{"id":1243,"date":"2014-08-23T17:20:42","date_gmt":"2014-08-23T15:20:42","guid":{"rendered":"http:\/\/win2014.de\/?p=1243"},"modified":"2015-01-27T18:59:23","modified_gmt":"2015-01-27T17:59:23","slug":"when-the-lamps-went-out","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/win2014.de\/?p=1243","title":{"rendered":"When the Lamps Went Out"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Nicht nur in Deutschland wurde in 2014 fl\u00e4chendeckend an den Ersten Weltkrieg erinnert. In Belgien, Frankreich und England gibt es genauso wie bei uns zahlreiche Ausstellungen, Fernsehdokumentationen und Publikationen zu diesem Jahrhundertereignis. Die Tageb\u00fccher von Kriegsteilnehmern werden ver\u00f6ffentlicht und das Bildmaterial dazu ist im Internet millionenfach abrufbar. <a href=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/lamps_0002.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-1246 size-medium\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/lamps_0002-198x300.jpg\" alt=\"lamps_0002\" width=\"198\" height=\"300\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/lamps_0002-198x300.jpg 198w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/lamps_0002-676x1024.jpg 676w\" sizes=\"(max-width: 198px) 100vw, 198px\" \/><\/a>Interessant und wahrscheinlich einzigartig ist das Buch <em>When the Lamps Went Out<\/em>, das die englische Zeitung <em>The Guardian<\/em>\u00a0 herausgebracht hat.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der <em>Guardian<\/em> hat in einer Anthologie Zeitungsartikel\u00a0 von 1914 bis 1918 zusammengestellt, um zu zeigen, wie der Pulsschlag der Zeit sich damals Tag f\u00fcr Tag ver\u00e4nderte. Dadurch ist ein einzigartiges Zeitdokument entstanden. Wir erfahren, wie damals mit aufgeregter Hand vier Jahre lang das aktuelle Kriegsgeschehen wahrgenommen und ver\u00f6ffentlicht wurde \u2013 ohne zeitliche Distanz und ohne \u201eBesinnung\u201c. In Deutschland gibt es bisher nicht einmal ansatzweise ein \u00e4hnliches Buch. Wie kommt das?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more weiterlesen--> Sicher \u2013 es gibt gen\u00fcgend Archive. Zeitungsarchive oder Stadtarchive, wo man sich einlesen k\u00f6nnte. Aber das ist ein m\u00fchseliges Unterfangen, das eher Wissenschaftlern vorbehalten bleibt. Es gibt in Deutschland mehrere Zeitungsmuseen, die viele Zeitungs-Originale auf Lager haben. Das Internationale Zeitungsmuseum (IZM) in Aachen hat zwar eine aktuelle Ausstellung dazu: <em>\u201eDer erste Weltkrieg \u2013 Ausbruch und Auftakt\u201c<\/em>. Sie zeigt zahlreiche zeitgen\u00f6ssische Zeitungen, Fotos und Berichte \u00fcber den Beginn und den Kriegsverlauf in den ersten Wochen. <a href=\"http:\/\/izm.de\/event\/der-erste-weltkrieg-ausbruch-und-auftakt-2\/\"><em>http:\/\/izm.de\/event\/der-erste-weltkrieg-ausbruch-und-auftakt-2\/<\/em><\/a> Aber ein \u00dcberblick oder ein Blick auf eine einzige Zeitung der damaligen Zeit fehlt. Es geht wie so oft im Augenblick nur um die ersten Wochen im August 1914.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Saarbr\u00fccker Zeitungsmuseum in Wadgassen gibt es zurzeit die Ausstellung <em>\u201eEuphorie und Untergang &#8211; Im Trommelfeuer der Schlagzeilen: Der Erste Weltkrieg\u201c<\/em>. Aber auch hier geht es wieder nur um die ersten Kriegstage, wie das Museum es selber formuliert: <em>\u201eAnhand zahlreicher Originalzeugnisse \u2013 Zeitungen, Extrabl\u00e4tter etc. \u2013 werden vor allem die letzten Friedens- und die ersten Kriegstage im Sommer 1914 pr\u00e4zise dokumentiert. Wie hat die Presse \u00fcber den Kriegsbeginn berichtet? Welche Schlagzeilen verwendeten die Zeitungen? Zeugt die Berichterstattung von Kriegsbegeisterung oder eher von fatalistischer Resignation?\u201c<\/em> Warum gibt es in Deutschland noch kein Buch, das diese interessanten Fragen nicht nur \u00fcber die ersten Tage des Krieges, sondern \u00fcber den gesamten Kriegsverlauf dokumentiert? Die Zeitung als Spiegel der Stimmung im Lande \u2013 das k\u00f6nnte doch die umfangreichen Untersuchungen von Christopher Clark, Herfried M\u00fcnkler und anderen Autoren erg\u00e4nzen. H\u00e4tte nicht irgendein Journalist oder Historiker mit seinen Assistenten und Studenten so etwas l\u00e4ngst zustande bringen k\u00f6nnen? Sicher es gibt hier und da vereinzelte Lokalzeitungen, wie den Mindener Anzeiger oder die Bergische Landeszeitung, die in kleinen Ausschnitten ganze Titelseiten einscannen und online stellen. Aber es gibt keinen wie auch immer zusammengestellten \u00dcberblick. <a href=\"http:\/\/www.mindenertageblatt.de\/blog_mt_intern\/?p=10596\"><em>http:\/\/www.mindenertageblatt.de\/blog_mt_intern\/?p=10596<\/em><\/a> <a href=\"http:\/\/www.mindenertageblatt.de\/blog_mt_intern\/?p=10596\"><em> http:\/\/www.rundschau-online.de\/rhein-berg\/erster-weltkrieg-im-spiegel-als-die-stadt-vor-erregung-bebte,16064474,28000366.html<\/em><\/a> Liegt es daran, dass es die gro\u00dfen deutschen Zeitungen der damaligen Zeit gar nicht mehr gibt \u2013 die Frankfurter Zeitung oder das Berliner Tageblatt?