{"id":2874,"date":"2016-01-31T16:26:54","date_gmt":"2016-01-31T15:26:54","guid":{"rendered":"http:\/\/win2014.de\/?p=2874"},"modified":"2020-12-15T17:19:52","modified_gmt":"2020-12-15T16:19:52","slug":"rupert-brooke","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/win2014.de\/?p=2874","title":{"rendered":"Ein Gedicht zum Weinen?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Otmar Hitzfeld hat\u2019s getan. J\u00fcrgen Klopp hat\u2019s getan. Man glaubt es nicht, auch Putin hat\u2018s getan und sogar Helmut Schmidt hat vor aller Welt bewiesen: M\u00e4nner k\u00f6nnen weinen. Ob beim Abschied vom geliebten Fu\u00dfballclub oder in bewegenden Augenblicken der Weltgeschichte \u2013 wir sind oft live dabei, wenn im Fernsehen sogenannte gestandene M\u00e4nner weinen.<br \/>\nAber es gibt nicht nur M\u00e4nner, die medienwirksam weinen, wenn die halbe Welt zuschaut. In England ist vor zwei Jahren ein Gedichtband erschienen mit dem herausfordernden Titel \u201ePOEMS that make GROWN MEN CRY\u201c. K\u00f6nnen Gedichte tats\u00e4chlich M\u00e4nner zum Heulen bringen?<!--more weiterlesen--><br \/>\n<img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-2876 alignleft\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/brooke-198x300.jpg\" alt=\"brooke\" width=\"198\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/brooke-198x300.jpg 198w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/brooke-677x1024.jpg 677w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/brooke.jpg 1028w\" sizes=\"(max-width: 198px) 100vw, 198px\" \/>Die Herausgeber dieses Bandes hatten eine wunderbare Idee. Sie fragten bei hundert M\u00e4nnern an, die man aus Literatur und Film, aus Kunst und Wissenschaft kennt, und baten sie darum, ein Gedicht zu nennen, das sie besonders ber\u00fchrt oder sogar zum Weinen gebracht hat.<br \/>\nHerausgekommen ist eine wunderbare Sammlung von hundert Gedichten. Aus \u00fcber zwanzig L\u00e4ndern haben ber\u00fchmte M\u00e4nner dazu ihr ganz pers\u00f6nliches Erlebnis geschildert und ihre Gef\u00fchle preisgegeben: \u201e100 men on the words that move them\u201c. Von John le Carr\u00e9, Salman Rushdie zu Jonathan Franzen, von Nick Cave, Colin Firth zu William Boyd liefert diese Sammlung Einblicke in das Seelenleben dieser M\u00e4nner.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">John le Carr\u00e9 nennt z.B. Wandrers Nachtlied von Johann Wolfgang von Goethe und schreibt dazu:<br \/>\n<em>I chose this poem in part because it is a gem of German lyrical poetry; and in part because the beauty oft he German language has long been lost on British ears, and it\u2019s high time for a revival. And finally because the \u201eNachtlied\u201c is a moving and exquisite contemplation of old age.<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2887 alignleft\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/huge-boneville-768-Kopie-1-229x300.jpg\" alt=\"\" width=\"77\" height=\"101\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/huge-boneville-768-Kopie-1-229x300.jpg 229w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/huge-boneville-768-Kopie-1.jpg 659w\" sizes=\"(max-width: 77px) 100vw, 77px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">John le Carr\u00e9 und Goethe sind ja weltber\u00fchmt, aber es gibt in dem Band auch Gedichte, die hier in Deutschland kaum jemand kennt und die in England zum allgemeinen Kulturgut geh\u00f6ren. Solch ein Gedicht hat der Schauspieler Hugh Bonneville ausgesucht. Seit 2010 sehen wir ihn in der Fernsehserie Downton Abbey als den Earl von Grantham.<br \/>\nEs ist ein Gedicht von einem gewissen Rupert Brooke, von dem bis jetzt noch kein einziger Vers ins Deutsche \u00fcbersetzt worden ist. Geschrieben hat er nur 118 Gedichte. Aber er ist trotz dieses schmalen Werkes in England eine literarische Gr\u00f6\u00dfe. Wer war Rupert Brooke?