{"id":2175,"date":"2015-02-26T20:03:16","date_gmt":"2015-02-26T19:03:16","guid":{"rendered":"http:\/\/win2014.de\/?p=2175"},"modified":"2020-12-16T17:04:36","modified_gmt":"2020-12-16T16:04:36","slug":"mit-dem-fahrrad-an-die-front","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/win2014.de\/?p=2175","title":{"rendered":"Mit dem Fahrrad an die Front"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/fahrr_0001-e1424979786547.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-2181 size-medium\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/fahrr_0001-300x205.jpg\" alt=\"fahrr_0001\" width=\"300\" height=\"205\" \/><\/a><strong>Stellungskrieg \u2013 diesen Begriff kennen wir ja und verbinden damit die K\u00e4mpfe bei Verdun oder an der Marne. War man nicht im Sch\u00fctzengraben, nannte man das gegenseitige T\u00f6ten Bewegungskrieg. Man musste ja erst einmal von zu Hause weg, und zwar schnell. Da war jedes Fortbewegungsmittel recht. Die Eisenbahn, Lastwagen, Automobile und Pferde wurden eingesetzt, um m\u00f6glichst schnell ins Feindesland zu gelangen. Die Franzosen schickten im September 1914 sogar einige Tausend Soldaten mit dem Taxi an die Front.<\/strong><br \/>\nJa, und nun Fahrr\u00e4der. W\u00e4re das nicht zu langsam und m\u00fchselig gewesen? Mit Tornister, Gewehr und Verpflegung? Aber im Verlaufe des Krieges gab es tats\u00e4chlich Einheiten, die mit dem Fahrrad ausger\u00fcstet waren und f\u00fcr besonders knifflige Aufgaben eingesetzt wurden. Was waren denn das f\u00fcr Fahrr\u00e4der? Mountain-Bikes, Klappr\u00e4der oder Rennr\u00e4der?<!--more weiterlesen--><br \/>\n<a href=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/rz960004a_b.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\" size-large wp-image-2184 aligncenter\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/rz960004a_b-869x1024.jpg\" alt=\"rz960004a_b\" width=\"640\" height=\"754\" \/><\/a>Vielleicht hat die Firma Stukenbrok aus Einbeck die Fahrr\u00e4der f\u00fcr die Front geliefert. Sie baute schon vor dem ersten Weltkrieg hervorragende R\u00e4der. Im Katalog von 1912 wird besonders das Modell \u201eDeutschland\u201c angepriesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/stu_0001.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-2187 \" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/stu_0001-300x210.jpg\" alt=\"stu_0001\" width=\"203\" height=\"142\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/stu_0001-300x210.jpg 300w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/stu_0001-1024x718.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 203px) 100vw, 203px\" \/><\/a>Erstklassiges deutsches Fabrikat<\/span> <\/strong><br \/>\n<span style=\"font-size: 18pt;\"><strong><span style=\"font-family: helvetica;\">\u201eDeutschland\u201c Nr.16<\/span><\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 18pt;\"><strong><span style=\"font-family: helvetica;\">Modell 1912.<\/span><\/strong><\/span><br \/>\n<strong><span style=\"font-family: helvetica;\">Ausgezeichnetes, recht elegantes, sehr stabiles Herrenrad.<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-size: 10pt;\"><strong><span style=\"font-family: helvetica;\">Mit diesem Modell bringe ich eine Maschine von hervorragender Konstruktion, augenf\u00e4lliger Sch\u00f6nheit und gr\u00f6\u00dfter Zuverl\u00e4ssigkeit auf den Markt. Aus ausgesuchtem Material hergestellt, steht dieses Rad, was gute Verarbeitung und moderne Bauart anbelangt, einzig da.<\/span><\/strong><\/span><br \/>\n<span style=\"font-size: 10pt;\"> <strong><span style=\"font-family: helvetica;\"> Die Maschine besitzt trotz des nicht zu hohen Gewichts eine Stabilit\u00e4t und Dauerhaftigkeit, wie man sie selten findet. Ganz besonders m\u00f6chte ich gerade bei dieser Maschine auf den wirklich spielend leichten und ruhigen Lauf, sowie auf die in jeder Hinsicht geschmackvolle und vornehm wirkende Ausstattung derselben aufmerksam machen.<\/span><\/strong><\/span><br \/>\n<strong><span style=\"font-family: helvetica;\"> <a href=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/borbely_0004-Kopie-e1424976757360.