{"id":2212,"date":"2015-03-26T00:30:23","date_gmt":"2015-03-25T23:30:23","guid":{"rendered":"http:\/\/win2014.de\/?p=2212"},"modified":"2020-12-16T17:04:24","modified_gmt":"2020-12-16T16:04:24","slug":"kriegskinder","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/win2014.de\/?p=2212","title":{"rendered":"Die Kriegskinder des Ersten Weltkriegs"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/z_0005.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\" size-medium wp-image-2229 alignleft\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/z_0005-189x300.jpg\" alt=\"z_0005\" width=\"189\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/z_0005-189x300.jpg 189w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/z_0005-647x1024.jpg 647w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/z_0005.jpg 1888w\" sizes=\"(max-width: 189px) 100vw, 189px\" \/><\/a><strong>Kriegskinder, Nachkriegskinder, Nachkriegsenkel \u2013 zu diesem Thema gibt es inzwischen zahlreiche Publikationen. Vor allem Sabine Bode hat dort Pionierarbeit geleistet und in ihren B\u00fcchern aufgezeigt, wie die Kinder im Zweiten Weltkrieg unter Vertreibung, Hunger, Versch\u00fcttung oder Bombenhagel gelitten haben. Viele von ihnen wurden dadurch traumatisiert. Sie schwiegen dar\u00fcber bis ins Alter und trugen ihr Leben lang Unsicherheit, Krankheiten und psychische Schw\u00e4chen mit sich herum.<\/strong><br \/>\nAber \u2013 so darf gefragt werden: Gibt es nicht auch in der Kindergeneration des Ersten Weltkriegs \u00e4hnliche Erfahrungen und Traumata? Haben die ab 1900 Geborenen nicht auch im Krieg Hunger, Verzweiflung und \u00fcberhaupt die ganze sogenannte Urkatastrophe erlebt?<!--more weiterlesen--><br \/>\nAllein in Deutschland starben im Ersten Weltkrieg mehr als zwei Millionen Soldaten \u2013 ganz zu schweigen von den zivilen Opfern und den \u201eKriegskr\u00fcppeln\u201c. Wie viele Kinder sind wohl ohne ihren Vater aufgewachsen! \u00dcber diese Kinder, die den Ersten Weltkrieg und die schwere Zeit danach miterlebt haben, gibt es so gut wie gar keine Forschung oder Publikationen, in denen deren Schicksal bearbeitet wird. \u00dcber die tieferen Ursachen dieser Sprachlosigkeit kann nur spekuliert werden. Ein Grund ist aber klar: Es gab gar keine M\u00f6glichkeit das zu thematisieren; denn als vielleicht die Zeit daf\u00fcr reif gewesen w\u00e4re, begann auch schon der Zweite Weltkrieg. Die M\u00e4nner, die zwischen 1900 und 1915 geboren waren, befanden sich ab 1939 als Soldaten im Einsatz.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/schatz-001.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-large wp-image-2245\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/schatz-001-1024x351.jpg\" alt=\"schatz-001\" width=\"640\" height=\"219\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/schatz-001-1024x351.jpg 1024w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/schatz-001-300x103.jpg 300w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/schatz-001.jpg 1147w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a>Es waren darunter die V\u00e4ter der 68er-Generation. Wir wissen, dass diese V\u00e4ter nur begrenzt von ihren S\u00f6hnen und T\u00f6chtern Mitleid erfahren haben, sondern eher gefragt wurden: Warum habt ihr das alles mitgemacht &#8211; die Nazis, den Krieg und \u00fcberhaupt. Diese V\u00e4ter haben zwar versucht sich irgendwie gegen\u00fcber der neuen Zeit und ihren Kindern zu rechtfertigen. Sie ernteten aber fast nur Unverst\u00e4ndnis.