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\" wp-image-2877 alignleft\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Brooke0606_468x694-202x300.jpg\" alt=\"Brooke0606_468x694\" width=\"215\" height=\"319\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Brooke0606_468x694-202x300.jpg 202w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Brooke0606_468x694.jpg 404w\" sizes=\"(max-width: 215px) 100vw, 215px\" \/>Rupert Chawner Brooke wurde 1887 als Lehrerkind in Rugby geboren. Gestorben ist er am 23. April 1915 an Bord eines franz\u00f6sischen Krankenhausschiffes. Er starb an den Folgen einer Blutvergiftung, die durch einen M\u00fcckenstich verursacht worden war. Da war er gerade 27 Jahre alt. Dazwischen lag ein kurzes aufregendes Leben.<br \/>\n1906 begann er am King&#8217;s College in Cambridge Altphilologie zu studieren. Aber bald vernachl\u00e4ssigte er sein Studium, begann Gedichte zu schreiben und gewann auf Anhieb mehrere Preise. Er wurde schnell ein viel umschw\u00e4rmter Liebling der intellektuellen Boh\u00e8me. Manche bewunderten sein Talent. Andere wiederum waren mehr von seinem \u00c4u\u00dferen beeindruckt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rupert Brooke war ein gut aussehender Mann, der den Frauen, aber auch den M\u00e4nnern zugeneigt war. W. B. Yeats bezeichnete Brooke als den \u201ebestaussehenden Mann in England\u201c. Kein Wunder, dass er zu dieser Zeit der Bloomsbury Group um Virginia Woolf, George Mallory und John Maynard Keynes nahestand. Liebesgeschichten jeglicher Art und Aff\u00e4ren ziehen sich als roter Faden durch sein kurzes Leben. Aber auch seine Lyrik erregte Aufsehen und fand viele begeisterte Verehrer und Anh\u00e4nger. Selbst Winston Churchill war von dem jungen Dichter beeindruckt. Literarisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als 1914 der Erste Weltkrieg begann, trat er in die Armee ein und war mit englischen Truppen in Belgien, als Antwerpen von den Deutschen eingenommen wurde. Zur\u00fcck in England schrieb er um die Weihnachtszeit f\u00fcnf Sonette, die ihn in England schlagartig ber\u00fchmt machen sollten. Dann ging alles ziemlich schnell.<br \/>\nIm Februar 1915 ging er mit der Mediterranean Expeditionary Force ins Mittelmeer. Am 11. M\u00e4rz 1915 wurden diese Sonnette ver\u00f6ffentlicht. Am Ostersonntag wurde wohl sein bekanntestes Gedicht &#8218;The Soldier&#8216; vom Dean auf der Kanzel in St. Paul&#8217;s Cathedral rezitiert. Drei Wochen sp\u00e4ter, am 23. April, ist Rupert Brooke gestorben. Enthusiastisch hatte er einmal formuliert: <em>\u201cThe thing God wants of me is to get good at beating Germans\u201d<\/em>. Gestorben ist er aber nicht auf dem Schlachtfeld, sondern an einem M\u00fcckenstich. Das Leben hat ihm ein eher profanes Ende beschert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>\u201eIf I should die, think only this of me;<\/em><br \/>\n<em> That there&#8217;s some corner of a foreign field<\/em><br \/>\n<em> That is for ever England.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-2883\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Rupert-Brooke-009-1024x614.jpg\" alt=\"Rupert Brooke\" width=\"640\" height=\"384\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Rupert-Brooke-009-1024x614.jpg 1024w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Rupert-Brooke-009-300x180.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In diesen Anfangszeilen seines Gedichts \u201cThe Soldier\u201c hat 1914 Brooke die Gef\u00fchle der Engl\u00e4nder so treffend wiedergegeben, dass sie sie f\u00fcr ihre eigenen hielten. Hugh Bonneville, unser Mann aus Downton Abbey, hat dieses Gedicht schon als Sch\u00fcler kennen gelernt und f\u00fcr den Sammelband ausgesucht. Er schreibt in einer kurzen Einleitung, was ihn daran heute noch bewegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Like many schoolchildren, I was introduced to this sonnet when studying the poets of the First World War. The graphic bitterness of Siegfried Sassoon and Wilfred Owen, we were instructed, was to be contrasted with the naive patriotism of Rupert Brooke.