{"id":2729,"date":"2016-01-12T11:46:48","date_gmt":"2016-01-12T10:46:48","guid":{"rendered":"http:\/\/win2014.de\/?page_id=2729"},"modified":"2016-01-12T12:48:17","modified_gmt":"2016-01-12T11:48:17","slug":"das-sogenannte-weihnachtswunder-1914","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/win2014.de\/?page_id=2729","title":{"rendered":"Silvester 1914 an der Front"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">aus: Kriegsbriefe gefallener Studenten, Hrsg. Philipp Witkop, M\u00fcnchen,1928<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-2730\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/stud-Kopie.jpg\" alt=\"stud - Kopie\" width=\"1991\" height=\"746\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/stud-Kopie.jpg 1991w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/stud-Kopie-300x112.jpg 300w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/stud-Kopie-1024x384.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 1991px) 100vw, 1991px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #800000;\"><em>Der Student Karl Aldag (geb. 1889, gefallen am 15. Januar 1915) schreibt nach Hause:<\/em><\/span><br \/>\n<span style=\"color: #800000;\"><em>3. Januar 1915<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ganz eigenartig war Silvester hier. Es kam ein englischer Offizier mit wei\u00dfer Fahne her\u00fcber und bat um Waffenruhe von 11 bis 3 Uhr zur Beerdigung der Toten (kurz vor Weihnachten waren hier heftige feindliche Angriffe gewesen, wobei die Engl\u00e4nder viele Tote und Gefangene verloren). Sie wurde gew\u00e4hrt. Es ist sch\u00f6n, da\u00df man nicht mehr die Leichen liegen sieht. Die Waffenruhe aber wurde ausgedehnt. Die Engl\u00e4nder kamen aus ihrem Graben heraus in die Mitte, tauschten Zigaretten, Fleischkonserven, auch Photographien aus mit den Unsern, sagten, wollten nicht mehr schie\u00dfen. So herrscht vollst\u00e4ndige Ruhe, die einem seltsam vorkommt. Wir und sie gehen und stehen auf der Deckung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es konnte nicht so weitergehen, und so schickten wir hin\u00fcber, sie m\u00f6chten in den Graben gehen, wir w\u00fcrden schie\u00dfen. Da antwortete der Offizier, es t\u00e4te ihnen leid, ihre Leute gehorchten nicht. Sie hatten keine Lust mehr. Die Soldaten sagen, sie k\u00f6nnten nicht mehr im nassen Graben liegen, Frankreich w\u00e4re kaputt. Sie sind auch wirklich viel schmutziger als wir, haben mehr Wasser im Graben als wir und viele Kranke. Es sind ja S\u00f6ldner, sie streiken einfach. Wir schossen nat\u00fcrlich nicht, denn auch unser Laufgraben (der vom Dorf in die Feuerlinie f\u00fchrt) ist stets voll Wasser, und es ist gut, da\u00df wir \u00fcber die Deckung gehen konnten ohne Lebensgefahr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob das ganze englische Heer streikt und den Herren in London einen Strich durch die Rechnung macht? Unsere Leutnants gingen hin\u00fcber und schrieben sich in ein Album der englischen Offiziere ein. Eines Tages kam ein englischer Offizier und bestellte, ihre Oberleitung h\u00e4tte die Beschie\u00dfung unserer Gr\u00e4ben befohlen, wir m\u00f6chten Deckung nehmen, und dann scho\u00df die (franz\u00f6sische!) Artillerie, allerdings sehr heftig, aber ohne uns Verluste beizubringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Silvester riefen wir uns die Zeit zu und verabredeten, um 12 Uhr Salven zu schie\u00dfen. Der Abend war kalt. Wir sangen Lieder, sie klatschten Beifall (wir liegen 60-70 Meter gegen\u00fcber), wir spielten Mundharmonika, dazu sangen sie, und wir klatschten. Dann fragte ich, ob sie nicht auch Musikinstrumente dah\u00e4tten, und dann kriegten sie einen Dudelsack vor (es ist die schottische Garde mit den kurzen R\u00f6cken und nackten Beinen), sie spielten ihre sch\u00f6nen elegischen schottischen Lieder darauf, sangen auch. Um 12 Uhr dann knatterten Salven von beiden Seiten in die Luft. Dazu ein paar Sch\u00fcsse unserer Artillerie, ich wei\u00df nicht, wohin die schossen, die sonst so gef\u00e4hrlichen Leuchtkugeln prasselten auf wie ein Feuerwerk, mit Fackeln wurde geschwenkt und Hurra geschrien. Wir hatten uns einen Grog gebraut und tranken den mit einem Hoch auf Kaiser Wilhelm und auf das neue Jahr. Es war rechtes Silvester, wie im Frieden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">*********<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-2752\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Die-Woche.png\" alt=\"Die-Woche\" width=\"1776\" height=\"381\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Die-Woche.png 1776w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Die-Woche-300x64.png 300w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Die-Woche-1024x220.png 1024w\" sizes=\"(max-width: 1776px) 100vw, 1776px\" \/>Vor Weihnachten 1914 gab es \u00fcbrigens eine Werbung f\u00fcr Asbach-Uralt in der Zeitschrift <em>DIE WOCHE<\/em> (5. Dezember 1914). Weihnachten und Silvester waren f\u00fcr jeden Soldaten durch Asbach gerettet &#8211; so suggeriert es jedenfalls das kleine Gedicht <em>Weihnachten im Felde!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-2751\" src=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Asbach-2.jpg\" alt=\"Asbach 2\" width=\"1011\" height=\"1439\" srcset=\"http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Asbach-2.jpg 1011w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Asbach-2-211x300.jpg 211w, http:\/\/win2014.de\/wp-content\/uploads\/Asbach-2-719x1024.jpg 719w\" sizes=\"(max-width: 1011px) 100vw, 1011px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>aus: Kriegsbriefe gefallener Studenten, Hrsg. Philipp Witkop, M\u00fcnchen,1928 Der Student Karl Aldag (geb. 1889, gefallen am 15. Januar 1915) schreibt nach Hause: 3. Januar 1915 Ganz eigenartig war Silvester hier. 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