcrftig waschen, meistens mit kaltem Wasser aus der Pumpe. Nur wenige st\u00e4dtische Haushalte hatten zwischen den Etagen ein Wasserklosett, ansonsten befand sich ein Plumpsklo im Hof. Einmal in der Woche oder alle 14 Tage wurde gebadet, zumeist stand eine Zinkbadewanne in der Waschk\u00fcche, die Wanne langsam mit hei\u00dfem Wasser gef\u00fcllt und die Familie stieg nacheinander ins Wasser.<\/p>\n<div id=\"attachment_3031\" style=\"width: 191px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3031\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3031\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/gaengeviertel280_v-portraitl-200x300.jpg\" alt=\"gaengeviertel280_v-portraitl\" width=\"181\" height=\"272\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/gaengeviertel280_v-portraitl-200x300.jpg 200w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/gaengeviertel280_v-portraitl.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 181px) 100vw, 181px\" \/><p id=\"caption-attachment-3031\" class=\"wp-caption-text\">Steinstra\u00dfe vor der Sanierung<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bleiben wir in Hamburg. Hier herrschten gerade am Hauptbahnhof schon seit Jahrzehnten chaotische Zust\u00e4nde, was die hygienischen Wohnverh\u00e4ltnisse betrifft. Die Stadt entwickelte sich rasant zwischen Hauptbahnhof und dem Rathaus, und es entstand um 1900 ein Mix aus modernstem Fortschritt und mittelalterlichen Zust\u00e4nden. Neue Prachtbauten standen neben Elendsh\u00fctten. Man fing an, ganze Stra\u00dfenz\u00fcge abzurei\u00dfen, aber nicht um die sanit\u00e4ren Verh\u00e4ltnisse zu verbessern, sondern es ging Bauspekulationen und um Gewinn. Vor allem &#8211; man wollte nicht die ankommenden Reisenden erschrecken, die auf dem Weg vom Bahnhof in die Stadt an armseligen, verdreckten H\u00fctten vorbeigehen mussten. Dabei hatte Hamburg schon 50 Jahre vorher \u00a0angefangen, als erste Stadt in Europa f\u00fcr bessere hygienische Verh\u00e4ltnisse gesorgt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\" wp-image-3033 alignright\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Pincerno_-_William_Lindley_1879_II-240x300.jpg\" alt=\"pincerno_-_william_lindley_1879_ii\" width=\"113\" height=\"141\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Pincerno_-_William_Lindley_1879_II-240x300.jpg 240w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Pincerno_-_William_Lindley_1879_II.jpg 440w\" sizes=\"(max-width: 113px) 100vw, 113px\" \/>Den Fortschritt brachte der Engl\u00e4nder William Lindley, der nach dem gro\u00dfen Brand 1842 in Hamburg Europas erste unterirdische Kanalisation mit Abwasserkan\u00e4len baute, die zw\u00f6lf Kilometer lang waren. In den folgenden Jahren errichtete Lindley mehrere Kl\u00e4ranlagen, ein Wasserwerk und eine \u00f6ffentliche Bade- und Waschanstalt, um die grausamen hygienischen Zust\u00e4nde in den Armenvierteln zu mildern.<br \/>\nAber die Stadt dankte ihm das nicht. Entt\u00e4uscht verlie\u00df Lindley 1860 Hamburg und baute Wasserversorgungen in Prag, Warschau und anderen St\u00e4dten. In Hamburg aber lie\u00df man sein epochales Werk verfallen. Die Quittung bekam die Stadt 1892, als eine Cholera-Epidemie 9.000 Menschen das Leben kostete. Es traf das sogenannte G\u00e4ngeviertel. Dort hausten immer noch die Arbeiter und ihre Familien in engen Wohnungen ohne frische Luft und ohne sanit\u00e4re Einrichtungen.<br \/>\nEs wurde Zeit etwas zu tun. Nicht die Vernunft, sondern erst ein gigantischer Bauboom fegte um 1900 alle unliebsamen Elendsviertel in Hamburg hinweg. So kam es, dass zu Beginn des Weltkriegs die durchreisenden Soldaten in einem Hotel \u00fcbernachten konnten &#8211;\u00a0 mit Wassertoiletten, Zinkbadewannen und vielleicht sogar mit Bedienung. Vielleicht schlenderten die Soldaten ein paar Meter weiter. Dort stand n\u00e4mlich schon seit Jahrzehnten eine Wasch- und Badeanstalt, die William Lindley erbauen lie\u00df \u2013 f\u00fcr damalige Verh\u00e4ltnisse ein Musterbeispiel f\u00fcr moderne Hygiene. Der 40 Meter hohe Schornstein am Schweinemarkt war nicht zu \u00fcbersehen.