<\/em><br \/>\n<em> Brooke&#8217;s view of death and his love of country is that of a cleareyed young man who, like the hundreds of thousands of others who rushed to join up, felt confident of purpose and of victory within months, entirely innocent of what was to come. l won&#8217;t judge him for that.<\/em><br \/>\n<em> Every time I watch the movie <\/em>Gladiator<em> this poem comes to mind. Like the recurring motif of Maximus&#8217;s hand brushing the wheat of his fields as he heads for his waiting family, `The Soldier\u2018, for me, is ultimately about belonging. It&#8217;s about coming home.<\/em><br \/>\n<em> And it&#8217;s not the notion of death with honour or pride in motherland that moves me, it&#8217;s the simple phrase `laughter, learnt of friends\u2018 that gets me every time. An image of happiness shared, in a land at peace.<\/em><br \/>\n<em> With the privilege of hindsight I find it is as pitiful as it is beautiful in its evocation of contentment.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: 14pt;\"><strong>The Soldier<\/strong><\/span><br \/>\nIf I should die, think only this of me;<br \/>\nThat there&#8217;s some corner of a foreign field<br \/>\nThat is for ever England. There shall be<br \/>\nIn that rich earth a richer dust concealed;<br \/>\nA dust whom England bore, shaped, made aware,<br \/>\nGave, once, her flowers to love, her ways to roam,<br \/>\nA body of England&#8217;s breathing English air,<br \/>\nWashed by the rivers, blest by suns of home.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">And think, this heart, all evil shed away,<br \/>\nA pulse in the eternal mind, no less<br \/>\nGives somewhere back the thoughts by England given;<br \/>\nHer sights and sounds; dreams happy as her day;<br \/>\nAnd laughter, learnt of friends; and gentleness,<br \/>\nIn hearts at peace, under an English heaven.<br \/>\n<em>Rupert Brooke (1887-1915)<\/em><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/y7SUTiT8-QI\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #008080;\">+++++Dankesch\u00f6n an Susan f\u00fcr ihr wunderbares Geschenk zu Weihnachten!+++++<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Fr\u00fchjahr 2016 \u2013 so k\u00fcndigt der Verlag Simon &amp; Schuster an \u2013 wird ein Folgeband erscheinen, dieses Mal mit Gedichten, die Frauen ausgesucht haben:<br \/>\n<em>Poems That Make Grown Men Cry. Another remarkable anthology of poetry, this time chosen by 100 eminent women from all walks of life.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: 14pt;\">Quellen<\/span><\/strong><br \/>\nAnthony Holden\/Ben Holden, Poems That Make Grown Women Cry: 100 Women on the Words That Move Them, London, Simon &amp; Schuster, 2014<br \/>\n<em><a href=\"http:\/\/www.dailymotion.com\/video\/xo88hq_rupert-brooke-the-soldier_creation\">http:\/\/www.dailymotion.com\/video\/xo88hq_rupert-brooke-the-soldier_creation<\/a><\/em><br \/>\n<em> <a href=\"http:\/\/www.newyorker.com\/books\/page-turner\/the-true-story-of-rupert-brooke\">http:\/\/www.newyorker.com\/books\/page-turner\/the-true-story-of-rupert-brooke<\/a><\/em><br \/>\n<em> <a href=\"http:\/\/en.r8lst.com\/Euphorically%20Breathtaking%20images%20of%20Rupert%20Brooke\">http:\/\/en.r8lst.com\/Euphorically%20Breathtaking%20images%20of%20Rupert%20Brooke<\/a><\/em><br \/>\n<em> <a href=\"http:\/\/www.poemhunter.com\/poem\/1914-v-the-soldier\/\">http:\/\/www.poemhunter.com\/poem\/1914-v-the-soldier\/<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Otmar Hitzfeld hat\u2019s getan. 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