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-2180 \" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/borbely_0004-Kopie-235x300.jpg\" alt=\"borbely_0004 - Kopie\" width=\"173\" height=\"221\" \/><\/a><span style=\"font-size: 10pt; font-family: arial,helvetica,sans-serif;\">Die G\u00fcte und Preisw\u00fcrdigkeit der Fahrr\u00e4der ist un\u00fcbertroffen. Die Marke \u201eDeutschland\u201c ist eine Qualit\u00e4tsklasse f\u00fcr sich und nicht zu verwechseln mit den billigen R\u00e4dern des allgemeinen Marktes. Erstklassig und musterg\u00fcltig nennen es die Fachleute.<\/span><\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><span style=\"font-family: helvetica;\">Deutschland &#8211; Fahrradwerke AUGUST STUKENBROK. EINBECK<\/span><\/strong><br \/>\n<strong><span style=\"font-family: helvetica;\"> Erstklassige Spezialit\u00e4ten in Fahrr\u00e4dern, N\u00e4hmaschinen und Waffen.<\/span><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Radfahrtruppen hatten auf ebenen Stra\u00dfen und Wegen eine hohe Marschgeschwindigkeit und Reichweite. Sie konnten sich nahezu lautlos bewegen und wesentlich mehr Gep\u00e4ck als ein Fu\u00dfsoldat mitf\u00fchren. Zudem war das Ausr\u00fccken aus der Kaserne im Vergleich zu motorisierten Kr\u00e4ften wesentlich beschleunigt. Gegen\u00fcber Kavallerie waren die ersten genutzten Fahrr\u00e4der jedoch kaum gel\u00e4ndeg\u00e4ngig und der Waffengebrauch w\u00e4hrend der Fahrt kaum m\u00f6glich.<br \/>\nErste Versuche einer milit\u00e4rischen Nutzung des Fahrrades begannen nach 1885. In Deutschland wurden ab 1892 Radfahrer zuerst nur als einzelne, den Truppenteilen zugewiesene Melder eingesetzt. Um 1894 wurden erste Radfahrabteilungen aufgebaut. Im Ersten Weltkrieg dann wurden spezielle Radfahrtruppen gebildet. Sie geh\u00f6rten strukturell zu den J\u00e4gern, einer infanteristischen Elitetruppe. Es gab im deutschen Heer 36 Radfahrerkompanien, eine Kavallerie-Radfahrerabteilung, 10 Reservekompanien und 17 Ersatztrupps. <em><a href=\"http:\/\/www.quickiwiki.com\/de\/Radfahrtruppen\">http:\/\/www.quickiwiki.com\/de\/Radfahrtruppen<\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Lange vor der allgemeinen Motorisierung war das Fahrrad das Fortbewegungsmittel schlechthin \u2013 schnell und gut. Aber nicht nur in Deutschland war das Fahrrad auf dem \u201eVormarsch\u201c. Auch der Feind hatte flotte R\u00e4der. So setzt Jean Echenoz seinen Helden Anthime zu Beginn seines Romans \u201e14\u201c auf das Rad und l\u00e4sst ihn am 1. August 1914 der allgemeinen Mobilmachung entgegen radeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #008080;\">Da das Wetter sich ganz ausgezeichnet daf\u00fcr eignete und es Samstag war, ein Tag, an dem seine T\u00e4tigkeit ihm erlaubte, nicht arbeiten zu m\u00fcssen, war Anthime nach dem Mittagessen zu einer Radtour aufgebrochen. Seine Pl\u00e4ne: die pralle Augustsonne genie\u00dfen, sich ein wenig ert\u00fcchtigen und die Landluft tief einatmen, wahrscheinlich auch, im Gras liegend, lesen, denn er hatte an seinem Fahrzeug mit einem Gummispanner ein Buch befestigt, das f\u00fcr den Drahtgep\u00e4cktr\u00e4ger zu volumin\u00f6s war. Nachdem er locker aus der Stadt hinausgerollt und m\u00fchelos rund zehn Kilometer durch eine Ebene geradelt war, musste er bei einem H\u00fcgel in den Wiegetritt gehen und geriet, sich auf seinem Rad von links nach rechts werfend, ins Schwitzen.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\"> Als Anthime auf dieser Erhebung angelangt war, kam j\u00e4h ein ruppiger Wind auf, der ihm erst beinahe die M\u00fctze weggeweht und dann das Rad aus dem Gleichgewicht gebracht h\u00e4tte &#8211; ein solides Gef\u00e4hrt der Marke Euntes, von Kirchenm\u00e4nnern f\u00fcr Kirchenm\u00e4nner konstruiert, das er einem von der Gicht geplagten Vikar abgekauft hatte. Derart lebhafte, ger\u00e4uschvolle und br\u00fcske Luftbewegungen sind in der Region im Sommer eher ungew\u00f6hnlich, schon gar bei solchem Sonnenschein, und Anthime musste einen Fu\u00df auf den Boden setzen, der andere blieb auf dem Pedal, das Rad etwas schr\u00e4g unter ihm.