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Berliner_Tageblatt_640.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\" size-medium wp-image-1959 alignleft\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Berliner_Tageblatt_640-300x197.jpg\" alt=\"Berliner_Tageblatt_640\" width=\"300\" height=\"197\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Berliner_Tageblatt_640-300x197.jpg 300w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Berliner_Tageblatt_640.jpg 640w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Das Berliner Tageblatt erschien erstmals am 1. Januar 1872. Es war zun\u00e4chst ein Anzeigenblatt f\u00fcr die Gesch\u00e4ftswelt, wurde aber bald eine eigenst\u00e4ndige Zeitung. Von 1906 bis 1933 war Theodor Wolff Chefredakteur. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Berliner Tageblatt zum einflussreichsten Hauptstadtblatt. Nach 1933 wurde die Zeitung gleichgeschaltet und erschien noch bis zum 31. Januar 1939. Der Frankfurter Zeitung, einem ebenfalls liberalen und angesehenen Blatt, erging es ebenso. Eine Neugr\u00fcndung nach 1945 war zwar geplant, scheiterte aber an den Besatzungsm\u00e4chten, die gar keine Zeitungsgr\u00fcndungen duldeten. Die Frankfurter Allgemeine bem\u00fcht sich im Augenblick immerhin, einige Ausgaben der Frankfurter Zeitung von 1914 ins Netz zu stellen. <span style=\"font-size: 10pt;\"><em><a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/der-erste-weltkrieg\/historisches-e-paper\/s2.html#FAZContent\">http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/der-erste-weltkrieg\/historisches-e-paper\/s2.html#FAZContent<\/a><\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Berlin-Tempelhof soll im ehemaligen Ullsteinhaus ein Deutsches Pressemuseum entstehen.<span style=\"font-size: 10pt;\"><em><a href=\"http:\/\/www.dpmu.de\/Pressemuseum\/Willkommen.html \">http:\/\/www.dpmu.de\/Pressemuseum\/Willkommen.html<\/a><span style=\"text-decoration: underline;\">\u00a0<\/span><\/em><\/span>Vielleicht k\u00fcmmert sich dort jetzt schon jemand unbemerkt um das Berliner Tageblatt und recherchiert f\u00fcr uns, wie diese bedeutende deutsche Zeitung vor 100 Jahren den Krieg gesehen hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Ullsteinhaus_2_72dpi.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-1247 size-full\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Ullsteinhaus_2_72dpi.jpg\" alt=\"Ullsteinhaus_2_72dpi\" width=\"690\" height=\"616\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Ullsteinhaus_2_72dpi.jpg 690w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/2014\/08\/Ullsteinhaus_2_72dpi-300x267.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 690px) 100vw, 690px\" \/><\/a>Ein Vorbild gibt es ja schon \u2013 das Buch, das der <em>Guardian<\/em> herausgebracht hat. Im Klappentext wird begr\u00fcndet, was dieses Buch so bedeutend macht:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">When the Lamps Went Out<em> presents a surprising, immediate, sometimes humbling, sometimes uplifting insight into what British society was reading about, and thinking, during the Great War.<\/em> <em> Journalism catches the moment at the moment, and these stories drawn from the Guardian archive stretch across a century as signals from a lost world. We see boy scouts patrolling the coast and liners lost at sea; upper-class charity in Chelsea and bloody battles in Champagne; Pathan fighters in Flanders and Charlie Chaplin impersonators an the Euston Road. We see suffragists in East London, Bolsheviks in Glasgow, Vesta Tilley at the New Palace Theatre &#8211; and the British army at the gates of Damascus. lt was a time when new technologies could rain shells seventy-five miles from the stratosphere into Paris, and make moving images the art form of the century.<\/em> When the Lamps Went Out<em> is a panorama of a society during a cataclysm, recorded by people who were there, through victories and defeats; the women, men and children who lived, loved, defied, perished and survived in the war that did not end all wars.