<\/p>\n<div id=\"attachment_3058\" style=\"width: 629px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3058\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3058 size-full\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/15978875517.jpg\" alt=\"15978875517\" width=\"619\" height=\"443\" \/><p id=\"caption-attachment-3058\" class=\"wp-caption-text\">Wasch- und Badeanstalt am Schweinemarkt, links hinten das Hotel Gro\u00dfherzog von Mecklenburg<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_3048\" style=\"width: 816px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3048\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3048 size-full\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/schw_0003-1.jpg\" alt=\"schw_0003\" width=\"806\" height=\"981\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/schw_0003-1.jpg 806w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/schw_0003-1-246x300.jpg 246w\" sizes=\"(max-width: 806px) 100vw, 806px\" \/><p id=\"caption-attachment-3048\" class=\"wp-caption-text\">Von 1855 bis 1963 Wasch- und Badeanstalt am Hamburger Hauptbahnhof<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_3030\" style=\"width: 187px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3030\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3030 size-medium\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/fr-177x300.jpg\" alt=\"fr\" width=\"177\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/fr-177x300.jpg 177w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/fr-604x1024.jpg 604w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/fr.jpg 944w\" sizes=\"(max-width: 177px) 100vw, 177px\" \/><p id=\"caption-attachment-3030\" class=\"wp-caption-text\">Wer sucht hier wen?<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Adresse \u201eSchweinemarkt\u201c war nicht gerade geeignet, um ausgerechnet dort die erste Warmbadeanstalt des europ\u00e4ischen Kontinents zu er\u00f6ffnen. Aber dar\u00fcber hat man sich wohl kaum Gedanken gemacht, als am 5. April 1855 am Schweinemarkt die Badewannen gef\u00fcllt wurden &#8211;\u00a0 insgesamt 32 rechts f\u00fcr M\u00e4nner und 16 links f\u00fcr Frauen in Einzelkabinen. Au\u00dferdem gab es 32 weitere St\u00e4nde, an denen W\u00e4sche gewaschen wurde und wo es Einrichtungen zum Wringen, Trocknen, Mangeln und Pl\u00e4tten von Bett- und Leibw\u00e4sche gab.<br \/>\nMan achtete streng auf sittliche Reinheit. Es gab zwei verschiedene Eing\u00e4nge f\u00fcr M\u00e4nner und Frauen. Trotzdem kam es ab und an zu Missverst\u00e4ndnissen oder absichtlichen Verfehlungen. Im Beschwerdebuch des Bades steht z.B.:<br \/>\n<em>In der Voraussetzung, da\u00df in dieser Anstalt die Gesellschaften in verschiedenen R\u00e4umen getrennt baden, hat sich meine Frau vertrauensvoll dieser Anstalt ausschlie\u00dflich zugewendet, wurde aber leider im vorigen Monat \u00fcberrascht und erschreckt, als aus einem Cabinet ein Herr und eine Dame hervorbrachen, die Dame war, selbst noch sogar entbl\u00f6\u00dft, keinesweges hat die Badew\u00e4rterin aber um Entschuldigung gebeten, folglich mu\u00df ein Einverst\u00e4ndni\u00df vorgeherrscht haben. Um strenge R\u00fcge bittet W. Reimer.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\" wp-image-3034 alignleft\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/schw_0002-300x221.jpg\" alt=\"schw_0002\" width=\"281\" height=\"207\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/schw_0002-300x221.jpg 300w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/schw_0002-1024x753.jpg 1024w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/schw_0002.jpg 1781w\" sizes=\"(max-width: 281px) 100vw, 281px\" \/>Das imposante Geb\u00e4ude am heutigen Steintorwall wurde 1963 abgerissen, um Platz zu schaffen f\u00fcr das Kaufhaus Horten. Heute steht dort das Saturn-Parkhaus, das genauso ein Rundbau ist wie die Waschanstalt. Wer dort mit seinem Auto parken will, windet sich in kreisrunden Fahrspuren nach oben. Ein Mosaik an der U-Bahn Steinstra\u00dfe erinnert noch an die vergangene Pracht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-3032\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/hamburg-u-bahnhof-steinstrae-u1-motiv_wasch-und-badeanstalt-schweinemarkt_-mosaik-von-walter-siebelist-1904-1978.jpg\" alt=\"hamburg-u-bahnhof-steinstrae-u1-motiv_wasch-und-badeanstalt-schweinemarkt_-mosaik-von-walter-siebelist-1904-1978\" width=\"660\" height=\"217\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/hamburg-u-bahnhof-steinstrae-u1-motiv_wasch-und-badeanstalt-schweinemarkt_-mosaik-von-walter-siebelist-1904-1978.jpg 660w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/hamburg-u-bahnhof-steinstrae-u1-motiv_wasch-und-badeanstalt-schweinemarkt_-mosaik-von-walter-siebelist-1904-1978-300x99.