<br \/>\nDamit mussten diese V\u00e4ter \u2013 um es ganz platt auszudr\u00fccken \u2013 nach dem Krieg an zwei Fronten k\u00e4mpfen: Sie mussten sich gegen\u00fcber ihren Kindern verteidigen und ihr Verhalten in der Nazizeit rechtfertigen. Und an der zweiten Front haben sie stumm und sprachlos ihre Leidenszeit ganz allein verarbeiten m\u00fcssen. Sie haben \u00fcber ihre Kindheit und Jugend im Ersten Weltkrieg zeitlebens kaum etwas mitgeteilt. Trauer, Reue oder Schuld &#8211; Mitscherlich hat 1963 schon darauf hingwiesen, dass \u201egekonnter Gef\u00fchlsumgang gelernt werden muss\u201c.<br \/>\nErst seitdem Angeh\u00f6rige der Kriegskindergeneration des Zweiten Weltkriegs zu fragen beginnen, unter welchen Bedingungen ihre Eltern aufgewachsen sind, gibt es eine verschwommene Ahnung, welchen seelischen Belastungen sie ausgesetzt waren. Viele dieser M\u00e4nner wuchsen ja nach 1918 ohne V\u00e4ter und mit \u00fcberlasteten M\u00fcttern auf. Sie mussten fr\u00fch Verantwortung \u00fcbernehmen und waren oft sich selbst \u00fcberlassen. Die Nachkriegszeit brachte kein Ende der Not. Revolution, Inflation und Weltwirtschaftskrise beherrschten die Zeit.<br \/>\nAber jetzt ist es zu sp\u00e4t, diese M\u00e4nner selber zu fragen. Sie sind als potentielle Zeitzeugen einfach weggestorben. Nat\u00fcrlich haben sie ihren Kindern etwas aus ihrer Jugend und aus der Kriegszeit erz\u00e4hlt. Aber das waren fast immer nur Anekdoten, Bruchst\u00fccke ihres Lebens, die nur ansatzweise durchschimmern lie\u00dfen, was f\u00fcr ein Leben das tats\u00e4chlich gewesen war. Wenn jemand nachbohrte und mehr wissen wollte, wurde geschwiegen. Vielleicht wurde aber auch zu fordernd und zu besserwisserisch gefragt. Konnte man jemandem die eigene innere Not anvertrauen, der einem st\u00e4ndig Vorw\u00fcrfe \u00fcber die Nazizeit machte. Wo warst du als, Warum hast du nicht, Wie konntest du nur!<br \/>\nHier kommt Konstantin Wecker ins Spiel. Schade dass wir damals vor \u00fcber drei\u00dfig Jahren zu sehr auf seine Musik geh\u00f6rt haben und nicht so sehr auf den Text eines seiner Lieder. 1982 brachte er ein neues Album heraus, schlicht \u201eWecker\u201c genannt. Dort hat er neben Titeln wie \u201eBallade vom Puff\u201c und \u201eRevoluzzer\u201c den \u201eChor der Kriegerwaisen\u201c besungen. Es geht genau um die Kinder des Ersten Weltkriegs. Verwendet hat er daf\u00fcr ein Gedicht der Lyrikerin Mascha Kal\u00e9ko. Sie ist 1906 geboren und geh\u00f6rt also selber zur Kriegskindergeneration des Ersten Weltkriegs. \u00bbWir sind die Kinder der eisernen Zeit\u00ab &#8211; so f\u00e4ngt ihr Gedicht an und beklagt in eindrucksvollen Bildern das Leiden und die Not der Kinder im Ersten Weltkrieg.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"640\" height=\"480\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/jgiTjJn7sNs?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-size: 14pt;\"><strong><span style=\"color: #ff0000; font-family: arial,helvetica,sans-serif;\">Chor der Kriegerwaisen<\/span><\/strong><\/span> \u00a0(aus dem Album \u201eWecker\u201c, Text: Mascha Kal\u00e9ko) 1982<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #008080;\">Wir sind die Kinder der Eisernen Zeit,<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\"> Gef\u00fcttert mit Kohlr\u00fcbensuppen.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\"> Wir haben genug von Krieg und Streit<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\"> Und den feldgrauen Aufstehpuppen!<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #008080;\">Kind sein \u2013 das haben wir niemals gekannt.