{"id":2109,"date":"2015-01-30T15:23:48","date_gmt":"2015-01-30T14:23:48","guid":{"rendered":"http:\/\/win2014.de\/?p=2109"},"modified":"2015-04-14T08:29:31","modified_gmt":"2015-04-14T06:29:31","slug":"fraeulein-feldgrau-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/win2014.de\/?p=2109","title":{"rendered":"Fr\u00e4ulein Feldgrau"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Versenden und Sammeln von Ansichtskarten war schon vor dem 1. Weltkrieg eine sehr beliebte Besch\u00e4ftigung. Vor allem wer auf Reisen war, schickte die schnelle Karte. In Gro\u00dfst\u00e4dten wurde bis zu dreimal am Tag die Post ausgeliefert.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Ab August 1914 begann eine Reisewelle der besonderen Art. Viele deutsche M\u00e4nner waren zum ersten Mal so richtig weit von zu Hause weg \u2013 in Belgien, Frankreich oder Russland. Umso wichtiger war der Kontakt zur Heimat. Also jetzt Feldpost. Meistens Feldpostkarte als schneller Gru\u00df von der Front.<\/strong><!--more weiterlesen--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Verlage und Druckereien schwenkten ihre Postkartenproduktion sofort auf das Thema Krieg ein. Aber welche Motive sollte man nehmen? Originalfotos der Schlachten und Kriegsschaupl\u00e4tze? Die grausame Wirklichkeit des Krieges wiedergeben? Das h\u00e4tte sich bestimmt nicht verkauft. Aber was dann?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hastig und millionenfach begann nun die Produktion von Postkarten, die irgendwie, aber nicht zu genau einen Bezug zum Kriegsgeschehen haben sollten. M\u00f6glichst verharmlosen, m\u00f6glichst vermenschlichen, m\u00f6glichst Herz-Schmerz \u2013 das verkauft sich immer. Abgebildet wurden nat\u00fcrlich auch Gener\u00e4le, wenn sie eine Schlacht gewonnen hatten, und der Kaiser in Kriegsuniform. Es gab auch Propaganda gegen den b\u00f6sen Feind. Aber am besten verkaufte sich doch das, was man heute wohl als Kitsch-Postkarten bezeichnen w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/feldgrau_0001.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-large wp-image-250\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/feldgrau_0001-651x1024.jpg\" alt=\"feldgrau_0001\" width=\"640\" height=\"1006\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/feldgrau_0001-651x1024.jpg 651w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/feldgrau_0001-190x300.jpg 190w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/feldgrau_0001.jpg 1036w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Verharmlosen, verniedlichen, vermenschlichen \u2013 unter diesem Motto lassen sich die Gestalter von Postkarten viel einfallen. Fr\u00e4ulein Feldgrau z.B., das fesche M\u00e4del mit Bubikopf und neckischem Augenaufschlag, tr\u00e4gt statt Handt\u00e4schchen einen Klappspaten unterm Arm und blinzelt dem Betrachter verlockend zu, als ob es zu einem heimlichen Rendez-vous gehen w\u00fcrde. Sie wei\u00df auch schon, wo \u2013\u00a0 im Sch\u00fctzengraben: F\u00fcrs Vaterland zu schippen ist Ehre uns und Lust.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><span style=\"color: #ff0000; font-family: arial,helvetica,sans-serif; font-size: 14pt;\">Zur Ansichtskarte<\/span><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Karte hat \u00fcbrigens kurz vor Kriegsende am 29. September 1918 eine gewisse Helene an ihren Henry verschickt. Unklar ist, warum sie gerade diese Karte f\u00fcr ihren Liebling ausgew\u00e4hlt hat. Vielleicht weil sie ihn etwas ablenken will von der rauen Wirklichkeit, vielleicht aber auch nur, weil sie ihm nur schnell einen Gru\u00df schicken will. Das machen die Menschen ja heute noch, wenn sie auf Reisen sind: schnell eine Postkarte aus dem St\u00e4nder ziehen, Mein Liebling\u2026, das Wetter\u2026, liebe Gr\u00fc\u00dfe\u2026 und ab geht die Post. Helene f\u00e4hrt n\u00e4mlich gerade mit der Bahn. Der Zug, der sie nach Hause bringen soll, h\u00e4lt f\u00fcr \u00fcber eine Stunde in Hamburg. Da nutzt sie die Zeit, kauft diese Postkarte und schreibt an ihren Liebling Henry.<\/p>\n<address><span style=\"color: #008080; font-size: 12pt;\">Feldpost<\/span><\/address>\n<address><span style=\"color: #008080; font-size: 12pt;\">Ers.Res. Henry Weber<\/span><\/address>\n<address><span style=\"color: #008080; font-size: 12pt;\">Feld-Rekr.Depot 5 I.D.<\/span><\/address>\n<address><span style=\"color: #008080; font-size: 12pt;\">Stab<\/span><\/address>\n<address><span style=\"color: #008080; font-size: 12pt;\">Deutsche Feldpost Nr. 399<\/span><\/address>\n<address><span style=\"color: #008080; font-size: 12pt;\">\u00a0<\/span><\/address>\n<address><span style=\"color: #008080; font-size: 12pt;\">Hamburg, 28.\/9. 18.<\/span><\/address>\n<address><span style=\"color: #008080; font-size: 12pt;\">Mein Liebling!<\/span><\/address>\n<address><span style=\"color: #008080; font-size: 12pt;\">Befinde mich auf dem Wege zum lieben Elternhaus; ausnahmsweise bei sch\u00f6nstem Reisewetter. Schade da\u00df Du fehlst.<\/span><\/address>\n<address><span style=\"color: #008080; font-size: 12pt;\">Habe bis Dienstag den 1. Okt. frei, da wir seit 8 Tg. eine W\u00e4rterin haben u. ich nur deshalb weg konnte. Nachher ist es einfach unm\u00f6glich. Werde diese Tage Deinen Wunsch betreffend der Pfeife erf\u00fcllen.<\/span><\/address>\n<address><span style=\"color: #008080; font-size: 12pt;\">Mit den herzlichsten Gr\u00fc\u00dfen u. K\u00fcssen verbleibt: Helene<\/span><\/address>\n<address><span style=\"color: #008080; font-size: 12pt;\">\u00a0<\/span><\/address>\n<address><span style=\"color: #000000;\"><strong><em><span style=\"font-size: 12pt;\">auf der Vorderseite erg\u00e4nzt:<\/span><\/em><\/strong><\/span><\/address>\n<address><span style=\"color: #008080; font-size: 12pt;\">Mein Liebling: Augenblicklich 1 \u00bd Std. Aufenthalt (am) Hamburger Bahnhof. Hoffentlich geht\u2018s dir gut.<\/span><\/address>\n<address>\u00a0<\/address>\n<p><a href=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/feldgrau_0002.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-large wp-image-251\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/feldgrau_0002-645x1024.jpg\" alt=\"feldgrau_0002\" width=\"640\" height=\"1016\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/feldgrau_0002-645x1024.jpg 645w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/feldgrau_0002.jpg 1028w\" sizes=\"(max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Versenden und Sammeln von Ansichtskarten war schon vor dem 1. Weltkrieg eine sehr beliebte Besch\u00e4ftigung. Vor allem wer auf Reisen war, schickte die schnelle Karte. In Gro\u00dfst\u00e4dten wurde bis zu dreimal am Tag die Post ausgeliefert. 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