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hamburg hat inzwischen dazu gelernt und wagt sich an eine Revolution der Abwasserbeseitigung. Bis heute ist das Prinzip weitgehend unver\u00e4ndert: Alle Abw\u00e4sser werden zentral gesammelt, gereinigt und in den n\u00e4chsten Fluss geleitet. Das soll sich jetzt im Stadtteil Jenfeld \u00e4ndern. Dort entsteht auf dem Gel\u00e4nde einer ehemaligen Bundeswehrkaserne das Neubaugebiet Jenfelder Au. Anders als sonst \u00fcblich, wird das Abwasser in diesem Quartier je nach Verschmutzungsgrad getrennt.<br \/>\n<em>Regenwasser versickert in den Gr\u00fcnfl\u00e4chen oder sammelt sich in eigens angelegten Gr\u00e4ben, Mulden und Teichen, die mit dem Fl\u00fcsschen Rahlau verbunden sind. Das sogenannte \u201eGrauwasser\u201c, also das wenig belastete Abwasser aus Duschen und Waschmaschinen, wird an Ort und Stelle gereinigt und in die Gr\u00e4ben geleitet oder als Brauchwasser genutzt. Das stark verschmutzte \u201eSchwarzwasser\u201c aus den Toiletten hingegen wird mitsamt seiner Fracht als Biomasse in Strom und W\u00e4rme umgewandelt. Hamburg Wasser, das st\u00e4dtische Versorgungsunternehmen, realisiert dieses \u201eHamburg Water Cycle&#8220; genannte Entw\u00e4sserungskonzept jetzt erstmals im gro\u00dfen Stil. Kleinere Pilotanlagen zeigen bereits, dass die Technik grunds\u00e4tzlich funktioniert.<\/em><br \/>\n<em>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <span style=\"font-size: 12pt;\">(S\u00fcddeutsche Zeitung vom 4. November 2016)<\/span><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong> <iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/4f9yMY_QHOQ\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_3066\" style=\"width: 3423px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-3066\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-3066 size-full\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Schweinem.jpg\" alt=\"schweinem\" width=\"3413\" height=\"2460\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Schweinem.jpg 3413w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Schweinem-300x216.jpg 300w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Schweinem-1024x738.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 3413px) 100vw, 3413px\" \/><p id=\"caption-attachment-3066\" class=\"wp-caption-text\">Blick vom Klosterthor-Bahnhof nach dem Schweinemarkt. Nach einer Photographie von Strumper &amp; Co Schimmelpfeng-Verlag, um 1900<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Im Bilde f\u00e4llt zun\u00e4chst die Wasch- und Bade-Anstalt mit ihrem hohen Schornstein, 150 Fuss hoch, in&#8217;s Auge; rechts daneben sehen wir die H\u00e4user vom Schweinemarkt, hinter diesen ragt die reformirte Kirche an der Ferdinandstrasse mit ihren zwei Th\u00fcrmen hervor, und weiterhin das Zucht- und Spinnhaus.<\/em><br \/>\n<em> Mehr nach vorne hinter den Anlagen rechts zeigen sich H\u00e4user der Ernst-Merk-Strasse. Links vom Schweinemarkt zieht sich die Steinstrasse gegen die Jacobe-Kirche hin, letztere sehen wir ganz links im Bilde, davor einen kleinen Theil des Johannesklosters. Links im Vordergrunde ist der Klosterthor Bahnhof zur H\u00e4lfte sichtbar, rechts die Br\u00fccke der Altmannstrasse, unter welche die Geleise der Verbindungsbahn nach dem Dammthor-Bahnhof sich hinziehet.<\/em><br \/>\n<span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: 10pt;\">Die Welthandels-Metropole Hamburg in tausendj\u00e4hriger Entwicklung, C. W. Schimmelpfeng-Verlag, um 1900<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif;\"><strong>Quellen<\/strong><\/span><br \/>\nGeerd Dahms, Das Hamburger G\u00e4ngeviertel, Hamburg, 2010<br \/>\nSusanne Gr\u00f6tz, Baden und Waschen &#8211; William Lindley als Pionier der technischen Hygiene; in William Lindley, Konstrukteur einer modernen Stadt, Hamburg, 2008, S.174<br \/>\nHamburger Abendblatt vom 07.04.2007, Badewannen am Schweinemarkt<br \/>\n\u00dcbernachtungsstation des Roten Kreuzes; in Hamburger Kriegsbuch 1916, S.308<br \/>\n<em><a href=\"http:\/\/wk1.staatsarchiv.at\/sanitaet-und-hygiene\/einleitung\/\">http:\/\/wk1.staatsarchiv.at\/sanitaet-und-hygiene\/einleitung\/<\/a><\/em><br \/>\n<em> <a href=\"http:\/\/www.pflegewiki.de\/wiki\/Was_war_fr%C3%BCher_normal\">http:\/\/www.pflegewiki.de\/wiki\/Was_war_fr%C3%BCher_normal<\/a><\/em><br \/>\n<em> <a href=\"http:\/\/www.aerzteblatt.de\/archiv\/168343\/Erster-Weltkrieg-1914-1918-Militaermedizin-unvorbereitet-in-die-Krise\">http:\/\/www.aerzteblatt.de\/archiv\/168343\/Erster-Weltkrieg-1914-1918-Militaermedizin-unvorbereitet-in-die-Krise<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu den t\u00e4glichen Pflichten eines Soldaten geh\u00f6rte seit alters her die Reinigung seines Gewehrs. 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