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\"> Uns sang nur der Hunger in Schlaf,<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\"> Weil Vater im Sch\u00fctzengraben stand<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\"> Zu fallen f\u00fcr Kaiser und Vaterland,<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\"> Wenn\u2019s grade ihn mal traf.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #008080;\">Und kam eines Tages ein Telegramm,<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\"> Wenn der Vater schon lang nicht geschrieben,<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\"> Dann zog sich die Mutter das Schwarze an,<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\"> Und wir waren kriegshinterblieben.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Mascha.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2215\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Mascha-300x200.jpg\" alt=\"Mascha\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Mascha-300x200.jpg 300w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Mascha-1024x683.jpg 1024w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/Mascha.jpg 1150w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #008080;\">Unser Kinderschreck war der Heldentod,<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\"> Unser M\u00e4rchenbuch: Extrabl\u00e4tter.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\"> Unsere Leckerbissen: das Karten-Brot,<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\"> Kanonen \u2013 unsere G\u00f6tter.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #008080;\">Die Schulfibel prangte so stolz schwarz-wei\u00df-rot.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\"> Draus lernten wir: Tod den Franzosen!<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\"> Wir \u00fcbten: Man sagt nicht Adieu nur Gr\u00fc\u00dfgott \u2013<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\"> Und schw\u00e4rmten f\u00fcr Stahlbadehosen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #008080;\">Wir lernten Geschichte und Revolution<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\"> Am eigenen Leib erfahren.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\"> Wir schwitzten f\u00fcr Gelder der Inflation,<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\"> Die sp\u00e4ter Klosettpapier waren.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #008080;\">Wir sp\u00fcren noch heute auf Schritt und Tritt<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\"> Jener Herrlichen Zeiten Verm\u00e4chtnis.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\"> Und spielt ihr Soldaten, wir machen nicht mit,<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\"> Denn wir haben ein gutes Ged\u00e4chtnis.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/X3_Innenseiten_060809_Seite_42_Bild_0001.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2261\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/X3_Innenseiten_060809_Seite_42_Bild_0001-300x216.jpg\" alt=\"X3_Innenseiten_060809_Seite_42_Bild_0001\" width=\"300\" height=\"216\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/X3_Innenseiten_060809_Seite_42_Bild_0001-300x216.jpg 300w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/X3_Innenseiten_060809_Seite_42_Bild_0001-1024x738.jpg 1024w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/X3_Innenseiten_060809_Seite_42_Bild_0001.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00bbWir sind die Kinder der eisernen Zeit\u00ab &#8211; diese Anfangszeile des Gedichts hat die Historikerin Barbara Stambolis 2014 f\u00fcr den Titel ihres neuen Buches benutzt: <em>Aufgewachsen in \u00bbeiserner Zeit\u00ab &#8211; Kriegskinder zwischen Erstem Weltkrieg und Weltwirtschaftskrise.