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus dieser Anthologie sollen zum Schluss zwei kurze Abschnitte vom 4. August 1914 zeigen, wie zeitnah und hautnah die Berichte eines Reporters die Stimmungslage der Menschen von damals wiedergeben kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Tears in Soho<\/strong> One came nearest to the reality of the situation in the French quarter in Soho or in the narrow streets off Tottenham Court Road, where hundreds of the poorer Germans live. In Compton Street one could hardly get along for the groups of young Frenchmen, waiters in restaurants, in their Sunday clothes, talking things over. Friends and relations of these young fellows had left for France only a few hours before. One saw French mothers and wives with red eyes. The little French restaurants were almost deserted; perhaps people were too excited to eat. In the wider streets motors came along occasionally adorned with British and French flags entwined, the occupants singing patriotic songs and waving little flags. Here and there English people were calling for cheers for King George and for the President of the French Republic, and shrill cries of `Vive Angleterre&#8216; were heard.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>The German Reservists Go<\/strong> Then I saw the German reservists going. They left with something like the circumstance, if not the pomp, of war. A special train took them from Charing Cross to Gravesend, where a steamer was chartered to sail direct to Hamburg. For nearly half an hour Charing Cross was like a scene in Germany. There were about 600 travellers, with several hundreds of friends, and suburban passengers arriving on the other platforms were brought up standing, as they sat, by the roar of `Die Wacht am Rhein&#8216; and the sight of this regiment of young Teutons, very excited and at times noisy, dressed in all varieties of costumes, many with the appearance of hurried dressing and many with their things packed anyhow in hat-boxes and in newspaper. The majority were probably waiters, the men one sees in a mass at great public dinners being drilled by the chief, halting at the buffet and deploying into line down the tables with the duo courses. Now very masculine, almost truculent, they charged through the crowd, carrying the platform at a rush. <span style=\"color: #008080; font-size: 10pt;\"><em>WHEN THE LAMPS WENT OUT, From Home Front to Battle Front: Reporting the Great War 1914-1918, edited by Nigel Fountain, London, Guardian Books, 1914, S. 39-41<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Am Abend des 3. August 1914 blickte der britische Au\u00dfenminister Edward Grey aus seinem B\u00fcro auf den Londoner St. James Park, in dem gerade die Laternen angez\u00fcndet wurden. Angesichts des beginnenden Ersten Weltkriegs befielen den Politiker d\u00fcsterste Ahnungen. Er schreibt 1925 in seinen Memoiren:<em> A friend came to see me on one of the evenings of the last week \u2014 he thinks it was on Monday, August 3rd. We were standing at a window of my room in the Foreign Office. It was getting dusk, and the lamps were being lit in the space below on which we were looking. My friend recalls that I remarked on this with the words: \u201cThe lamps are going out all over Europe, we shall not see them lit again in our life-time.\u201d <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In England ist dieses Wort von Sir Edward Grey heute nach 100 Jahren immer noch im Ged\u00e4chtnis. Es gab am 4. August 2014 eine beindruckende Aktion im ganzen Land. Zum Gedenken an den Ersten Weltkrieg wurde es in London dunkel. Die Aktion sollte an dieses ber\u00fchmte <em>When the Lamps Went Out<\/em> und an ein verstrichenes Ultimatum erinnern. <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/gedenken-an-den-ersten-weltkrieg-london-macht-das-licht-aus-1.2077370\"><span style=\"font-size: 10pt;\"><em>http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/gedenken-an-den-ersten-weltkrieg-london-macht-das-licht-aus-1.2077370<\/em><\/span><\/a><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"640\" height=\"360\" src=\"http:\/\/www.youtube.com\/embed\/7mj6Lx6nEuI?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht nur in Deutschland wurde in 2014 fl\u00e4chendeckend an den Ersten Weltkrieg erinnert. In Belgien, Frankreich und England gibt es genauso wie bei uns zahlreiche Ausstellungen, Fernsehdokumentationen und Publikationen zu diesem Jahrhundertereignis. 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