<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #008080;\"> Nichts anderes war zu h\u00f6ren als dieses Tosen, und es war vier Uhr nachmittags. Dann brach das bet\u00e4ubende Grollen des Windes ebenso j\u00e4h ab, wie es aufgekommen war, und wich dem Ger\u00e4usch, das es bislang \u00fcbert\u00f6nt hatte: n\u00e4mlich den Glocken, die hoch auf den T\u00fcrmen zu l\u00e4uten begonnen hatten und unisono in einem ernsten, bedrohlichen, schweren Durcheinander erklangen, in dem Anthime, obgleich er \u00fcber wenig Erfahrung damit verf\u00fcgte, denn er war zu jung, um schon viele Beerdigungen erlebt zu haben, sogleich instinktiv die Sturmglocke erkannte &#8211; die man nur selten bet\u00e4tigt und deren Anblick ihn vor dem Ton erreicht hatte. Angesichts des gegenw\u00e4rtigen Zustandes der Welt konnte das Sturmgel\u00e4ute nur eines bedeuten: Mobilmachung.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Quellen<br \/>\n<em><a href=\"http:\/\/www.quickiwiki.com\/de\/Milit%C3%A4rfahrrad\">http:\/\/www.quickiwiki.com\/de\/Milit%C3%A4rfahrrad<\/a><\/em><br \/>\n<em> <a href=\"http:\/\/fahrradzukunft.de\/13\/gelesen\/\">http:\/\/fahrradzukunft.de\/13\/gelesen\/<\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: 14pt; color: #ff0000;\">Mit dem Stukenbrok-Fahrrad an die Front?<\/span><\/strong><br \/>\n<a href=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/stukenb.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-2205 size-medium\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/stukenb-205x300.jpg\" alt=\"stukenb\" width=\"205\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/stukenb-205x300.jpg 205w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/stukenb-699x1024.jpg 699w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2015\/02\/stukenb.jpg 1088w\" sizes=\"(max-width: 205px) 100vw, 205px\" \/><\/a>Wir staunen heute \u00fcber die hochmoderne Form der Stukenbrok-R\u00e4der \u2013 elegant, ohne Schnickschnack und in der Technik vorbildlich. Sie waren vor 100 Jahren tats\u00e4chlich sehr beliebt. Das steht zumindest auf einem Bestellschein f\u00fcr den Katalog, der 1918 einem Jahreskalender beigeheftet war. Dort steht:<br \/>\n<em>\u201eErstklassige Qualit\u00e4ten zu m\u00e4\u00dfigen Preisen bei prompter und exakter Bedienung haben dem Hause Stukenbrok Weltruf erworben.<\/em><br \/>\n<em>Nahezu \u00bc Million \u201eDeutschland\u201c-Fahrr\u00e4der zur besten Zufriedenheit geliefert. Tausende von freiwilligen Anerkennungen aus allen Kreisen.\u201c<\/em><br \/>\nAuf der R\u00fcckseite dieses Bestellscheins in Postkartengr\u00f6\u00dfe finden wir aber auch den Beleg daf\u00fcr, dass Stukenbrok tats\u00e4chlich R\u00e4der f\u00fcr den Krieg geliefert hat:<br \/>\n<em>\u201eDie Firma Stukenbrok Einbeck ist Lieferantin vieler f\u00fcrstlichen H\u00e4user, sowie hoher und h\u00f6chster Herrschaften des In- und Auslandes, der deutschen Armee und Marine, vieler Staatsbeh\u00f6rden und eisenbahn-Verwaltungen, verschiedener Vereinigungen und Vereine. Vertragslieferant der Kaiserlichen Reichspost.\u201c<\/em><br \/>\n<em><a href=\"http:\/\/www.blitzrad.de\/Kataloge\/1915-august-stukenbrok-katalog-fahrraeder-und-zubehoer.pdf\">http:\/\/www.blitzrad.de\/Kataloge\/1915-august-stukenbrok-katalog-fahrraeder-und-zubehoer.pdf<\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vom Kaiser bis zum Brieftr\u00e4ger &#8211; man fuhr Stukenbroks R\u00e4der all\u00fcberall im deutschen Reich. Die Herrlichkeit war dann aber bald vorbei. Die Weltwirtschaftskrise f\u00fchrte 1932 zur Insolvenz des Unternehmens. Die Stadt Einbeck schm\u00fcckt sich bis heute mit dem Namen Stukenbrok. Im ehemaligen Firmengeb\u00e4ude ist das Neue Rathaus untergebracht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stellungskrieg \u2013 diesen Begriff kennen wir ja und verbinden damit die K\u00e4mpfe bei Verdun oder an der Marne. War man nicht im Sch\u00fctzengraben, nannte man das gegenseitige T\u00f6ten Bewegungskrieg. 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