<\/em> Sie weist darin eindrucksvoll nach, dass es Kriegskinder nicht erst seit 1945 gibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/9783837923582.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-2219 size-medium\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/9783837923582-211x300.jpg\" alt=\"PSY Stambolis-2358 131129 COV.indd\" width=\"211\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/9783837923582-211x300.jpg 211w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/9783837923582.jpg 380w\" sizes=\"(max-width: 211px) 100vw, 211px\" \/><\/a>Barbara Stambolis ist Professorin in Neuerer Geschichte an der Universit\u00e4t Paderborn. Sie fragt: Welche Erfahrungen haben unsere Urgro\u00dfeltern oder Gro\u00dfeltern als Kleinkinder, Kinder oder Heranwachsende im Ersten Weltkrieg gemacht? Anhand von Zeitdokumenten und Selbstzeugnissen der Betroffenen rekonstruiert die Autorin ein eindrucksvolles Bild der Kindheit im Ersten Weltkrieg und deren Auswirkungen auf die folgenden Generationen. Das 20. Jahrhundert, das ja oftmals \u201eJahrhundert des Kindes\u201c genannt wurde, wurde sp\u00e4testens ab 1914 zu einem absoluten Desaster f\u00fcr die Heranwachsenden \u2013 eine eiserne Zeit brach an. Wer dieses Thema ausf\u00fchrlich f\u00fcr sich ergr\u00fcnden will, findet in Barbara Stambulis\u2018 Anregungen zum Weiterdenken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In dem Vorwort zu ihrem Buch schreibt sie u.a.:<br \/>\n<em>Die wissenschaftliche Bedeutung der teilweise hochkar\u00e4tigen Neuerscheinungen zum Ersten Weltkrieg ist unbestritten, doch finden sich in der neueren Forschung bislang kaum Antworten auf die Fragen, wie sich das Leben der zwischen 1900\/1902 und 1914\/1918 Geborenen gestaltet hat, was sie empfunden haben, welches psychisch-mentale Gep\u00e4ck ihnen in Kindheit und Jugend mit auf den Weg gegeben wurde.<\/em><br \/>\n<em>Zahlreiche Angeh\u00f6rige der Kriegskindergeneration des Zweiten Weltkriegs stellen heute im Alter fest, dass ihre Eltern zwischen Erstem Weltkrieg und Weltwirtschafskrise aufgewachsen vielleicht \u00e4hnliche Erfahrungen gemacht haben wie sp\u00e4ter ihre Kinder in und nach dem Zweiten Weltkrieg. Ihre Spurensuche in privaten Unterlagen ist so wenig ergiebig und auch in geschichtswissenschaftlichen Untersuchungen finden sie nur wenige Anhaltspunkte. Diesem \u203ablinden Fleck\u2039 gilt in der vorliegenden Publikation die Aufmerksamkeit. Manche Leserinnen und Leser \u2013 zwischen 1930 und 1945 geboren \u2013 werden sich in den Kindern des Ersten Weltkriegs teilweise wiedererkennen, sie werden aber auch feststellen, dass sie in vielerlei Hinsicht unter anderen Bedingungen aufgewachsen sind und dass ihre Lebensperspektiven sich von denen Heranwachsender nach 1918 grundlegend unterscheiden. J\u00fcngere, nach 1945 Geborene, werden zum einen g\u00e4ngigen Perspektiven auf das 20. Jahrhundert einige neue Facetten hinzuf\u00fcgen und sich der Frage nach der Dauer mentaler und psychohistorischer Erbschaften zuwenden k\u00f6nnen. Es handelt sich im Folgenden um einen vorsichtigen historischen Br\u00fcckenschlag zwischen Kindheits- und Jugenderfahrungen im bzw. nach dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg, dem hoffentlich weitere, vor allem detailliertere Untersuchungen folgen werden.<\/em><br \/>\nIn diesen Tagen hat gerade eine Konferenz zu diesem Thema Kriegskinder stattgefunden (23.\/24. M\u00e4rz 2015 in der Akademie des Bistums Mainz): <em>Kinder und Krieg &#8211; Epochen\u00fcbergreifende Analysen zu \u201eKriegskindheiten\u201c im Wandel.<\/em> Die Konferenz hatte sich zum Ziel gesetzt, \u201eKriegskinder\u201c von der Antike bis in die Moderne zu untersuchen. Schwerpunkte waren die Aspekte Erziehung, Alltag, Propaganda und Kindersoldaten.<br \/>\nIm Februar 2015 fand in Osnabr\u00fcck ein Forum statt mit den Fragen: <em>Sind wir auch \u201eKriegskinder\u201c des Ersten Weltkrieges?<\/em> Wirkt der Erste Weltkrieg in \u00e4hnlicher Form bis in unsere Gegenwart weiter? Was haben die Kriegskinder \u2013 als Kriegsenkel des Ersten Weltkriegs \u2013 eventuell an Erfahrungen und versteckten Emotionen weitergegeben?<br \/>\nDie 1900er-Jahre sind das letzte Friedensjahrzehnt des \u201elangen 19. Jahrhunderts\u201c und zugleich der Aufbruch in ein neues Jahrhundert voller Bewegung. Wie w\u00fcrde diese Generation heute dastehen, wenn es diese beiden Kriege nicht gegeben h\u00e4tte?<\/p>\n<div id=\"attachment_2214\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/busch-helm-budni.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-2214\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2214 size-large\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/busch-helm-budni-1024x767.jpg\" alt=\"busch helm - budni\" width=\"640\" height=\"479\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/busch-helm-budni-1024x767.jpg 1024w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/busch-helm-budni-300x225.jpg 300w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/busch-helm-budni.jpg 1089w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-2214\" class=\"wp-caption-text\">Ernst Busch und Brigitte Helm in dem Film &#8222;Eine von uns&#8220; (1932), nach dem gleichnamigen Roman von Irmgard Keun<\/p><\/div>\n<p>Quellen:<br \/>\nAlexander und Margarete Mitscherlich, Die Unf\u00e4higkeit zu trauern, M\u00fcnchen, 1967<br \/>\nAlexander Mitscherlich, Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft, Ideen zur Sozialpsychologie, M\u00fcnchen, 1963<br \/>\nPhilipp Blom, Der taumelnde Kontinent: Europa 1900-1914, Hanser, 2009<br \/>\nBarbara Stambulis, Aufgewachsen in \u00bbeiserner Zeit\u00ab &#8211; Kriegskinder zwischen Erstem Weltkrieg und Weltwirtschaftskrise, psychosozial-verlag, 2014<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\"><em><a href=\"http:\/\/www.science-at-home.de\/wiki\/index.php\/Die_Opfer_des_1._Weltkriegs\">http:\/\/www.science-at-home.de\/wiki\/index.php\/Die_Opfer_des_1._Weltkriegs<\/a><\/em><br \/>\n<em> <a href=\"http:\/\/www.psychosozial-verlag.de\/2358\">http:\/\/www.psychosozial-verlag.de\/2358<\/a><\/em><br \/>\n<em> <a href=\"http:\/\/www.science-at-home.de\/wiki\/index.php\/Die_Opfer_des_1._Weltkriegs\">http:\/\/www.science-at-home.de\/wiki\/index.php\/Die_Opfer_des_1._Weltkriegs<\/a><\/em><br \/>\n<em> <a href=\"http:\/\/www.barbara-stambolis.de\/%20http:\/\/systemagazin.com\/aufgewachsen-eiserner-zeit\/\">http:\/\/www.barbara-stambolis.de\/ http:\/\/systemagazin.com\/aufgewachsen-eiserner-zeit\/<\/a><\/em><br \/>\n<em> <a href=\"http:\/\/www.hsozkult.de\/event\/id\/termine-25855\">http:\/\/www.hsozkult.de\/event\/id\/termine-25855<\/a><\/em><br \/>\n<em> <a href=\"http:\/\/geboren.am\/1900er\">http:\/\/geboren.am\/1900er<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kriegskinder, Nachkriegskinder, Nachkriegsenkel \u2013 zu diesem Thema gibt es inzwischen zahlreiche Publikationen. Vor allem Sabine Bode hat dort Pionierarbeit geleistet und in ihren B\u00fcchern aufgezeigt, wie die Kinder im Zweiten Weltkrieg unter Vertreibung, Hunger, Versch\u00fcttung oder Bombenhagel gelitten haben. 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